Ausblick Credit Suisse: Quartalsverlust von im Schnitt 2,13 Mrd CHF erwartet

Die Grossbank Credit Suisse veröffentlicht am Dienstag, 14. Februar, das Ergebnis zum vierten Quartal 2016. Insgesamt haben 16 Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
13.02.2017 14:00
Q4 16E
In Mio CHF          AWP-Konsens   Q3 16A    Q4 15A    

Geschäftsertrag         5'075     5'396     4'210      
Geschäftsaufwand        6'956     5'119    10'518      
Reinergebnis           -2'130        41    -5'828     

Gewinn vor Steuern     -2'133       222    -6'441       
- Swiss UB                379       758       367      
- IWM                     149       245       -20      
- APAC                    162       152      -617      
- Global Markets           18        87    -3'474      
- IBCM                     31        39      -497       
- SRU                  -2'764      -852    -1'122        
- Corporate Center       -188      -207    -1'078       

FOKUS: Die Credit Suisse dürfte im vierten Quartal 2016 erneut einen Milliardenverlust geschrieben haben. Der Vergleich mit den US-Behörden im Streit über den Verkauf fauler Hypothekenpapiere bescherte der Grossbank eine saftige Busse und eine Belastung im Schlussquartal von rund 2 Mrd USD vor Steuern.

Nachdem für die ersten drei Quartale 2016 ein Verlust von nicht ganz 100 Mio CHF zu Buche steht, wird für das Gesamtjahr wiederum ein happiger Verlust resultieren. Dennoch dürfte eine Ausschüttung von 70 Rappen je Aktie - erneut als Wahldividende - für die Aktionäre herausspringen.

Marktteilnehmer befürchten, dass sich die für die CS relevanten Märkte im vierten Quartal weniger gut entwickelt haben könnten als erwartet und die Schätzungen von Analysten entsprechend verfehlt werden könnten. Ein Hinweis darauf sind Meldungen, wonach Bank im Januar Analysten kontaktiert habe und diese auf saisonal höhere Aufwendungen sowie anhaltende Abflüsse bei externen Vermögensverwaltern hingewiesen habe. Auch seien die Ergebnisse der US-Institute nicht übertragbar auf die Erlöse im Investment Banking in Asien, hiess es angeblich von der Schweizer Bank.

Ein Hinweis darauf ist auch, dass die UBS, die Ende Januar bereits Zahlen vorgelegt hat, nicht an die gute Performance einiger US-Banken anknüpfen konnte. Diese hatten aufgrund der guten Entwicklung des Investment Bankings in den USA ein starkes im Schlussquartal hingelegt. Die UBS hat zwar erste Anzeichen für mehr Zuversicht bei ihren Kunden in den USA ausgemacht; ansonsten sei die Risikobereitschaft jedoch tief geblieben, hiess es von dort. Die UBS hat ihr Investment Banking Geschäft in den USA in den letzten Jahren stark zurückgefahren, die CS folgt ihr seit dem Abgang des langjährigen CEO Brady Dougan 2015 in diese Richtung.

Dauerthemen bleiben derweil Kosten, Kapitalisierung sowie Regulierung. Mit Blick auf das Kapitalposter vermuten Analysten, dass die harte Kernkapitalquote der Credit Suisse trotz Busse Ende 2016 noch im Zielband lag. Im Branchenvergleich sei die CS aber nach wie vor schwächer aufgestellt. Das Risiko habe nach der Bereinigung des US-Hypothekenstreits allerdings deutlich abgenommen. Ende September lag die harte Kernkapitalquote (CET1; look-through) bei 12% und damit auf dem höchsten jemals erreichten Wert.

Bei der Kapitalfrage spielt auch der angekündigte Teil-IPO der Credit Suisse Schweiz AG eine grosse Rolle. Hier zeichnet sich möglicherweise aber eine Wende ab. Es gibt nämlich seit kurzem immer mehr Spekulationen, wonach die Bank-Leitung auf den Teilverkauf der Schweizer Einheit gar vollständig verzichten könnte. Das Management hat sich laut Beobachtern zuletzt jedenfalls auffallend zurückhaltend dazu geäussert. Zudem hat der Grossaktionär Harris Associates bzw. dessen Manager David Herro verlauten lassen, dass der Teil-IPO unnötig sei.

