Ausblick ABB: Quartalsumsatz von durchschnittlich 8,47 Mrd USD erwartet

Der Energie- und Automationstechnikkonzern ABB veröffentlicht am Donnerstag, 26. Oktober, die Zahlen zum dritten Quartal 2017. Insgesamt 13 Analysten haben dazu folgende Prognosen:
25.10.2017 13:54
(in Mio USD)             AWP-Konsens        Q3 2016  

Auftragseingang             8'115            7'533    
Umsatz                      8'467            8'255   
Operativer EBITA            1'085            1'063       
Reingewinn                    546              568  

FOKUS: In Marktkreisen wird für das dritte Quartal von ABB ein Umsatzwachstum im tiefen einstelligen Prozentbereich prognostiziert. Der Auftragseingang dürfte dagegen gemäss den Prognosen im mittleren bis hohen einstelligen Bereich zugenommen haben. Dabei dürfte das Wachstum des Bestellungseingang vor allem vom anhaltenden Momentum bei den Basisaufträgen, das heisst im kurzfristigen Geschäft, profitiert haben und die Zahlen allgemein von der schwachen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr sowie von positiven Währungseffekten.

Eine Belebung im Geschäft der Prozessindustrien sehen die meisten Analysten noch nicht, ebenso wenig Impulse von Grossaufträgen im Bereich Power Grids.

Die Marge dürfte sich im Vergleich zum Vorjahr flach oder allenfalls gar leicht rückläufig entwickelt haben. Die Analysten verweisen dabei auf einen negativen Einfluss aus dem Bereich Mittelvoltmotoren in der Division Robotics & Motion, auf den Produktemix, auf die noch nicht voll zum Tragen kommenden Preiserhöhungen wegen der gestiegenen Rohstoffpreise oder auf die Kosten des "Power Up"-Programms.

ZIELE: Quantitative Ausblicke macht ABB jeweils nicht. Mit Blick nach vorne zeigte sich ABB im Juli anlässlich der Präsentation der Zweitquartalszahlen vorsichtig. Makroökonomische und geopolitische Entwicklungen würden ein durchwachsenes Szenario mit anhaltenden Unsicherheiten signalisieren, wiederholte die Gruppe damals frühere Aussagen. In den USA werden weiterhin einige positive Signale geortet und für China wird fortgesetztes Wachstum erwartet.

CEO Ulrich Spiesshofer ging aber davon aus, dass das positive Order-Momentum auch im zweiten Semester anhalten werde. "Mit Blick nach vorne bin ich vorsichtig optimistisch", erklärte er. Die positiven Zeichen aus verschiedenen frühzyklischen Märkten, welche er Ende des ersten Quartals erwähnt hatte, seien weiterhin vorhanden.

Im September hatte ABB anlässlich eines Technologietages die Mittelfristziele bis 2020 bestätigt. Demnach wird für den Zeitraum 2015 bis 2020 weiter mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 3 bis 5% gerechnet sowie mit einer EBITA-Marge in einer Spanne von 11 bis 16%.

PRO MEMORIA: Die Strategieumsetzung unter dem Titel "Next Level" verlaufe nach Plan und die neue Divisionsstruktur arbeite gut, hiess es anlässlich dieses Tages weiter. Das laufende Jahr wurde erneut als "entscheidendes Transformationsjahr" bezeichnet. Die Marktdynamik sei dabei sich zu verbessern und ABB werde zu profitablem Wachstum zurückfinden. 2018 werde das erste Jahr des "neuen Normalzustandes".

Im Oktober ging Spiesshofer für die Zukunft von einem klar verbesserten Marktumfeld aus. "Für die Zeitspanne von 2017 bis 2020 erwarten wir ein komplett anderes Marktumfeld als in den Jahren davor, als die Märkte massiv schrumpften und die Entscheide der Unternehmen vor allem von Vorsicht geprägt waren", sagte er in einem Interview mit der schwedischen Wirtschaftszeitung "Dagens Industri".

Das Jahr 2018 werde bereits besser sein als 2017, fügte er in dem Interview an. Nach den Wahlen in Frankreich und Deutschland sollte sich das Momentum in Europa verbessern. Ausserdem hoffte er, dass auch über die Richtung in den USA bald mehr Klarheit herrsche. In China werde weiterhin in die Infrastruktur investiert und auch Indien werde sich künftig stark entwickeln. "Ich bin optimistisch, dass wir ein höheres Wachstumslevel erreichen werden", sagte Spiesshofer gegenüber der Zeitung.

Mit Blick auf die EBITA-Marge, für die sich ABB ein Zielband von 11 bis 16% gesetzt und im ersten Halbjahr einen Wert von gut 12% erreicht hat, erklärte Spiesshofer: "Mit der Verbesserung des Marktumfelds ist es unsere klare Ambition, die Marge in den oberen Bereich der Zielspanne zu bringen." In den vergangenen Jahren habe der Fokus auf dem Umbau von ABB gelegen, auf Kostensenkungen und Vereinfachung. Jetzt verfüge das Unternehmen über eine viel einfachere Struktur mit vier Divisionen und man habe deshalb mehr Zeit für die Kunden.

Im September gab ABB die Übernahme von GE Industrial Solutions mit einem Umsatz von 2,7 Mrd USD bekannt, was sich ABB 2,6 Mrd kosten lässt. Die Marge der Sparte Elektrifizierungs-Produkte (EP), wo das übernommene Geschäft integriert wird, wird zwar in einer ersten Phase belastet, auf längere Sicht soll das Geschäft aber dank Synergien deutlich profitabler werden. In Marktkreisen wurde die Akquisition als strategisch sinnvoll erachtet, grosse Begeisterung brach darob aber nicht aus. Kritisiert wurde unter anderem, dass sich ABB damit zusätzliche Arbeit aufgeladen habe, da das Geschäft von GE Industrial Solutions zuerst profitabler gemacht werden müsse.

AKTIENKURS: Die Aktie von ABB hat im laufenden Jahr rund 16% zugelegt und sich damit um einige Prozentpunkte stärker als der Gesamtmarkt entwickelt. Im Vorjahr resultierte bereits ein Plus von knapp 25%.

jl/dm/cf

(AWP)