Ausblick Credit Suisse: Quartalsergebnis von 227 Mio CHF erwartet

Die Grossbank Credit Suisse veröffentlicht am Donnerstag, 2. November, das Ergebnis zum dritten Quartal 2017. Insgesamt haben fünf Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
01.11.2017 13:44
Q3 17E
(in Mio CHF)        AWP-Konsens   Q2 17A   Q3 16A  

Geschäftsertrag       5'059       5'205     5'396    
Geschäftsaufwand      4'578       4'541     5'119    
Reinergebnis            227         303        41       

Gewinn vor Steuern      402         582       222      
- Swiss UB              490         502       758       
- IWM                   357         365       245     
- APAC                  182         188       152     
- Global Markets        124         257        87      
- IBCM                   76          78        39      
- Corporate Center     -174        -245      -207       
- SRU                  -582        -563      -852      

FOKUS: Analysten gehen für das dritte Quartal 2017 von einer weiteren Erholung der Profitabilität aus. Kurzfristig zurückhalten dürften die Credit Suisse aber weiterhin schwierige Marktbedingungen (tiefe Volatilität und Kundenaktivität, geopolitische Spannungen), der laufende Konzernumbau und die Abwicklung der nicht-strategischen Einheiten. Zumal es sich mit den Sommermonaten auch um ein saisonal eher schwaches Jahresviertel handelt.

Grosse US-Banken zeigten sich allerdings relativ zufrieden und übertrafen zumeist auch die Gewinnerwartungen für den Berichtszeitraum, obschon sich etwa das Anleihengeschäft weiterhin schwach präsentiert. Auch die UBS, die bereits am vergangenen Freitag mit Zahlen aufwartete, hat im dritten Quartal mehr verdient und die Markterwartungen übertroffen, zeigte sich aber mit Blick auf den Rest des Jahres etwas zurückhaltender als noch zur Jahresmitte.

Für die Credit Suisse bildet der Vorjahreszeitraum eine tiefe Basis, nachdem tiefe Transaktionsvolumen etwa das Handelsgeschäft (Global Markets) stark beeinflusst hatten. Zudem steckte die Bank noch tiefer in der Restrukturierung.

Für ordentlich Lärm sorgte jüngst der aktivistische Hedgefonds RBR des Investors Rudolf Bohli, der mit einem Anteil von 0,2% bis 0,3% (für rund 100 Mio CHF) bei der Credit Suisse eingestiegen ist. Bohli fordert radikale Schritte und plädiert für eine Aufspaltung der Grossbank in drei Einheiten: Als "SKA 2.0" soll die Vermögensverwaltung und Schweizer Universalbank bestehen bleiben. Eine unabhängige Investmentbank mit Domizil in London oder New York ("First Boston 2.0") soll abgetrennt und in New York an die Börse gebracht werden, und für das Schweizer Asset Management wird ein IPO in der Schweiz vorgesehen. So könne sich der Wert der Credit Suisse innert 18 bis 24 Monaten verdoppeln, hiess es. Im Handel wird den Plänen allerdings geringe Erfolgsaussichten eingeräumt.

Dem Thema, wie es bei der Bank strategisch weitergehen soll, dürfte jedoch noch längere Zeit grosse Bedeutung beigemessen werden. Aktuell läuft noch die Umsetzung des Dreijahresplans, der im Oktober 2015 vom neuen Management unter Konzernchef Tidjane Thiam lanciert wurde, wobei die Kernpunkte die Erzielung profitablen Wachstums, Reduzierung der Risiken und Bereinigung der Altlasten, Senkung der Kosten sowie die Stärkung der Kapitalbasis sind. Der Fokus liegt dabei auf dem globalem Vermögensverwaltungsgeschäft mit besonderem Augenmerk auf der Region Asien/Pazifik (APAC).

Es gebe noch eine Menge zu tun, hiess es Ende Juli anlässlich der Zahlenvorlage zum zweiten Quartal 2017. Allerdings habe man nun die erste Halbzeit hinter sich gebracht. Gute Fortschritte seien erzielt worden. So ist etwa die Restrukturierung der einstigen Problemdivision Global Markets weitgehend abgeschlossen.

Besonders im Fokus dürften am Donnerstag die weiteren Fortschritte bei den Kosteneinsparungen stehen. Anlässlich der Zahlenvorlage zum zweiten Quartal Ende Juli wurde das - am Markt als ambitioniert bezeichnete - Kostenziel bis Ende 2018 bekräftigt. Das Kostenziel für 2017 liegt bei unter 18,5 Mrd CHF; im ersten Halbjahr 2017 waren Kosten in der Höhe von 0,6 Mrd CHF gegenüber der Vorjahresperiode eingespart worden.

