Ausblick Credit Suisse: Quartalsgewinn von 402 Mio CHF erw.

Die Grossbank Credit Suisse veröffentlicht am Mittwoch, 26. April, das Ergebnis zum ersten Quartal 2017. Insgesamt haben sieben Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
25.04.2017 14:00
Q1 17E
In Mio CHF          AWP-Konsens    Q1 16A

Geschäftsertrag         5'434       4'638
Gewinn vor Steuern        548        -484
Reinergebnis              402        -302 

FOKUS: Analysten rechnen für das erste Quartal 2017 wieder mit einem Gewinn im dreistelligen Millionenbereich nach dem Verlust im Vorjahr. Am Markt ist die Rede von einem "guten" Ergebnis, nachdem das Management anlässlich der Zahlenvorlage 2016 bereits deutlich verbesserte Aussichten mit Blick auf das laufende Jahr angedeutet hat. Denn im Januar waren in allen Einheiten der Vermögensverwaltung positive Neugelder erzielt worden, und auch in Global Markets war der Jahresauftakt positiv, speziell im festverzinslichen Geschäft.

Auch die US-Grossbanken, die bereits Zahlen vorgelegt haben, konnten im ersten Quartal mitunter von einem florierenden Anleihenhandel profitieren. Dabei gab es aber auch Ausnahmen: Goldman Sachs konnte im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen nicht mit Rivalen wie JPMorgan, Citi und Bank of America - mit starken Zuwächsen - mithalten.

Die Credit Suisse sprach Anfang April dagegen von einem weiterhin "verhaltenen" Umfeld für das Handelsgeschäft in Asien-Pazifik. Dieser Bereich könnte wieder rote Zahlen geschrieben haben, heisst es am Markt. Auch wird ein eher schwaches Ergebnis in IWM Asset Management erwartet.

Mit dem gestiegenen Gewicht auf das Wealth Management innerhalb der Gruppe werden auch Nettoneugeld sowie Brutto- und Gewinnmargen in den Einheiten der Vermögensverwaltung im Interesse der Investoren stehen. Spezielle Aufmerksamkeit dürften darüber hinaus die Kapitalisierung sowie entsprechende Kennzahlen erhalten. Die harte CET1-Kernkapitalquote lag Ende Dezember bei 11,5% und die Leverage Ratio bei 3,2%.

Analysten wollen Klarheit über die Kapitalstrategie: Frage sei, ob es tatsächlich zu einer Kapitalerhöhung kommt oder zum Teil-IPO der Credit Suisse Schweiz AG, um die Kapitallücke zu schliessen. Eine Abspaltung des Schweiz-Geschäftes ist allerdings nicht mehr sehr wahrscheinlich, nachdem Konzernchef Thiam dies vor einigen Wochen (von einem Ziel) zu einer Option hinuntergestuft hatte. Hinter den Kulissen suche die Bank nach Möglichkeiten, das Projekt gesichtswahrend abzublasen, hiess es dazu auch in der Presse. Das Projekt sei "zu kompliziert und schlicht nicht mehr nötig", wurden Insider zitiert.

Auch der Markt rechnet eher mit eine Kapitalerhöhung. "Wir gehen davon aus, dass der Aktienmarkt eine Kapitalerhöhung von bis zu CHF 3 Mrd gut verdauen würde", heisst es etwa bei der ZKB im Vorfeld der Zahlenvorlage. JPMorgan meint, dass eine Kapitalerhöhung von 2 bis 4 Mrd im Aktienkurs bereits enthalten sei. Die Analysten der US-Bank sähen allerdings am liebsten eine organische Kapitalbildung, d.h. einen Dividendenverzicht.

Weitere Themen bei der Credit Suisse bleiben die Kosten, wo man sich weitere Fortschritte beim Abbau verspricht. Des weiteren werden Aussagen vom Management zur neuen Schwarzgeldaffäre in Europa, die Ende des ersten Quartals hochgekocht ist, erwartet.

