Ausblick Credit Suisse: Quartalsergebnis von durchschnittl. 63 Mio CHF erwartet

Zürich (awp) - Die Grossbank Credit Suisse veröffentlicht am Donnerstag, 3. November, das Ergebnis zum dritten Quartal 2016. Insgesamt haben sieben Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
02.11.2016 14:34
Q3 16
(in Mio CHF)        AWP-Konsens    Q2 16    Q3 15   

Geschäftsertrag       5'161        5'108    5'985       
Geschäftsaufwand      4'914        4'937    5'023       
Reinergebnis*            63          170      769       

Gewinn vor Steuern*     105          199      852       

- Swiss UB              482          453      394       
- IWM                   235          245      192       
- APAC                  175          206      162       
- Global Markets        127          154      169       
- IBCM                   37          135       44       
- CC                   -148         -235      531         
- SRU                  -714         -778     -640       
    

FOKUS: Die Credit Suisse befindet sich wie alle Grossbanken weiterhin in einem schwierigen Umfeld mit Zurückhaltung bei den Kunden und rückläufigen Erträgen. Der anhaltende Kampf mit hohen Kosten ist angesichts des laufenden Konzernumbaus gerade für die Credit Suisse eine Herausforderung. Vergleichbare Institute in den USA haben im dritten Quartal allerdings überrascht, und insbesondere die Investmentbanken performten etwa im Anleihengeschäft gut, wo auch die Credit Suisse nach wie vor stark vertreten ist.

Für das dritte Quartal 2016 hat die Bank die Anleger allerdings bereits auf tiefe Transaktionslevel eingestimmt. Zudem sei es zu Geldabflüssen in der Schweiz gekommen, sagte CEO Tidjane Thiam an einer Finanzmarktkonferenz in London Ende September. Grundsätzlich sind die Gewinnschätzungen für das dritte Quartal mit einer hohen Unsicherheit behaftet, weil substantielle Einmaleffekte angefallen sein dürften. Für Restrukturierungsaufwand, Rückstellungen für Rechtsrisiken und Gewinnen aus Immobilienverkäufen veranschlagen die Analysten denn auch relativ stark abweichende Werte.

Im Vordergrund der Themen stehen bei der Zahlenvorlage zum einen Fortschritte beim Kostenabbau und bei der Abwicklungseinheit (siehe PRO MEMORIA). Mögliche neue (Kosten-)Massnahmen erwarten die meisten Analysten eher am Investorentag, der für den 7. Dezember angekündigt ist. Dieser Tag wird ohnehin bereits als nächster "Key Event" erachtet. Allenfalls könnten auch die mittelfristigen Ziele - grösstenteils als zu optimistisch erachtet - an diesem Tag angepasst werden.

Seit gut einem Jahr befindet sich die Grossbank bekanntlich in einem grundlegenden Umbau. Nachdem CEO Thiam im Juli 2015 den Chefposten übernommen hatte, wurde im Oktober 2015 eine neue Strategie kommuniziert - inklusive Sparmassnahmen und Stellenabbau. Im März 2016 wurde dann eine beschleunigte Restrukturierung angekündigt. Damit will die Bank ein führender Vermögensverwalter mit starkem Investment Banking werden.

ZIELE: Die Credit Suisse kommunizierte mit der im Oktober 2015 präsentierten neuen Strategie und dem Update am 23. März 2016 unter anderem folgende Ziele:

. Quote des harten Kernkapitals (CET1) auf Look-through-Basis Ende 2016 von 
  11 bis 12%

. Generierung von 23 bis 25 Mrd CHF an frei freiem Betriebskapital bis 2020, 
  wovon 40% über die Zeit als Dividende ausbezahlt werden soll

. Verbesserung des Vorsteuergewinnes (PTI) in APAC bis 2018 auf 2,1 Mrd 
  von 0,4 Mrd CHF 2015

. Verbesserung PTI in International Wealth Management auf 2,1 von 0,7 Mrd CHF

. Verbesserung PTI der Swiss Universal Bank auf 2,3 Mrd von 1,7 Mrd CHF; 
  Teil-IPO (20-30%) 2017 geplant

PRO MEMORIA: Ende September sagte Thiam, dass die Bank auf Kurs sei, die Kosten 2016 wie gewollt zu reduzieren. Im März war erstmals ein Abbau von 6'000 Stellen im laufenden 2016 als neue Zielmarke genannt worden. Mit Kosteneinsparungen von brutto 1,7 Mrd und netto 1,4 Mrd CHF soll die operative Kostenbasis auf 19,8 Mrd sinken. Im laufenden Jahr sollen Vermögenswerte und Geschäftsbereiche im Umfang von mehr als 1,0 Mrd CHF verkauft werden.

Bis 2018 werden gar Einsparungen von brutto mindestens 4,3 Mrd und netto mindestens 3,0 Mrd CHF angestrebt, womit die operative Kostenbasis auf unter 18 Mrd sinken soll. Um langfristig zusätzlich Kosten zu sparen, plant die Credit Suisse zudem eine Kooperation mit einer anderen Bank, zum Beispiel um gemeinsam Datenbanken und Servern zu nutzen. In Marktkreisen wird hier die UBS als möglicher Gesprächspartner genannt.

Weiterer Kostenfaktor bleiben Rechtsfälle. Bei letzteren ist insbesondere die erwartete Höhe einer wahrscheinlichen Busse im US-Hypothekenfall (RMBS) von Bedeutung. Laut Medienberichten befindet sich die Credit Suisse in Vergleichsverhandlungen mit dem US-Justizministerium, um die umstrittenen Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise von 2008. In den Medien war über ein Abschluss der Verhandlungen vor den US-Wahlen spekuliert worden.

Neben den Kosten bleibt auch die Kapitalisierung grosses Thema. Die harte CET1-Kernkapitalquote lag Ende Juni bei 11,8% und die Leverage Ratio CET1 bei 3,3%. Trotz des geplanten Teil-IPO der Swiss Universal Bank 2017 wird zudem am Markt eine weitere Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen. In Sachen Börsengang dürfte interessieren, wann mit einer Banklizenz für die Schweizer Einheit gerechnet werden kann und in welchem Rahmen sich die Kapitalisierungsvorgaben bewegen könnten.

AKTIENKURS: Credit Suisse stehen derzeit bei 13,97 CHF (Stand Dienstag 14.00 Uhr). Damit haben sie sich von dem Intraday-Tief Anfang Juli bei 9,76 CHF um einiges erholt. Seit Anfang Jahr liegen die Titel allerdings 32% im Minus und gehören zu den schwächsten SMI/SLI-Werten.

Homepage: www.credit-suisse.com

an/ys/uh

(AWP)