Und nicht zuletzt hat die UBS-Analyseabteilung in einer Studie aufgezeigt, dass auch eine Kapitalerhöhung via Ausgabe von 10% neuen Aktien bei der Muttergesellschaft zur Erreichung der Kapitalziel beitragen würde. Marktteilnehmer würden eine Absage vermutlich insgesamt als eher positives Signal interpretieren, in dem Sinne, als dass die Kapitaldecke der Bank von Management und Verwaltungsrat besser eingeschätzt würde als dies noch vor kurzem der Fall war. Angesichts der Spekulationen wird das Management jedenfalls kaum darum herumkommen, sich mit den Quartalszahlen zusammen auch zu diesem Thema zu äussern.

Eine konkrete Guidance für das neue Jahr gibt die Credit Suisse üblicherweise nicht. Da das Datum des Jahresrapport diesmal jedoch relativ spät angesetzt ist, erhoffen sich Analysten Aussagen zum bisherigen Trend bei den Erträgen im ersten Quartal.

ZIELE: Die Credit Suisse hat im Dezember die mittelfristigen Ziele angepasst, wobei sich der Fokus neu etwas mehr auf Kostenreduktionen statt auf Ertragswachstum liegt. Die konkreten Ziele lauten:

. Vorsteuergewinn bis 2018 Asia Pacific von 1,6 Mrd CHF, 
  International Wealth Management 1,8 Mrd CHF, 
  Swiss Universal Bank 2,3 Mrd

. Rendite auf regulatorisches Kapital bis 2018 Global Markets von 10 bis 15%,
  IBCM 15 bis 20%

. Maximaler Vorsteuerverlust SRU von 1,4 Mrd USD bis 2018, 
  0,8 Mrd USD bis 2019

. Operative Kostenbasis bis 2018 unter 17 Mrd CHF 
  mit Kosteneinsparungen netto von 4,2 Mrd

. Harte Kernkapitalquote (CET1, look-through) Ende 2016 zwischen 11 bis 12%;
  nach 2018 "über 13%" vor einer Anhebung von Basel III, 
  entsprechend rund 11% bei regulatorischer Nachkalibrierung und vor bedeutenden
  Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten

. Leverage Ratio (CET1, look-through) 2018 3,5% (Ende September 2016: 3,4%)

PRO MEMORIA: Nach dem Investorentag Anfang Dezember begrüssten Analysten insbesondere den verschärften Sparkurs. Das Ziel, bis Ende 2016 Kosteneinsparungen von netto 1,6 Mrd CHF zu erreichen, dürfte übertroffen worden sein. Mit der in Global Markets (GM), der am stärksten von der Restrukturierung betroffenen Division, mittlerweile erreichten Grösse ist das Management mehr oder weniger zufrieden.

Eine der grössten Rechtsrisiken - neben zahlreichen anderen offenen Fällen - war der US-Hypothekenstreit (RMBS). Diesen konnte die Credit Suisse kurz vor Weihnachten bereinigen. Eine grundsätzliche Einigung mit dem US-Justizminiserum sieht neben der bereits erwähnten Busse Entschädigungszahlungen an Kreditnehmer von 2,8 Mrd USD vor. Im Januar wurde der Vergleich dann offiziell unter Dach und Fach gebracht.

AKTIENKURS: Credit Suisse konnten seit dem Tief 2016, als die Titel Anfang Juli unter 10 CHF fielen, deutlich Boden gut machen. Aktuell stehen sie bei 14,52 CHF (Stand Freitag gegen 12.00 Uhr). Seit Anfang Dezember pendelt der Kurs zwischen 14 und 16 CHF. Das Jahr 2016 schloss der Titel allerdings insgesamt fast ein Drittel tiefer ab.

Homepage: www.credit-suisse.com

an/ys

(AWP)