Ausblick ABB: Quartalsgewinn von durchschnittlich 363 Mio USD erwartet

Zürich (awp) - Der Industriekonzern ABB veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli, die Zahlen zum zweiten Quartal 2016. Insgesamt haben 15 Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
20.07.2016 13:15
In Mio USD                AWP-Konsens          Q2 2015   

Auftragseingang              8'810              8'966  
Umsatz                       8'807              9'165 
operativer EBITA             1'062              1'058    
Reingewinn                     363                588  

FOKUS: In Marktkreisen wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass ABB den Auftragseingang im Vergleich zum Vorquartal auf vergleichbarer Basis in etwa halten oder gar leicht verbessern konnte. Der Umsatz dürfte hingegen wie schon im ersten Quartal leicht rückläufig gewesen sein. Nach Ansicht der Analysten hat sich das Automations-Geschäft weiterhin schwach entwickelt, während die Sparte Power Grids zum Wachstum und zu einer leichten Verbesserung der operativen Marge beigetragen hat. Weitere Fortschritte sollte das Unternehmen zudem mit den Kostensenkungsprogrammen gemacht haben.

Viele der Kommentatoren richten den Blick aber bereits auf den Capital Markets Day von Anfang Oktober. Dann will ABB über das Ergebnis der strategischen Überprüfung der Division Stromnetze (Power Grids) informieren, das heisst, man wird in erster Linie einmal wissen, ob ABB die Division verkauft oder nicht.

ZIELE: Angesichts des schwierigen Umfelds gebe es keine konkrete Prognose für das Geschäftsjahr 2016, liess ABB anlässlich der Quartalspublikation vom April wissen. Das Unternehmen blieb zurückhaltend und ging noch nicht von einer Verbesserung des konjunkturellen Umfelds aus. "Es ist weiterhin 'Schwerwetter-Segeln' angesagt", meinte CEO Ulrich Spiesshofer damals. Mit Blick auf Asien strich Spiesshofer China und Indien hervor. China befinde sich zwar in einer Transformationsphase hin zu einer Konsumgesellschaft, dennoch bleibe das Land im Wachstumsmodus, so Spiesshofer. Die Entwicklung in Indien bezeichnete er als solid und hoffnungserweckend.

Im Februar, anlässlich der Jahreszahlen, liess Spiesshofer die Frage, ob das Unternehmen 2016 auf den Wachstumspfad zurückkehren werde, offen. "Vielleicht wird es im zweiten Semester wieder aufwärts gehen", so der ABB-Chef damals.

Anfang Juni sagte Spiesshofer in einem Interview mit AWP mit Blick auf 2016: "Das Marktumfeld wird in wesentlichen Segmenten unverändert schwierig bleiben. Wir müssen agil sein und da, wo wir Wachstumschancen haben, diese durch die Bereitstellung der entsprechenden Ressourcen unterstützen. Wo wir nicht wachsen oder gar schrumpfen, müssen wir die Ressourcen anpassen. Die Kostenprogramme fahren wir konsequent und mit gutem Erfolg weiter."

Die mittelfristige Umsatzprognose hatte ABB anlässlich des Capital Markets Day (CMD) vom vergangenen September reduziert; der Markt hatte diese davor schon länger als zu ambitiös angesehen. Demnach will ABB um 3 bis 6% pro Jahr wachsen, das alte Ziel der "Next-Level-Strategie" lautete auf 4 bis 7%. Die übrigen Finanzziele für den Zeitraum 2015 bis 2020 wurden dagegen bestätigt. Für die EBITA-Marge gilt ein Zielkorridor von 11 bis 16%, für die jährliche Steigerungsrate des operativen Gewinns pro Aktie (EPS) ein solcher von 10 bis 15%, die Cashflow-Rendite auf das investierte Kapital (CROI) soll im mittleren Zehnerprozentbereich liegen und die durchschnittliche Free Cashflow Conversion über 90% erreichen.

PRO MEMORIA: Im erwähnten Interview erklärte Spiesshofer zudem die Notwendigkeit der strategischen Überprüfung der Division Power Grids und zeigte sich dabei für Teilbereiche des Konzerns zuversichtlich: "Geschäfte mit einer hohen Veränderungsdynamik müssen ab und zu auf den Prüfstand gestellt werden. So hiess es beispielsweise noch Ende 2009, ABB solle den verlustbringenden Bereich Robotics verkaufen. Wir haben eine strategische Portfolio-Review durchgeführt und heute ist Robotics eine Perle in unserem Portfolio. Das Geschäftsfeld wächst aussergewöhnlich stark und ist extrem erfolgreich. Nicht nur unser kollaborativer zweiarmiger Roboter 'Yumi', auch all unsere anderen Roboter verkaufen sich sehr gut."

Dass er die Division Stromnetze lieber nicht verkaufen möchte, wollte er bei dieser Gelegenheit nicht bestätigen: "Wir sind mitten in diesem Überprüfungs-Prozess, wobei wir uns auch mit externen Experten austauschen. Die Nachfragedynamik in diesem Markt ist aber definitiv vorhanden. Es gibt weltweit mehr Menschen, die mehr Strom verbrauchen." Die Strategieüberprüfung für die ab 2016 im Rahmen einer vereinfachenden Reorganisation neu geschaffene Division Stromnetze verläuft gemäss dem CEO nach Plan.

Just an diesem Dienstag gab ABB zudem den Erhalt eines Auftrags im Wert von über 300 Mio USD für eine Ultrahochspannungs-Übertragungsleitung in China bekannt.

Mit Blick auf den vorübergehend in den Bereich von 50 USD je Barrel gestiegenen Ölpreis, gab Spiesshofer noch keine Entwarnung. "Der Ölpreis ist von rund 100 USD auf rund 30 USD abgesackt, mit 50 USD hat der Preis erst wieder die Hälfte des früheren Niveaus erreicht. Wir sehen derzeit vereinzelte Nachfragesignale, als Ganzes hat die Branche die Talsohle aber noch nicht durchschritten."

Weiterhin sollen die Umsatzkosten um 3 bis 5% im Jahr gesenkt werden. Und die für 2016 erwarteten Einsparungen aus dem White Collar-Programm sieht Spiesshofer bei über 400 Mio USD.

Weiter erklärte er, dass ABB nun wieder die Möglichkeit auch für grössere Übernahmen hätte. "Wir lassen uns damit aber Zeit und bleiben unserem disziplinierten Ansatz treu."

AKTIENKURS: Im laufenden Jahr hat die ABB-Aktie gut 13% zugelegt, den Höchststand von Ende Mai im Vorfeld der Brexit-Abstimmung von 20,15 CHF aber nicht ganz gehalten. Dennoch schneidet der Titel damit klar besser ab als der Gesamtmarkt SMI mit einem Minus von über 8%. In den Jahren davor performten ABB indes deutlich schwächer als der Gesamtmarkt.

jl/cf

(AWP)