Ausblick Clariant: Q3-EBITDA von 225 Mio CHF erwartet

Der Chemiekonzern Clariant publiziert am Dienstag, 31. Oktober, das Geschäftsergebnis zum dritten Quartal 2017. Insgesamt haben sieben Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
30.10.2017 14:00
Q3 2017E
(in Mio CHF)   AWP-Konsens  Q3 2016A

Umsatz            1'498       1'400
EBITDA*             225         208

* vor Einmaleffekten

FOKUS: Nachdem Clariant die Fusion mit dem US-Mitbewerber Huntsman abgeblasen hat, steht kurzfristig vor allem wieder die operative Entwicklung des Spezialchemiekonzerns im Fokus der Anleger. Und Analysten rechnen bei den Zahlen zum dritten Quartal mit einem soliden Ergebnis.

Getragen wird die Entwicklung wohl vom dynamischen Bereich Catalysis. Die Mehrheit der Experten geht zudem von einer weiteren Margensteigerung aus, dank einem guten Kosten- und Preismanagement. Umsatz und Betriebsergebnis sind die einzigen Zahlen, die Clariant jeweils im ersten und dritten Quartal veröffentlicht. Bei der Guidance wird eine Bestätigung erwartet.

Aktionäre stellen sich aber auch die Frage nach dem "wie weiter?". Zur Debatte stehen ein Alleingang, ein Zusammenschluss mit einem anderen Partner oder eine grosse, transformative Akquisition, wie Konzernchef Hariolf Kottmann am Freitag erklärte. Vier Tage nach Abbruch der Übung auf eine Antwort zu hoffen, ist aber vermessen.

ZIELE: Für das laufende Jahr rechnen die Muttenzer mit einem nicht näher bezifferten Wachstum in Lokalwährung, sowie einer Verbesserung des operativen Cashflows. Auch der absolute EBITDA und die EBITDA-Marge vor Einmaleffekten sollen steigen. Das Mittelfristziel wurde zuletzt im Juli bestätigt. Als Richtwert wird hier weiter eine EBITDA-Marge vor Einmaleffekten zwischen 16% und 19% genannt.

PRO MEMORIA: Am 27. Oktober bliesen Clariant und Huntsman den im Mai angekündigten Zusammenschluss unter Gleichen in gegenseitigem Einvernehmen ab. Eine nicht ganz unerwartete Kehrtwende. Eine Aktionärsgruppe namens White Tale hatte den Deal seit Monaten torpediert und zuletzt ihren Anteil an Clariant auf 20% ausgebaut. Für ein Gelingen der Fusion hätte aber die ausserordentliche Generalversammlung den Deal mit einer Zweidrittelmehrheit der anwesenden Aktienstimmen absegnen müssen.

Der Aufhebungsvertrag sieht aber zumindest für keine der beiden Seiten eine Aufhebungszahlung vor. Somit hat Clariant sowohl die Abbruchzahlung von 210 Mio USD vermieden, als auch die Strafzahlung von 60 Mio bei Nichtzustimmung durch die Aktionäre.

Clariant will sich nun auf seine erfolgreiche Strategie konzentrieren, um die Marktposition weiter auszubauen. Und der Weg von Clariant soll weiter unter der Regie von Kottmann fortgesetzt werden. "Ich sehe keinen Grund, das Unternehmen zu verlassen", sagte der CEO Ende Oktober. Und den Verkauf der Sparte Plastics&Coatings, wie von White Tale gefordert, lehnt Kottmann nach wie vor ab. "Das ist unsere potentielle Akquisitionswährung", wiederholte er frühere Aussagen.

Wie am 30. Oktober bekannt wurde, fordert White Tale drei Sitze im Verwaltungsrat des Spezialchemie-Unternehmens. Laut der Aktionärsgruppe sei der Abbruch der Fusionspläne zwar ein Schritt in die richtige Richtung, die Arbeit beginne nun aber erst. Die strategische Neuausrichtung möchte man durch den Einsitz im Führungsgremium begleiten. Weiter forderte White Tale das Management von Clariant auf, einen unabhängigen Finanzberater zu ernennen.

AKTIENKURS: Die Clariant-Aktien weisen in 2017 trotz einem deutlichen Rücksetzer nach Absage der Fusion weiter eine positive Jahresbilanz auf (+36,6%). Besonders in den letzten Wochen hatten die Papiere einen starken Lauf. So wurde just am Donnerstag bei 25,56 CHF ein neues Jahreshoch erreicht - so viel wurde für die Papiere seit rund 15 Jahren nicht mehr bezahlt.

ab/ra/jl/yl

(AWP)