Ausblick Nestlé: Organisches Wachstum 2017 von 2,6% erwartet

Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé veröffentlicht am Donnerstag, 15. Februar die Resultate zum Geschäftsjahr 2017. Insgesamt 17 Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.
14.02.2018 15:20
2017E  
(in Mio CHF)              AWP-Konsens      2016A 

Umsatz                       90'052       89'469 
Operatives Ergebnis          13'394       13'693
 - Marge (in %)                14,8         15,3 
 - bereinigte Marge (in %)     16,2         16,0 
Reingewinn                    9'622        8'531 

(in CHF)
Dividende/Aktie                2,40         2,30 

(in %)
Organ. Wachstum                 2,6          3,2 
RIG                             1,9          2,4 

FOKUS: Bei Investoren gilt bekanntlich das organische Wachstum (OG) als die wichtigste Umsatzzahl, entsprechend liegt der Fokus weniger auf dem Umsatz in Franken. Das organische Wachstum setzt sich zusammen aus dem Mengenwachstum (RIG) sowie der Preiskomponente, dagegen werden Akquisitionen und Wechselkursveränderungen herausgerechnet.

Nestlé hatte im Hinblick auf das OG im Oktober mitgeteilt, dass für das Gesamtjahr 2017 ein mit der 9-Mte-Zahl (2,6%) vergleichbarer Wert erwartet wird. Damit ging Nestlé im Oktober davon aus, dass sich das Wachstum im vierten Quartal wieder etwas abgeschwächen würde gegenüber dem Q3-Wert von 3,1%. Nestlé begründete dies damals etwa mit dem starken (organischen) Wachstum von 3,6% in der Zone EMENA im Q3, das sich im vierten Quartal kaum aufrechterhalten liesse. Zudem werde die Zone AOA nach sechs Quartalen in Folge mit starkem Wachstum ebenfalls langsamer wachsen, u.a. wegen des Zeitpunktes des chinesischen Neujahres, hiess es.

Da Nestlé bereits eine relativ konkrete Erwartung für das Gesamtjahresergebnis veröffentlicht hat, gehen die Schätzungen von Analysten nicht allzu weit auseinander (+2,5 bis +2,8% im AWP-Konsens). Gemäss ZKB haben Givaudan (im Aromenbereich) und Unilever im vierten Quartal etwas besser als erwartet abgeschnitten. Nestlé könnte daher den Konsens gut auch etwas übertreffen. Von Interesse dürfte aber vor allem auch die Wachstums-Guidance für 2018 sein, dies angesichts der relativ herausfordernden Situation auf der Preisseite.

Auf der Gewinnebene liegt der Fokus vor allem auf der operativen Marge. Diese dürfte aufgrund von höheren Restrukturierungs- und sonstigen Kosten gemäss Konsens deutlich zurückgegangen sein (rund 50 BP). Der Fokus liegt bei Nestlé aber auf der bereinigten Marge, die laut Konsens etwas höher ausfallen dürfte als 2016 (16,0%).

Im Fokus dürften weiterhin die laufenden Veränderungen bei Nestlé sein. Die Bank Vontobel meint, dass der neue CEO seit dem Amtsantritt im Januar 2017 bereits viele entscheidende Veränderungen an die Hand genommen habe. Von aussen gesehen, gehe die Kultur bei Nestlé in die richtige Richtung und dies erst noch in hohem Tempo. Die Notwendigkeit für Veränderungen, so der Vontobel-Analyst weiter, sei auf allen Management-Stufen verstanden worden. Der Konzern habe realisiert, dass Grösse allein nicht mehr genüge und dass jeder Geschäftsbereich gegen lokale Konkurrenz kämpfen müsse.

Druck kommt auch weiter von Aktionärsseite: Der aktivistische Investor Third Point, der seit letztem Juni einen kleinen Anteil an Nestlé hält, jedenfalls macht weiter (öffentlich) Druck. Nestlé soll die Strategie schärfen und die Verkäufe von schlecht passenden Firmenteilen beschleunigen, hiess es von dieser Seite. Third Point verlangt bekanntlich auch den Verkauf des 23%-Anteils, den Nestlé an L'Oréal hält. Der französische Kosmetikkonzern beschäftigt sich offenbar ebenfalls schon damit. Auf die Frage, ob L'Oréal dazu bereit wäre, Nestlé das 22,6 Mrd EUR-teure Paket aufzukaufen, sagte CEO Jean-Paul Agon letzten Freitag gegenüber der "Financial Times": "Ja, natürlich." Und man habe auch die finanziellen Ressourcen dazu.

ZIELE: Nestlé hat anlässlich seines Investorentages im letzten September etwas überraschend erstmals ein Margenziel gesetzt und damit das sogenannte Nestlé-Modell, das viele Jahre gegolten hatte, abgelöst. Dieses hatte ein organisches Wachstum von 5-6% p.a. sowie jeweils eine Verbesserung der EBIT-Marge in Lokalwährungen vorgesehen, wobei das Wachstumsziel letztmals 2012 erreicht worden war.

