Ausblick Nestlé: Organisches Wachstum 9Mte im Schnitt bei 2,5% erwartet

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé publiziert am Donnerstag, 19. Oktober die Neunmonatszahlen 2017. Insgesamt haben acht Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
18.10.2017 13:30
9Mte 2017E
(in Mio CHF)           AWP-Konsens     9Mte 2016A  

Umsatz                   65'470          65'514   

(in %)
Organisches Wachstum       2,5              3,3    
Mengenwachstum (RIG)       1,6              2,5    

FOKUS: Da Nestlé erst vor wenigen Wochen einen Investorentag abgehalten und dabei die zukünftige Strategie und die neuen Ziele umfassend erklärt hat, dürfte nun wieder das laufende Geschäft im Fokus stehen. Da zudem beim dritten Quartal nur die Umsätze bekannt gegeben werden, wird das organische Wachstum OG (Mengenwachstum plus Preisentwicklung, bereinigt um FX und M&A) die meist beachtete Zahl sein.

Analysten sehen für die Neunmonatsperiode von Januar bis September gemäss AWP-Konsens ein OG von gut 2,5% (Bandbreite 2,5-2,7%), was einer leichten Verbesserung gegenüber den 2,3% im ersten Halbjahr entspräche. Nach einem Wert von 2,3% im ersten Quartal bzw. 2,4% im zweiten Quartal hätte sich das Wachstum im dritten Quartal somit in Richtung 3% beschleunigt (Konsens 2,9%). Erwartet wird die Verbesserung vor dem Hintergrund des leicht verbesserten Umfeldes in Asien und Europa.

Die jüngste Strategeieüberprüfung (Details dazu siehe in den Rubriken ZIELE und PRO MEMORIA) wurde von Analysten zumeist gut bis sehr gut aufgenommen. Das neue Margenziel wurde zwar als nicht allzu ambitiös bezeichnet, sollte sich entsprechend aber auch nicht allzu negativ auf die Umsatzentwicklung auswirken. Insgesamt sprachen Analysten aber von einem sehr überzeugenden Auftritt des neuen Konzernchefs Mark Schneider.

Dieser habe innerhalb weniger Monate viele entscheidende Änderungen vorgenommen bei Nestlé, meint man etwa bei der Bank Vontobel. Die Unternehmenskultur entwickle sich nun in die richtige Richtung, die Dringlichkeit für Veränderungen scheine man verstanden zu haben. Der Konzern habe auch realisiert, dass die Grösse nicht mehr der alles entscheidende Faktor sei und jede Produkt-Kategorie gegen lokale Champions kämpfen müsse. Nestlé sei auf dem Weg, um die Erwartungen zu erfüllen, so der zuständige Analyst. Er erwartet auch in nächster Zeit Meldungen, die das bestätigen sollten.

ZIELE: Nestlé hat anlässlich seines Investorentages etwas überraschend erstmals ein Margenziel gesetzt und damit das sogenannte Nestlé-Modell, das viele Jahre gegolten hatte, abgelöst. Dieses hatte ein organisches Umsatzwachstum von 5-6% p.a. sowie eine kontinuierliche Verbesserung der EBIT-Marge in Lokalwährungen vorgesehen. Seit 2013 hat Nestlé das Wachstumsziel aber jeweils verfehlt; ausserdem hatte der Druck von Investorenseite zugenommen, was Nestle dazu veranlasst haben dürfte, die Ziele anzupassen.

Neu will Nestlé bis 2020 eine bereinigte EBIT-Marge von 17,5-18,5% erreichen. Gegenüber dem Wert von 16,0% im vergangenen Jahr entspricht das somit einer Verbesserung um 150-250 Basispunkte. Um dies zu erreichen sollen die strukturellen Kosten von aktuell rund 18 Mrd CHF bis 2020 um 2-2,5 Mrd gesenkt werden, dies mittels Senkung der Produktions- (0,6-0,8 Mrd), Beschaffungs- (0,5-0,6 Mrd) und Verwaltungskosten (0,9-1,1 Mrd). Insgesamt fallen dafür laut Nestlé Restrukturierungskosten in der Grössenordnung von 2,5 Mrd CHF an.

Beim Umsatz will Nestlé bis 2020 ein mittleres einstelliges Wachstum erreichen. Dieses Ziel war bereits im Februar vom damals ganz neuen CEO Schneider bekannt gegeben worden und wurde am Investorentag nun bestätigt.

