Winzer erwarten zum Teil weniger, aber dafür gute Weine

In vielen Rebbergen in der Romandie beginnt an diesem Wochenende die Zeit der Weinlese. Die Frostnächte im April haben zwar Spuren hinterlassen, was die Qualität betrifft sind die meisten Winzer aber zuversichtlich.
07.09.2017 16:44

Im Wallis ist die "Läset" zum Teil bereits im Gang, allerdings nur auf einigen Parzellen mit Rebsorten, die für Schaumweine bestimmt sind. Offiziell beginnt die Weinlese am Montag.

Der Grossteil der Trauben werde in den nächsten zwei Wochen gelesen und eingekellert, sagte Guillaume Favre vom Weinbauamt des Kantons Wallis auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die diesjährige Ernte habe im Vergleich zum letzten Jahr einen Vorsprung von fast drei Wochen, verglichen mit 2015 liege man aber im Zeitrahmen.

Die Weintrauben seien schön und das Wetter ideal, sagte Favre. Das mehrheitlich schöne und warme Wetter seit Anfang September habe den Zuckergehalt der Trauben erhöht, und durch den Gegensatz von eher kühlen Nächten und sonnigen Tagen entwickelten sich die Aromen.

Die Frostnächte vom vergangenen April hätten zum Teil beträchtliche Spuren hinterlassen, hielt Favre fest. Beziffern konnte er die Schäden zwar nicht, doch bestätigte er, dass die Weinernte mengenmässig tiefer ausfallen dürfte als letztes Jahr.

Laut Jean-Paul Aymon von der Branchenorganisation der Walliser Weinbauern sind die Schäden "enorm". Zehn Kontrolleure des Berufsverbandes waren während rund zwei Wochen im Einsatz, um die Schäden aufzunehmen. Demnach wurden etwas mehr als tausend Hektaren - rund ein Viertel der gesamten Rebfläche im Wallis - durchschnittlich zu 67 Prozent getroffen.

Im August hat zudem der Hagel den Walliser Reben nochmals zugesetzt, allerdings sehr lokal zwischen Savièse und Conthey. Schätzungen zum Ausmass dieser Schäden konnte Favre keine abgeben.

Im Kanton Waadt wird der Grossteil der Rebbauern um den 19. September herum mit der Lese beginnen, wie François Montet, Präsident der Waadtländer Winzervereinigung, auf Anfrage sagte. Das sei früher als üblich, der Vorsprung mache im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre rund eine Woche aus.

Die Qualität der Ernte verspreche "fantastisch" zu werden, fügte Montet hinzu. Die Reben hätten wenig unter Krankheiten wie dem echten oder falschen Mehltau, Fäulnis oder der Kirschessigfliege gelitten. Ausserdem sei der Kanton Waadt mit Ausnahme des Vully zum grössten Teil vom Frost verschont geblieben. So dürfte die Weinernte auch quantitativ so ausfallen, dass die Nachfrage gedeckt werden kann. Dies sei in den letzten Jahren nicht immer der Fall gewesen.

Im Kanton Neuenburg werden die Winzer und Erntehelfer am Wochenende oder Anfang der nächsten Woche in die Hosen steigen. Im Vergleich zu den letzten Jahren beträgt der Vorsprung hier drei Wochen.

Die Reben im Kanton Neuenburg seien wie durch ein Wunder vom Frost verschont geblieben, hielt Sébastien Cartillier, Direktor der kantonalen Weinbaustelle, fest. Unter Vorbehalt klimatischer Überraschungen dürfe man davon ausgehen, dass die diesjährige Weinernte sowohl von der Quantität als auch von der Qualität her tadellos ausfallen werde.

(SDA)