Neu will Nestlé bis 2020 eine bereinigte EBIT-Marge von 17,5-18,5% erreichen. Gegenüber dem Wert 2016 (16,0%) entspricht das einer Verbesserung um 150-250 Basispunkte. Um dies zu erreichen sollen die strukturellen Kosten von rund 18 Mrd CHF bis 2020 um 2-2,5 Mrd gesenkt werden, dies mittels Senkung der Produktions- (0,6-0,8 Mrd), Beschaffungs- (0,5-0,6 Mrd) und Verwaltungskosten (0,9-1,1 Mrd), wie es im September hiess. Insgesamt fallen dafür laut Nestlé Restrukturierungskosten in der Grössenordnung von 2,5 Mrd CHF an. Beim Umsatz will Nestlé bis 2020 ein mittleres einstelliges Wachstum erreichen. Dieses Ziel war bereits vor einem Jahr vom damals neu amtierenden CEO Schneider bekannt gegeben und wurde am Investorentag dann bestätigt.

PRO MEMORIA:

M&A: Nestlé strebt bekanntlich eine Optimierung seines Portfolios an. Laut CEO Schneider könnten davon rund 10% des gesamten Umsatzes betroffen sein, wobei es sowohl zu Veräusserungen als auch zu Zukäufen kommen könne, wie er am Investorentag sagte. Grundsätzlich sollen Übernahmen zu den Zielkategorien (Wasser, Kaffee, Tierfutter, Babynahrung) und -regionen passen, attraktive Renditen erzielen und "auf der Führungsposition des Unternehmens in schnell wachsenden Nahrungs- und Getränkekategorien aufbauen", hiess es dazu.

Nestlé war in diesem Zusammenhang zuletzt relativ aktiv. Zugekauft wurde Anfang Dezember etwa die kanadische Atrium Innovations für 2,3 Mrd USD. Mit diesem Schritt werde eine weitere Wachstumsmöglichkeit im Bereich Consumer Healthcare wahrgenommen, hiess es dazu. Dieser Bereich weise ergänzend zum Schwerpunkt auf Nahrungs- und Getränkekategorien ein hohes Wachstum auf. Mitte Januar wurde dann der seit längerer Zeit erwartete Verkauf des US-Süsswarengeschäftes bekannt. Der Bereich mit rund 900 Mio USD Umsatz (2016) wird für 2,8 Mrd USD in bar an die italienische Ferrero-Gruppe verkauft. Daneben kam es auch zu diversen kleineren Käufen oder Verkäufen, zuletzt etwa wurde ein Mehrheitsanteil an der südamerikanischen Terrafertil übernommen. Diese produziert natürliche, organische und pflanzliche Lebensmittel als Snacks.

Offenbar nicht übernehmen will Nestlé laut einem Pressebericht von Anfang Februar das zum Verkauf stehende OTC-Geschäft (rezeptfreie Medikamente) der deutschen Merck-Gruppe. Noch im Januar hatte es geheissen, Nestle habe mit gut 4 Mrd EUR am meisten dafür geboten. Zum Verkauf steht auch die gleiche Sparte des US-Pharmakonzerns Pfizer. Auch hier war Nestlé als möglicher Käufer für die mit bis zu 18 Mrd USD dotierte Sparte genannt worden, soll aber - ebenfalls laut einem Pressebericht - nicht mehr daran interessiert sein.

AKTIENRÜCKKAUF: Nestlé hat im Sommer ein grösseres Aktienrückkauf-Programm bekannt gegeben. Bis Ende Juni 2020 will das Unternehmen demnach eigene Aktien im Wert von 20 Mrd CHF zurückkaufen. Ursprünglich wollte Nestlé den Fokus des Rückkaufs auf der zweiten Periodenhälfte legen; anlässlich des Investoren-Tages hiess es dann aber, dass der Rückkauf gleichmässig über die drei Jahre verteilt werden soll. Aktuell (per 6.2.) wurden knapp 50 Mio Aktien zu einem Gesamtwert von 4,2 Mrd CHF zurückgekauft.

AKTIENKURS: Die Nestlé-Aktie hat im bisherigen Jahresverlauf schon deutlich an Terrain eingebüsst. Allein in der letzten Woche büsste das als defensiv geltende Papier fast 5% ein, insgesamt steht es mit aktuell 76,72 CHF (Dienstag 11 Uhr) 8,5% tiefer als Ende 2017 (SMI -6,2). Gegenüber dem Jahreshoch vom 9. Mai bei 84,72 CHF sind es über 9%.

Homepage: http://www.nestle.com

jl/uh/dm

(AWP)