Ausblick Aryzta: Halbjahresumsatz von 1,92 Mrd EUR erwartet

Der Backwarenhersteller Aryzta gibt am Montag, 13. März, die Zahlen für das erste Halbjahr 2016/17 (August bis Januar) bekannt. Insgesamt sechs Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen:
10.03.2017 14:26
H1 16/17E
(in Mio EUR)          AWP-Konsens       H1 15/16A   

Umsatz                   1'916            1'960         
- org. Wachstum (in %)    -1,6             +0,2         
EBITA                    163,7            230,8         

(in EUR)
Gewinn/Aktie*             1,21             1,58         

* underlying, fully diluted

FOKUS/ZIELE: Aryzta hat am 24. Januar eine massive Gewinnwarnung ausgesprochen, auf welche dann drei Wochen später der Rücktritt des gesamten Top-Managements folgte (siehe Rubrik PRO MEMORIA). Laut den Angaben vom Januar (Stand Ende 2016 bzw. 5 Mte) wird für das erste Semester ein Rückgang des bereinigten Gewinns von rund 20% und eine bereinigte EBITA-Marge von rund 9% erwartet (US-Marge 6-7%). Entsprechend sollten, was die Zahlen als solche betrifft, keine grossen Überraschungen mehr ans Tageslicht kommen.

Analysten und Investoren bleiben aber trotzdem vorsichtig. Die Visibilität bleibe sehr schlecht und die Risiken seien immer noch sehr gross, meint man etwa bei der ZKB. Selbst wenn die effektiven Zahlen für das erste Halbjahr leicht besser - als die Gewinnwarnung erwarten lässt - ausfallen sollten, könne noch keine Entwarnung gegeben werden. Der neue Verwaltungsratspräsident Gary McGann ist gemäss Analysten nächste Woche in Zürich und dürfte wohl versuchen, etwas Licht ins Dunkeln zu bringen und Vertrauen zu schaffen.

Er dürfte allerdings noch einen langen Weg vor sich haben. Die nächsten wichtige Schritte werden laut ZKB sein: Vertrauen bei Banken, Investoren und Geschäftspartnern gewinnen, Refinanzierung sicherstellen inkl. voraussichtlich einer Kapitalerhöhung und Verkauf der Picard-Beteiligung, negative Gewinndynamik stoppen, Restrukturierung und Beseitigung von Altlasten, Abschaffung des Grundübels bereinigter Gewinn, neues vertrauenswürdiges Management einstellen.

PRO MEMORIA: Drei Wochen nach der letzten Gewinnwarnung kam es Mitte Februar zum grossen Köpferollen. Aryzta-Verwaltungsratspräsident Gary McGann, der erst seit Dezember im Amt ist, zog nach einer erneuten massiven Gewinnwarnung die Reissleine und entliess die wichtigsten Führungskräfte. CEO Owen Killian, CFO/COO Patrick McEniff und CEO Americas John Yamin wurden (per Ende Geschäftsjahr im Juli) von ihren Ämtern abgesetzt. CEO und CFO waren seit der Fusion des Aargauer Tiefkühlbackwaren-Herstellers Hiestand mit dem irischen Grossaktionär IAWS im Sommer 2008 in Amt und Würden.

Da aber noch keinen neuen Kräfte vorhanden waren, wurde ein Headhunter zur Suche der Nachfolger eingesetzt. Bis dahin hat der Verwaltungsrat ein drei Mitglieder umfassendes Executive-Management-Team berufen, um für Stabilität bei Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zu sorgen, wie es hiess. Die Führungscrew besteht aus dem operativen Chef (COO) Europa, Dermot Murphy, dem COO des Amerika-Geschäfts, Ronan Minahan, und dem COO der Region Asien Pazifik/Naher Osten/Afrika (APMEA), Robert O'Boyle. Die Frage, wieweit man bei der Suche nach einem neuen CEO schon ist, dürfte ein Thema anlässlich der Bekanntgabe der H1-Zahlen sein.

Neben dieser grossen Personalrochade kündigte Aryzta zudem eine Anpassung der Kreditbedingungen (Covenants) an. Derzeit operiere man weiterhin mit einem Covenant von 3,5x Nettoverschuldung/EBITDA, es gebe aber die Option für eine Erhöhung auf 4,0x. Sollte dieser Bereich erreicht werden, stiegen die Finanzierungskosten um 40-50 Basispunkte, hiess es. Ausserdem prüft man Alternativen für die Beteiligung am französischen Tiefkühlprodukthersteller Picard. Derzeit hält Aryzta eine Beteiligung von 49% mit einer Option auf den Erwerb der verbleibenden 51%. Mögliche Erlöse würden zur Stärkung der Bilanz verwendet.

AKTIENKURS: Die Aktien von Aryzta sind trotz schwacher Vorjahresperformance im bisherigen Jahresverlauf bereits wieder ganz hinten anzutreffen. Aus dem aktuellen Stand bei rund 33,40 CHF (Donnerstag 14 Uhr) büssen die Papiere rund ein Viertel ein, im Vergleich zum letzten Höchststand Mitte 2014 bei rund 88 CHF beträgt das Minus über 60%. Den grossen Einbruch dieses Jahr erlebte das Papier in der zweiten Januarhälfte nach der x-ten Gewinnwarnung. Gegenüber dem Tief von 26,14 CHF Anfang Februar notiert das Papier aber wieder gut ein Viertel höher.

Homepage: www.aryzta.com

an/yl/jl

(AWP)