Ausblick Nestlé: Organisches Wachstum 2016 von durchschnittlich 3,4% erwartet

Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé veröffentlicht am Donnerstag, 16. Februar, die Ergebnisse zum Geschäftsjahr 2016. Insgesamt 15 Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.
15.02.2017 14:24
2016  
(in Mio CHF)           AWP-Konsens    2015

Umsatz                   89'728      88'785          
operatives Ergebnis      13'741      13'382       
 - Marge (%)               15,4        15,1       
Reingewinn                9'329       9'066       

(in CHF)
Dividende/Aktie            2,34        2,25      

(in %)
Organ. Wachstum             3,4         4,2       
RIG                         2,4         2,2       

FOKUS: Ganz klar im Mittelpunkt des Interesses steht der neue Konzernchef Ulf Mark Schneider. Er hat per Anfang Jahr die CEO-Rolle übernommen und wird somit erstmals vor die Medien sowie vor Investoren und Analysten treten. Schneider kommt vom deutschen Gesundheitskonzern Fresenius und ist der erste externe Nestlé-CEO seit fast 100 Jahren. Dank des guten Track-Records bei Fresenius wurde er mit viel Vorschusslorbeeren (bzw. steigendem Aktienkurs) eingedeckt. Dies umso mehr, als das frühere Nestlé-Management aufgrund des eher schwachen Wachstums in den letzten Jahren zum Teil deutliche Kritik einzustecken hatte.

Ob Schneider den Nestlé-Dampfer schnell auf Kurs bringen wird, muss sich zeigen. Dass er bereits erste grössere strategische Pflöcke einschlagen wird, ist angesichts seiner erst kurzen Zeit bei Nestlé allerdings fraglich. Zu erwarten ist laut Analysten eher, dass er anlässlich eines für Ende September angesetzten Investoren-Seminars die neue Strategie konkretisieren wird und in diesem Zusammenhang auch neue (Wachstums)ziele präsentieren wird. Erwartet wird generell, dass Nestlé schwach wachsende Marken abstossen wird und die Mittel vermehrt in Bereiche mit einem hohen Wachstums- und Gewinnprofil investieren (Gesundheitsbereich etc.) wird.

Was die Performance im vierten Quartal anbetrifft, dürften die gleichen Problem-Bereiche wie bereits in den vorangegangenen Quartalen im Vordergrund stehen. Es sind dies etwa Brasilien oder China, während die Angelegenheit mit den vermeintlich bleivergifteten Maggi-Nudeln in Indien kein grosser Diskussionspunkt mehr sein dürfte. Insgesamt erwarten Analysten beim organischen Wachstum eine leichte Verbesserung gegenüber dem schwachen zweiten und dritten Quartal (3,1%/3,2%) in die Grössenordnung von gut 3,5% im vierten Quartal, was dann dem Konsenswert von 3,4% für das Gesamtjahr 2016 entsprechen würde.

Bezüglich (operativer) Marge gehen Analysten von einer Verbesserung auf 15,4% von 15,1% im Jahr 2015 aus. In diesem Zusammenhang dürften auch weitere mögliche Kosteneinsparungen ein Thema sein. Nestlé hatte im letzten Mai strukturelle Einsparungen von über 200 Basispunkten bis 2019/20 in Aussicht gestellt.

ZIELE: Nestlé hat im Oktober anlässlich der Q3-Zahlen den Ausblick für das organische Wachstum im Gesamtjahr 2016 gesenkt. Demnach wird ein organisches Wachstum von rund 3,5% erwartet, zuvor war von einem Wachstum im Rahmen des Vorjahrs (4,2%) die Rede gewesen. Überraschend war der Schritt damals angesichts der schwierigen Marktbedingungen nicht gekommen. Das Mittelfristziel (Nestlé-Modell) eines jährlichen organischen Wachstums von 5-6% dürfte damit 2016 zum vierten Mal in Folge verpasst werden. Der frühere CEO Paul Bulcke hatte am Ziel zwar jeweils festgehalten, aber von einer "Ambition" statt von einer konkreten Zielgrösse gesprochen.

Neben dem organischen Wachstum strebt der Konzern wie üblich auch eine Verbesserung der Margen und des nachhaltigen Gewinns je Aktie (bei konstanten Wechselkursen) sowie der Kapitaleffizienz an. Wie gross diese Margenverbesserung sein soll, darüber wollte das Management zuletzt keine genauen Angaben machen. "Operative und strukturelle Effizienzgewinne" sollen dazu beitragen, hiess es im Oktober.

PRO MEMORIA: Grössere Akquisitionen gab es bei Nestlé zuletzt keine. Der Konzern hatte zwar gemäss Presseberichten ein gewisse Interesse am US-Babynahrungshersteller Mead Johnson gezeigt. Dieser ging dann allerdings letzte Woche an den britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser. Analysten hatten eine Übernahme von Mead Johnson durch Nestlé als unwahrscheinlich bezeichnet.

AKTIENKURS: Die Nestlé-Aktie hat sich im bisherigen Jahresverlauf etwas unterdurchschnittlich entwickelt. Beim aktuellen Kurs von 73,50 CHF (Dienstag 12.30 Uhr) notiert das Papier rund ein halbes Prozent höher als Ende 2016, dies im Vergleich zu rund +2,5% beim SMI. Das bisherige Jahreshoch war bei 74,90 CHF (am 9.1.), das -tief bei 71,65 CHF (2.2.).

Homepage: http://www.nestle.com

hr/uh/dm

(AWP)