Ausblick ABB: Quartalsgewinn von durchschsnittlich 551 Mio USD erwartet

Zürich (awp) - Der Energie- und Automationstechnikkonzern ABB veröffentlicht am Donnerstag, 27. Oktober die Zahlen zum dritten Quartal 2016. Insgesamt 13 Analysten haben dazu folgende Prognosen:
26.10.2016 13:34
In Mio USD                AWP-Konsens          Q3 2015  

Auftragseingang              8'360              8'767
Umsatz                       8'361              8'519   
Operativer EBITA             1'096              1'081  
Reingewinn                     551                577  

FOKUS: In Marktkreisen wird allgemein davon ausgegangen, dass die Schwäche im Projektgeschäft im Teilgebiet Automation im dritten Quartal angehalten haben dürfte, entsprechend könnten auch der Bestellungseingang und der Umsatz eher schwach ausgefallen sein. So liegt denn darauf ein Fokus der Analysten, ebenso aber auch auf dem frühzyklischen Geschäft in den Märkten USA, China und Europa. Insgesamt wird wohl der Gegenwind in den Märkten Öl und Gas, Bergbau und im Nahen Osten auch im dritten Quartal angehalten haben, wie es auch CEO Ulrich Spiesshofer anlässlich des Capital Markets Day (CMD) von vor drei Wochen angedeutet hat.

Weiter wird erwartet, dass der Turnaround in der Sparte Stromnetze weitere Fortschritte erzielt hat, was zusammen mit den laufenden Einsparungen die Schwäche im Automationsgeschäft etwas aufgefangen haben sollte. Die EBITA-Marge dürfte sich gemäss den Prognosen denn auch in den Bereich von 13% oder knapp darüber weiter verbessert haben, sowohl sequentiell als auch gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Ausblick von ABB wird mit Verweis auf die unsichere Marktlage sowie auf die eigenen Stärken wohl erneut sehr vorsichtig ausfallen.

ZIELE: Einen konkreten numerischen Ausblick auf das Gesamtjahr oder auch auf einzelne Quartale macht ABB nicht. Wie erwähnt nannte Spiesshofer das Marktumfeld Anfang Oktober weiterhin anspruchsvoll. "Wir werden weiterhin den Gegenwind aus den Märkten spüren", sagte er auch bereits anlässlich der Publikation der Halbjahreszahlen im vergangenen Juli. Der Brexit in Grossbritannien hat laut Spiesshofer die Erwartungen für Europa insgesamt gedämpft und zu Unsicherheiten im Land selber geführt. Dies und die Ereignisse in der Türkei und in Frankreich seien Beweis für die derzeit sehr unsichere und volatile Welt, wobei er auch US-Wahlen erwähnte.

Mit Blick auf den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres erklärte Spiesshofer im Juli, dass ABB in einer mit den "jüngsten Ereignissen" und dem Brexit sehr schwierigen Welt weiterhin "auf Sicht fliegen" müsse. "Wir wollen das Momentum dort, wo wir wachsen, bewahren", sagte Spiesshofer. Er verwies darauf, dass ABB in Segmenten wie Food&Beverage, Automobilindustrie, in Europa insgesamt oder auch in den BRIC-Staaten gutes Wachstum verzeichne. Damit soll die Schwäche in den Prozessindustrien möglichst ausgeglichen werden. Optimistisch stimmte ihn etwa auch der Anstieg des Bestellungseingangs um 18% in China.

Vorausblickend sagte er weiter, dass er davon ausgehe, dass in der Öl- und Gasindustrie vor allem der Upstream-Bereich, also das Fördergeschäft, sowie das Minengeschäft weiterhin schwach bleiben dürften. Gewisse Anzeichen einer Verbesserung gebe es im Geschäft der Öl- und Gasverarbeitung, aber ein Turnaround sei dies noch nicht.

Weiter bestätigte Spiesshofer die bisher geltenden Ziele für den Konzern als da sind ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 3 bis 6%, ein durchschnittliches Wachstum des operativen Gewinns je Aktie von 10 bis 15%, eine Umwandlungsrate von über 90% des Reingewinns in freien Cashflow oder eine EBITDA-Marge in einem Zielkorridor von 11 bis 16%.

Je (ab 2017 neu definierter) Division lauten die Ziele bezüglich EBITDA-Marge 15 bis 19% für die Division Elektrifizierungsprodukte, 14 bis 19% in der Division Robotics und Antriebe, 11 bis 15% in der Division Industrial Automation und neu 10 bis 14% für die Division Stromnetze. Das letzte dieser Ziele gilt allerdings erst ab 2018. Darüber hinaus sieht Spiesshofer ABB "sehr gut auf Kurs" zur Reduktion des Umlaufvermögens um 2 Mrd USD bis 2017.

PRO MEMORIA: Am CMD vor drei Wochen gab ABB nicht unerwartet das Festhalten an der Division Stromnetze (Power Grids) bekannt. Die vier bisherigen Divisionen werden allerdings neu aufgeteilt, nämlich in die Divisionen Elektrifizierungsprodukte, Robotik und Antriebe, Industrieautomation und die erwähnte Sparte Stromnetze. Weiter wurde eine Verschärfung des Sparprogramms im Konzernbereich sowie ein neues Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Von 2017 bis 2019 sollen Aktien im Volumen von bis zu 3 Mrd USD zurückgekauft werden.

Die neuen Divisionen sollen innerhalb der Gruppe noch stärker unternehmerisch handeln können. Spiesshofer hob dabei das neue Kompensationsmodell hervor, welches die Spartenleiter zu voll verantwortlichen Unternehmern mache, oder auch die vereinfachten Management-Prozesse. Durch ein aktives Portfoliomanagement sollen die Divisionen zudem weiter gestärkt werden.

Die Hauptänderung der neuen Divisionen betrifft die Division Elektrifizierungsprodukte. Dort werden künftig alle Elektrifizierungsangebote von ABB gebündelt. Dabei werden die Bereiche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Solarumrichter und unterbrechungsfreie Stromversorgung von der bisherigen Division Industrieautomation und Antriebe in die Division Elektrifizierungsprodukte überführt. Die dafür notwendigen Investitionen, warnte Spiesshofer, dürften die Ergebnismarge der Division Elektrifizierungsprodukte anfänglich negativ beeinflussen.

Die Division Industrieautomation geht aus der bisherigen Division Prozessautomatisierung hervor und die Division Robotik und Antriebe aus der bisherigen Division Industrieautomation und Antriebe.

AKTIENKURS: Derzeit verzeichnen ABB eine positive Jahresperformance von rund 28% und schlagen damit alle übrigen Bluechips der Schweizer Börse. Seit Jahresbeginn geht es mehr oder weniger konstant nach oben, das Papier befindet sich derzeit auf dem höchsten Stand seit Anfang 2014.

an/cf

(AWP)