Ausblick Nestlé: Org. Wachstum nach 9 Monaten bei 2,9 Prozent erwartet

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé publiziert am Donnerstag, 18. Oktober die Zahlen zu den ersten neun Montagen 2018. Insgesamt haben elf Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
17.10.2018 13:00
9Mte 2018E
(in Mio Fr.)           AWP-Konsens         9Mte 2017A

Umsatz                   66'546              65'272

(in %)
Organisches Wachstum       2,9                2,6
Mengenwachstum (RIG)       2,4                1,8

FOKUS: Da Nestlé zu den ungeraden Quartalen keine Gewinnzahlen veröffentlicht, steht bei Analysten vor allem das (organische) Wachstum (OG), das sich aus dem Mengenwachstum (RIG) und der Preiskomponente zusammensetzt, im Fokus. Der Konzern selber erwartet für das Gesamtjahr 2018 ein organisches Wachstum von rund 3 Prozent (siehe auch Rubrik ZIELE). Im ersten Halbjahr blieb Nestlé mit 2,8 Prozent etwas darunter und müsste damit im zweiten Halbjahr etwas zulegen. Analysten allerdings gehen gemäss Konsensus-Prognose für die Neunmonatsperiode ebenfalls von einem Wert von 2,8 Prozent aus.

Grundsätzlich bleibt das Branchenumfeld schwierig. Gesündere Produkte, lokale Marken, Premiumisierung, E-Commerce etwa sind die Stichworte in diesem Zusammenhang. Vor allem der allgemeine Preisdruck und die vielen lokalen kleineren Unternehmen, welche den grossen Nahrungsmittel-Konzerne Marktanteile abjagen, sind eine grosse Herausforderung. Enttäuscht hat in den letzten Quartalen denn auch fast immer die Preiskomponente. Nachdem der Konzern früher die Preise für seine Premiummarken meist gut erhöhen konnte, war dies zuletzt wegen der verstärkten Konkurrenz, aber auch wegen des deflationären Umfeldes in vielen Ländern kaum mehr möglich. So machten die Preisveränderungen im ersten Halbjahr lediglich 0,3 der gesamten 2,8 Prozent organischen Wachstums aus.

Nestlé hofft diesbezüglich allerdings auf bessere Zeiten, vor allem was die Inflation angeht. Die Kosten für Löhne, Rohmaterialien und Energie würden langsam wieder steigen, sagte Firmenchef Mark Schneider neulich an einer Veranstaltung in Zürich. Anbieter und Produzenten müssten früher oder später gestiegene Inputkosten weiterreichen. Er könne natürlich nicht konkret voraussagen, wann dies der eintreten werde. Wenn "keine ganz grossen Überraschungen" dazwischenkämen, könnte es 2019 oder 2020 der Fall sein, so der Konzernchef, der nun seit rund zwei Jahren bei Nestlé ist.

Dazu kommt der Druck von gewissen Investoren, die einen verstärkten Fokus weg vom Wachstum hin zur Profitabilität fordern. Auch Nestlé kann sich bekanntlich solchen Forderungen nicht entziehen. So tritt etwa der aktivistische Hedgefund Third Point von US-Investor Daniel Loeb, der seit Mitte 2017 rund 1,3 Prozent an Nestlé hält, immer wieder mit Forderungen an die Öffentlichkeit. Erst Mitte Juli nannte Loeb den strategischen Kurs von Nestlé 'konfus'.

Nestlé bewege sich nicht schnell genug bei der Abtrennung von Firmenteilen, so Loeb. Er forderte konkret den Verkauf, die Abspaltung oder andere Massnahmen zur Devestition von 15 Prozent des Umsatzes. Die Mittel daraus seien für Akquisitionen und weitere Aktienrückkäufe zu verwenden. "Das Management von Nestlé bewegt sich beim Ausstieg aus wenig rentablen und nicht strategischen Geschäftsteilen zu langsam", hiess es konkret. Dass mit den jüngsten strategischen Schritten von Nestlé bereits alle Forderungen erfüllt sind, ist nicht zu anzunehmen.

