Ausblick Julius Bär: Adj. Halbjahresgewinn von 517 Millionen Fr. erwartet

Die Privatbankengruppe Julius Bär publiziert am Montag, 20. Juli, die Ergebnisse zum ersten Semester 2020. Zum AWP-Ausblick haben sechs Analysten beigetragen.
17.07.2020 14:08
H1 2020E
(in Mio Fr.)          AWP-Konsens     H1 2019A 

Betriebsertrag           1'839          1'699       
Adj. Konzerngewinn*        517            391        
IFRS Konzerngewinn         474            343    

(in %, adj.)
Cost/Income-Ratio         65,7           71,0         

(in Bp)
Bruttomarge               91,5           83,2      
    

(in Mrd Fr.)
Net New Money (NNM)        4,8            6,2       


(in Mrd Fr.)          per 30.06.20    per 30.04.20

Kundenvermögen (AuM)       403            392    


*Unter Ausklammerung von Integrations- und Restrukturierungskosten sowie
 Abschreibungen auf immateriellen Vermögenswerten.

FOKUS: Die Analysten erwarten einen deutlichen Gewinnanstieg im Halbjahr, auch wenn sich die Bruttomarge nach dem starken Anstieg in den ersten vier Monaten 2020 wieder etwas normalisiert haben dürfte. Auch die Kostensenkungen dürften ihre Wirkung auf das Ergebnis zeigen. Neben den Finanzzahlen dürften die Investoren auch an Aussagen des Managements zur weiteren Umsetzung der im Februar angekündigten neuen Strategie interessiert sein.

ZIELE: Julius Bär hatte Anfang Februar neue Mittelfristziele bis 2022 bekannt gegeben. So strebt die Bank ein adjustiertes Kosten-Ertragsverhältnis von unter 67 Prozent (2019: 71 Prozent) und eine Vorsteuermarge von 25 bis 28 Basispunkten (2019: 22 BP) an. Beim adjustierten Gewinn vor Steuern wird 2020 bis 2022 eine jährliche Wachstumsrate von über 10 Prozent angestrebt. Die adjustierte Rendite auf dem Kernkapital (CET1) soll 2022 mindestens 30 Prozent betragen (2019: 27 Prozent). Auf ein Ziel für den Neugeldzufluss verzichtet Bär dagegen.

PRO MEMORIA: Die Finanzmarktaufsicht Finma hatte der Bank Mitte Februar schwere Mängel in der Geldwäschereibekämpfung im Zeitraum von 2009 bis Anfang 2018 vorgeworfen. Das Fehlverhalten steht im Kontext von Korruptionsfällen rund um den venezolanischen Ölkonzern Petróleos de Venezuela PDVSA und den Fussballverband Fifa. Bis zur "Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustandes" untersagt die Finma der Bank, "grosse und komplexe Firmenakquisitionen" durchzuführen.

Laut VR-Präsident Romeo Lacher hat die Bank Julius Bär die Lehren aus ihren Fehlern gezogen. Sie habe "umfassende operative, organisatorische und personelle Massnahmen ergriffen, um das Kontrollsystem und die Risikokultur innerhalb der Gruppe zu stärken", erklärte Lacher Mitte Juni in einem Zeitungsinterview.

Die Privatbank ist daneben wegen einem weiteren Geldwäscherei-Fall in das Visier der Finma geraten, wie im Juni bekannt wurde. Die Behörde führe ein Enforcement-Verfahren im Fall eines argentinischen Unternehmers gegen die Zürcher Bank, bestätigte ein Sprecher entsprechende Medienberichte. Laut einem NZZ-Bericht soll der Argentinier zwischen 2007 und 2016 über Scheinfirmen Kapitalmarkttransaktionen von über 50 Millionen Franken abgewickelt haben, wobei Gelder durch mehrere Konti bei Julius Bär geschleust worden seien.

Die Bank lanciert einen neuen Geschäftsbereich für private Direktinvestitionen, wie sie im laufenden Monat mitteilte. Dieser richtet sich an sehr reichen Kunden (Ultra High Net Worth UHNW), die nach Anlagemöglichkeiten in Private Equity, Private Debt und andere nicht börsenkotierte oder illiquide Vermögenswerten suchen. Geleitet wird der Bereich von Giuseppe De Filippo, der zusammen mit einem Team am 1. Oktober bei Julius Bär einsteigen soll.

AKTIENKURS: Die Julius Bär-Aktie hat wie auch weitere Bankentitel stark unter den Turbulenzen um die Corona-Pandemie gelitten und hat seither die Verluste nur teilweise aufholen können. Seit Jahresbeginn hat der Aktienkurs 16 Prozent eingebüsst. Für den Gesamtmarkt (SPI) steht im gleichen Zeitraum nur ein Minus von knapp 2 Prozent zu Buche.

jg/ab/tp

(AWP)

 
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