Offen ist indes auch der Ausgang der Generalversammlung am kommenden Freitag. Obwohl das Management nun auf einen Teil der bereits ausgesprochenen Boni verzichten will und auch der Verwaltungsrat von einer höheren Vergütung für 2017 absieht, wollen wichtige Stimmrechtsberater wie ISS, Glass Lewis und Ethos weiterhin gegen den Vergütungsbericht votieren. Zustimmung erhält die Grossbank dagegen von einem Grossaktionär, dem norwegischen Staatsfonds. Auch der US-Finanzinvestor Harris Associates spricht sich für den umstrittenen Vergütungsbericht aus, wie Investmentchef David Herro zum Online-Portal "Finews" sagte.

ZIELE: Die Credit Suisse hat Anfang Dezember 2016 anlässlich eines Investorentags die mittelfristigen Ziele angepasst. Diese lauten:

. Vorsteuergewinn bis 2018 Asia Pacific von 1,6 Mrd CHF, 
  International Wealth Management 1,8 Mrd CHF, 
  Swiss Universal Bank 2,3 Mrd

. Rendite auf regulatorisches Kapital bis 2018 Global Markets von 10 bis 15%,
  IBCM 15 bis 20%

. Maximaler Vorsteuerverlust SRU von 1,4 Mrd USD bis 2018, 
  0,8 Mrd USD bis 2019

. Operative Kostenbasis bis 2018 unter 17 Mrd CHF 
  mit Kosteneinsparungen netto von 4,2 Mrd

. Harte Kernkapitalquote (CET1, look-through) nach 2018 "über 13%" vor einer 
  Anhebung von Basel III, entsprechend rund 11% bei regulatorischer 
  Nachkalibrierung und vor bedeutenden Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten

. Leverage Ratio (CET1, look-through) 2018 bei 3,5%

PRO MEMORIA: Bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2016 Ende März passte die Credit Suisse das Ergebnis zum vierten Quartal nach unten an. Die Bank musste nachträglich eine zusätzliche Rückstellung für Rechtsrisiken über 300 Mio CHF tätigen, was eine zusätzliche Belastung von 272 Mio CHF nach Steuern ergab. Dabei ging es um einen Grundsatzvergleich mit der amerikanischen National Credit Union Administration Board (NCUA) im Zusammenhang mit niederwertigen US-Hypothekenpapiere (RMBS). Harte Kernkapitalquote und Leverage Ratio fielen dadurch jeweils um 10 Basispunkte tiefer aus.

Gleichzeitig teilte die Bank mit, dass sie der GV am 28. April eine Erhöhung des genehmigten Kapitals zwecks Bedienung der Wahldividende 2017 beantragt. Falls die Generalversammlung dieser nicht zustimmt, entfalle die Ausschüttung, hiess es damals. Die Dividende von 70 Rappen kann bekanntlich in bar oder neuen Aktien bezogen werden.

Kurz vor Ostern, in der Nacht auf den 14. April, hatte die Credit Suisse zudem überraschend mitgeteilt, dass das Management auf 40% der bereits ausgesprochenen variablen Vergütung verzichtet und auch der Verwaltungsrat keine höhere Entlohnung für 2017 erhalten will. Dennoch bleibt der Vergütungsbericht umstritten.

Für Aufregung sorgten zudem Ende März Medienberichte, wonach wegen des Verdachts auf Steuerbetrug Razzien in Filialen in London, Paris und Amsterdam durchgeführt worden. Die Bank bestätigte daraufhin Durchsuchungen "wegen Steuerangelegenheiten von Kunden" in mehreren Ländern.

Anfang April veröffentlichte Credit Suisse unterdessen wegen einer veränderten Organisation der Divisionen Swiss Universal Bank (SUB) und Asia Pacific (APAC) angepasste historische Finanzdaten. Unterkategorien wurden neu benannt, und es war per 1. Januar 2017 zu einer neuen Aufteilung, allerdings lediglich innerhalb der Einheiten, gekommen.

AKTIENKURS: Credit Suisse schwanken seit Anfang Dezember 2016 zwischen rund 14 und 16 CHF; aktuell stehen sie bei 15,10 CHF (Stand Dienstag 11.30 Uhr). Damit gewinnen sie 2017 bislang 3,4%, nachdem sie im vergangenen Jahr an die 30% einbrachen. Das Tief erreichten sie 2016 Anfang Juli bei unter 10 CHF.

Homepage: www.credit-suisse.com

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(AWP)