ZIELE: Nestlé hat bekanntlich anlässlich seines Investorentages im September 2017 etwas überraschend erstmals ein Margenziel gesetzt und damit das sogenannte Nestlé-Modell, das viele Jahre gegolten hatte, abgelöst. Neu will Nestlé bis 2020 eine bereinigte EBIT-Marge von 17,5-18,5% erreichen. Gegenüber dem Wert 2017 (16,4%) entspricht das einer Verbesserung um noch rund 150 Basispunkte. Beim Umsatz will Nestlé bis 2020 ein mittleres einstelliges Wachstum erreichen.

Für das laufende Jahr 2018 rechnet das Nestlé-Management gemäss Angaben von Ende Juli (H1-Abschluss) mit einem organischen Wachstum um die 3 Prozent, davor war jeweils von einem Wachstum von 2 bis 4 Prozent die Rede gewesen. Zudem soll sich die bereinigte operative Ergebnismarge entsprechend der Zielvorgaben für 2020 entwickeln. Und es wird eine Steigerung sowohl beim zugrunde liegenden Gewinn je Aktie zu konstanten Wechselkursen als auch bei der Kapitaleffizienz erwartet. Nestlé erwartet zudem gemäss den Angaben Restrukturierungskosten von etwa 700 Millionen für das Gesamtjahr 2018. Grundsätzlich gehen die meisten Analysten davon aus, dass diese Angaben mehr oder weniger bestätigt werden.

PRO MEMORIA:

M&A: Der Nestlé-Konzern geht mit dem vor einiger Zeit gestarteten Umbau voran. Erst im Mai hatte CEO Mark Schneider mit der Akquisition von Starbucks-Rechten (weltweite Vermarktung sämtlicher Konsum- und Gastronomieprodukte) eine der grössten Akquisitionen der Firmengeschichte getätigt. Mitte September folgte dann der Verkauf von Gerber Life Insurance für 1,55 Mrd US-Dollar und nur wenige Tage darauf wurde der Bereich Skin Health zum Verkauf angeboten. Nach deutlichen Fortschritten in den letzten zwei Jahren sei nun der richtige Zeitpunkt für eine Prüfung der Eigentümerstruktur gekommen, hiess es dazu von Nestlé. Die Überprüfung des Bereichs, der 2017 einen Umsatz von 2,7 Milliarden Franken erwirtschaftet hatte, soll bis Mitte 2019 abgeschlossen sein.

L'ORÉAL: Immer wieder wird über das 23%-Paket von Nestlé am französischen Kosmetikkonzern spekuliert. Im März 2018 lief ein Abkommen mit der französischen Familie Bettencourt aus bzw. wurde von Nestlé nicht verlängert. Dieses sah vor, dass sowohl der Schweizer Konzern als auch die Familie ihren Anteil bis zu sechs Monate nach dem Tod der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt - sie ist im letzten September gestorben - nicht erhöhen können. Nestlé betonte im Februar, dass man nicht beabsichtige, den Anteil zu erhöhen. Da aber Nestlé gemäss Abkommen frei war bzw. ist, den Anteil zu verkaufen und einige Investoren das auch lautstark immer wieder fordern, hätte man sich in Investorenkreisen eher mehr Klarheit gewünscht, ob das Paket bald veräussert wird oder nicht. Solche Hoffnungen erfüllte Nestlé mit den eher zweideutigen Angaben damals nicht.

AKTIENRÜCKKAUF: Nestlé hat vor gut einem Jahr ein grösseres Aktienrückkauf-Programm gestartet. Bis Mitte 2020 und damit über drei Jahre will das Unternehmen eigene Aktien im Wert von 20 Milliarden Franken zurückkaufen. Aktuell (per 09.10.18) sind Aktien im Gesamtwert von rund 9,0 Milliarden bzw. knapp die Hälfte des Programms zurückgekauft.

AKTIENKURS: Die Nestlé-Aktie hat sich im bisherigen Jahresverlauf etwas besser als der Gesamtmarkt entwickelt. Aktuell notiert das Papier mit rund 78,74 (Stand Dienstag 12 Uhr) 6,0 Prozent unter dem Stand von Ende 2017, beim SMI sind es -7,5 Prozent. Das bisherige Kursband im laufenden Jahr geht von 72,92 (19.6.) bis 84,72 (9.1.) Franken. Gegenüber dem Jahreshoch verliert das Papier damit 7,1 Prozent.

jl/uh/an

(AWP)