Ausblick Aryzta: Umsatz 2015/16 im Schnitt bei 3'894 Mio EUR erwartet

Zürich (awp) - Der Backwarenkonzern Aryzta veröffentlicht am Montag, 26. September, die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende Juli). Insgesamt haben zehn Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
23.09.2016 13:30
2015/16E
(In Mio EUR)        AWP-Konsens   2014/15A  

Umsatz                3'894         3'820    
-Org. Wachstum (%)     +0,8          -2,2   
EBITA                   500           514    

(In EUR-Cent)
Gewinn pro Aktie*       351           402    

Q4 
(In %)               AWP-Konsens   Q4 14/15
Org. Umsatzwachstum     +2,3          -4,3    

* Underlying, verwässert

FOKUS: Das Hauptthema bei Aryzta bleibt das Vertrauen, das zuletzt arg ramponiert worden war. Dazu hatten u.a. wiederholte Gewinnwarnungen, verpasste Wachstumsziele, eine kritisch beurteilte Akquisitionspolitik sowie eine relativ hohe Verschuldung beigetragen. Einen ersten Schritt zur Wiederherstellung machten die Verantwortlichen nun am Donnerstagabend, indem sie einen neuen VR-Präsidenten nominierten. Gewählt werden soll an der kommenden GV vom 13. Dezember Gary McGann, früher u.a. CEO der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus. Er soll den bald 80-jährigen Amtsinhaber Denis Lucey ablösen. Zudem wird den Aktionären der bekannte Schweizer M&A-Anwalt Rolf Watter als nicht-exekutives Mitglied des Leitungsgremiums vorgeschlagen.

Analysten begrüssten es, dass mit McGann und Watter erstens Kandidaten von aussen und zweitens sehr erfahrene Persönlichkeiten zum Unternehmen stossen. Mit ihrer Erfahrung und ihrem Background sollten sie in der Lage sein, sich auf Augenhöhe mit dem CEO und dem CFO zu bewegen, hiess es etwa. Die Ernennung von Watter, der schon bei vielen Fusionen oder Unternehmenszusammenschlüssen dabei war, löste ausserdem Spekulationen über einen möglicherweise angestrebten Verkauf von Aryzta aus. Die Ernennungen führten am Freitag denn auch zu einem Sprung beim Aktienkurs (+9% Stand 11 Uhr).

In diesem Zusammenhang könnten nun auch die neuesten Geschäftszahlen zur weiteren Stabilisierung des Vertrauens beitragen. Allzu grosse Überraschungen werden diesbezüglich allerdings nicht erwartet. So wird beim organischen Wachstum im vierten Quartal eine leichte Beschleunigung auf 2,3% vorhergesagt, nachdem in den Vorquartalen Werte von +0,9%, +0,8% und -0,4% erzielt und für die ersten neun Monate ein Wert von +0,5% ausgewiesen worden war. Von Interesse ist dabei ein Blick auf die Regionen, wobei das Management für das zuletzt geschrumpfte US-Geschäft Verbesserungen ("Wachstum in Richtung Null") versprochen hatte.

In der Konzernwährung Euro wird im Schnitt ein 1,9% höherer Umsatz von knapp 3,9 Mrd CHF und ein 2,7% tieferer EBITA von 500 Mio EUR erwartet. Der Gewinn pro Aktie wird im Schnitt 12,7% tiefer bei 351 Euro-Cent gesehen.

Ein nächster wichtiger Schritt für den Vertrauensaufbau könnte laut Experten auch der für Anfang Oktober geplante Investorentag in Toronto. Es handelt sich dabei um den ersten seit Jahren.

Von Interesse wären ausserdem Aussagen zu den Folgen des Brexit auf das schweizerisch-irische Unternehmen. Unmittelbar nach dem Entscheid der Briten, aus der EU auszutreten, hatte die Aktie vorübergehend überdurchschnittlich nachgegeben.

ZIELE: Das Management stellte zuletzt einen Gewinn pro Aktie (EPS) etwa im Rahmen des damaligen Konsensus von 355,5 Euro-Cent in Aussicht. Die Margen im zweiten Halbjahr bewegten sich im Rahmen der Erwartungen und der Guidance, betonte Konzernchef Owen Killian bei der Publikation der Q3-Zahlen. Ein Ziel gibt es ausserdem zum freien Cashflow, der über 200 Mio EUR betragen soll. Angesichts dieses Wertes hat der Konzern auch keine Bedenken bezüglich Nichterfüllen der Kreditbedingungen.

PRO MEMORIA: Das Management von Aryzta ist in Bezug auf Firmenzukäufe seit längerer Zeit stark unter Druck von Investoren. Vorgeworfen wird ihm vor allem, dass es wahllos Firmen zusammengekauft und damit einen hohen Goodwill angehäuft hat, wobei gleichzeitig permanent hohe Restrukturierungskosten ausgewiesen werden. Dies werde unterstützt durch ein Vergütungsmodell, das falsche Anreize setze, indem die Entschädigungen aufgrund bereinigter Zahlen (Gewinn nach Sonderkosten) erfolge, heisst es.

AKTIENKURS: Die Aryzta-Papiere notieren trotz des Kurssprungs am Freitag (Stand 11.30 Uhr +9,5% auf 43,20 CHF) noch immer rund 15% unter dem Stand von Ende 2015. Damit zählen sie unter den Blue Chips wie schon im Vorjahr zu jenen mit der schlechtesten Performance. Rasant bergab ging es vor allem im März, als innert kurzer Zeit zwei Hiobsbotschaften bekannt wurden: enttäuschende Halbjahreszahlen und der Verkauf von Aryzta-Aktien des CEO im grossen Stil. Seit dem damaligen Tiefstand hat die Aktie allerdings wieder rund ein Viertel zugelegt.

sig/rw/ab/uh

(AWP)