Weiterhin wichtiges Thema bleibt die Liquidität, wobei sich die Situation aber nach einer weiteren Kapitalerhöhung im Juni deutlich entspannt hat. Die harte Kernkapitalquote (CET1, Basel III vollständig umgesetzt) stieg per Ende Juni auf 13,3% von 11,7% Ende März und die Leverage Ratio auf 3,8% nach 3,3%.

In Sachen Regulierung wurde vom Management bereits in Aussicht gestellt, dass es im dritten Quartal zu veränderten Vorgaben (sowohl Verschärfungen als auch Erleichterungen) durch die Finma gekommen sein könnte. Die Aufsicht verlange von der Credit Suisse, eine Erhöhung der operativen risikogewichteten Aktiven (RWA) wegen der Einigung im US-Hypothekenstreit (RMBS) im vierten Quartal 2016. Gleichzeitig diskutiere die Grossbank mit der Behörde über die Angemessenheit des RWA-Niveaus in der Abwicklungseinheit - angesichts der erzielten Verkleinerung der Division.

Wie hoch die Belastung durch die erwähnte Abwicklungseinheit ausgefallen ist, dürfte ebenfalls im Interesse stehen. Die sogenannte Strategic Resolution Unit (SRU), in der nicht-strategischen Geschäfte gebündelt sind, die abgestossen werden sollen, soll bis Ende 2018 soll eingestampft werden. Bis dahin dürfte sie der Bank noch hohe Verluste bescheren. Am Investorentag im Dezember 2016 wurde für 2018 noch ein SRU-Verlust von 1,4 Mrd USD und für 2019 ein solcher von 800 Mio USD oder weniger in Aussicht gestellt. Eventuell könnte es diesbezüglich zu einem Update am nächsten Investorentag kommen, der für den 30. November angekündigt ist.

ZIELE: Die Credit Suisse hat Anfang Dezember 2016 anlässlich eines Investorentags die mittelfristigen Ziele angepasst. Diese lauten:

. Vorsteuergewinn bis 2018 Asia Pacific von 1,6 Mrd CHF, 
  International Wealth Management 1,8 Mrd CHF, 
  Swiss Universal Bank 2,3 Mrd

. Rendite auf regulatorisches Kapital bis 2018 Global Markets von 10 bis 15%,
  IBCM 15 bis 20%

. Maximaler Vorsteuerverlust SRU von 1,4 Mrd USD bis 2018, 
  0,8 Mrd USD bis 2019

. Operative Kostenbasis bis 2018 unter 17 Mrd CHF 
  mit Kosteneinsparungen netto von 4,2 Mrd

. Harte Kernkapitalquote (CET1, look-through) nach 2018 "über 13%" vor einer 
  Anhebung von Basel III, entsprechend rund 11% bei regulatorischer 
  Nachkalibrierung und vor bedeutenden Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten

. Leverage Ratio (CET1, look-through) 2018 bei 3,5%

PRO MEMORIA: Für das dritte Quartal ist eine Einigung in einem Hypothekenstreit in den USA relevant. Im September einigte sich die Credit Suisse in zwei Rechtsfällen mit der Massachusetts Mutual Life Insurance Company (MassMutual) mit einem Vergleich. Dabei ging es um sogenannte Residential Mortgage-Backed Securities (RMBS), die von der CS in den Jahren 2006 und 2007 vertrieben wurden. Die Einigung führe über Rückstellungen hinaus zu einer Belastung des Vorsteuerergebnisses in Höhe von 79,5 Mio CHF im dritten Quartal 2017, hiess es damals.

Die Einigung im US-Hypothekenstreit (RMBS) mit dem US-Justizministerium, die bereits Ende 2016 über die Bühne ging, könnte die Credit Suisse zudem doch deutlich weniger kosten, wie es in dieser Woche in einem Medienbericht hiess. Die damals genannte zu zahlende Summe von insgesamt rund 5,3 Mrd USD ergibt sich aus einer Busse von 2,5 Mrd sowie aus 2,8 Mrd USD Entschädigung an Kreditnehmer. Letztere könnten "möglicherweise deutlich tiefer" ausfallen, schreibt das Online-Portal "National Mortgage News" unter Berufung auf einen Bericht der involvierten Anwaltskanzlei.

AKTIENKURS: Credit Suisse kosten aktuell 15,87 CHF (Stand Dienstag 15.00 Uhr) und damit wieder deutlich mehr als zum Tief im Juli 2016 bei unter 10 CHF. Im Sommer 2015, etwa zur Zeit als Thiam das Ruder übernommen hat, notierte die Aktie allerdings noch bei knapp 25 CHF. Im bisherigen Jahresverlauf stehen die CS-Titel 19% im Plus und damit im Rahmen des Gesamtmarkts (SPI: +18%). UBS legen im gleichen Zeitraum mit 17,00 CHF 6,6% zu.

Homepage: www.credit-suisse.com

an/ab/dm/ys

(AWP)