Für das laufende Jahr 2017 erwartet Nestlé gemäss Ausblick zum Halbjahr von Ende Juli ein organisches Wachstum zwischen 2% und 4%, das aber "wahrscheinlich" in der unteren Hälfte der Spanne zu liegen kommen werde. Der zweite Teil der Aussage war damals neu dazugesetzt worden. Aufgrund von höheren Restrukturierungskosten soll die operative Marge gegenüber 2016 konstant ausfallen.

PRO MEMORIA:

MERGER&ACQUISITIONS:

Nestlé strebt bekanntlich eine Optimierung seines Portfolios an. Laut CEO Schneider könnten davon rund 10% des gesamten Umsatzes betroffen sein, wobei es sowohl zu Veräusserungen als auch zu Zukäufen kommen könne, wie er am Investorentages sagte. Grundsätzlich sollen Übernahmen zu den Zielkategorien (Wasser, Kaffee, Tiernahrung, Babynahrung) und -regionen passen, attraktive Renditen erzielen und "auf der Führungsposition des Unternehmens in schnell wachsenden Nahrungs- und Getränkekategorien aufbauen", heisst es dazu.

Nestlé hat in diesem Zusammenhang zuletzt verschiedene kleinere Unternehmen übernommen oder zumindest Anteile an solchen gekauft. So wurde etwa Mitte September eine Mehrheitsbeteiligung am US-Unternehmen Blue Bottle Coffee, einem Röster und Fachhändler von Kaffeespezialitäten mit Sitz in Oakland, erworben. Blue Bottle Coffee betrieb Ende 2016 insgesamt 29 Cafés in Grossstädten in den USA und Japan, bis Ende 2017 soll diese Zahl auf 55 steigen.

Und kurz davor übernahm der Konzern die US-Firma Sweet Earth. Dabei handelt es sich um einen Produzenten von vegetarischen Lebensmitteln mit Sitz im kalifornischen Moss Landing. Mit der Übernahme soll das eigene Portfolio an vegetarischen und sogenannt flexitarischen Lebensmitteln ausgebaut werden. Und noch etwas vorher hatte Nestlé einen Minderheitsanteil an der US-Firma Freshly bekannt gegeben. Dieser ist ein Anbieter von frisch zubereiteten Mahlzeiten.

Zuletzt war Nestlé ausserdem im Gespräch als möglicher Käufer des Consumer Health Geschäftes (OTC-Medikamente etc.) von Pfizer. Analysten glauben allerdings nicht, dass das für Nestlé in Frage kommt. Es sei vermutlich zu weit weg von Nestlés Kernkompetenzen im Gesundheitsbereich (Nutrition, Hautpflege etc.), heisst es etwa.

Was Verkäufe betrifft, hat Nestlé Mitte Juni eine strategische Überprüfung seines US-Süsswarengeschäftes angekündigt. Dazu zähle auch die Option einer Veräusserung, hiess es damals, wobei der Prozess bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern damit einen Umsatz von rund 900 Mio CHF erzielt. Wie jüngst bekannt wurde, sollen Konzerne wie Hershey oder Ferrero am Geschäft interessiert sein.

AKTIENRÜCKKAUF: Nestlé hat im Sommer ein grösseres Aktienrückkauf-Programm bekannt gegeben. Bis Ende Juni 2020 will das Unternehmen demnach eigene Aktien im Wert von 20 Mrd CHF zurückkaufen. Ursprünglich wollte Nestlé den Fokus des Rückkaufs auf der zweiten Periodenhälfte legen; anlässlich des Investoren-Tages hiess es dann aber, dass der Rückkauf gleichmässig über die drei Jahre verteilt werden soll. Das Rückkaufvolumen wurden seither denn auch deutlich erhöht - zuletzt wurden täglich Aktien im Wert von 30 bis 40 Mio CHF zurückgekauft. Aktuell (per 11.10.) sind Aktien im Wert von gut 856 Mio CHF zurückgekauft.

AKTIENKURS: Die Nestlé-Aktie hat sich im bisherigen Jahresverlauf etwas besser als der Gesamtmarkt entwickelt (+15% v. +13%). Nachdem Ende Juni der Einstieg des Hedgefunds Third Point von Daniel Loeb bekannt geworden war, legte das Papier in der Spitze bis auf 86,00 CHF zu (Jahres- und Rekordhoch), fiel danach aber wieder klar zurück. Seit dem Investorentag Ende September ist die Aktie wieder klar im Aufwind und notiert mit aktuell 84,15 CHF (Dienstag 12 Uhr) nicht allzu weit vom Höchstwert entfernt.

jl/uh

(AWP)