Ausblick Nestlé: Organisches Wachstum im Q1 von 2,6 Prozent erwartet

Der Lebensmittelkonzern Nestlé publiziert am Donnerstag, 18. April die Umsatzzahlen zum ersten Quartal 2019. Zum AWP-Konsens haben insgesamt elf Analysten beigetragen.
17.04.2019 14:00
Q1 2019E
(in Mrd Fr.)                AWP-Konsens   Q1 2018A

Umsatz                         22,0         21,3


(in %)                                    Q4 2018A

Organisches Wachstum            2,6          3,7 
Mengenwachstum (RIG)            1,6          2,8 

FOKUS: Da bei den ungeraden Quartalen keine Gewinnzahlen bekannt gegeben werden, liegt der Fokus ganz klar auf den Umsatzzahlen. Dabei steht das organische Wachstum (OG), das sich aus dem Mengenwachstum (RIG) sowie den Preisveränderungen zusammensetzt, im Fokus. Weniger von Interesse sind die Umsatzzahlen in Franken, die vor allem auch von Wechselkursverschiebungen bzw. Akquisitionen und Devestitionen beeinflusst werden.

Nestlé hat im Vorjahr beim organischen Wachstum wieder an Schwung gewonnen, im vierten Quartal alleine zog es auf 3,7 Prozent an. Analysten erwarten nun vor allem wegen Feiertagseffekten einen etwas langsameren Start ins Jahr. So fand das chinesische Neujahresfest früher und damit etwas näher am vierten Quartal statt, während Ostern wiederum dieses Jahr erst ins zweite Quartal fällt. Dazu kommt, dass das erste Quartal einen Handelstag weniger aufweist als das Vorjahresquartal.

Dennoch erwarten die Branchenbeobachter mehrheitlich ein solides Wachstum, wobei die konkreten Schätzungen relativ weit auseinander gehen. Das Augenmerk dürfte vor allem auf den Wachstumskategorien liegen. So etwa auf dem Wassergeschäft, das sich zuletzt schwach entwickelt hatte. Dieses dürfte nun zumindest von den tiefen Vergleichszahlen profitieren.

Vom Tierfuttergeschäft wird weiter eine dynamische Entwicklung erwartet, wobei hier einige Analysten auf das verschärfte Wettbewerbsumfeld hinweisen. Und beim Kaffeegeschäft wird mit Spannung verfolgt, wie sich das Wachstum im Nachgang zur Übernahme der Vermarktung von Starbucks-Kaffeeprodukten entwickelt.

Uneinig sind sich die Branchenkenner bei den Auswirkungen der Wechselkurseffekte. Während etwa Kepler Cheuvreux Rückenwind vom starken US-Dollar erwartet, geht die ZKB davon aus, dass dieser durch den tieferen Euro und die schwächeren Währungen in den Schwellenländer überkompensiert werde.

Weiter erhoffen sich die Analysten auch Updates zur geplanten Trennung von weiteren Geschäftsbereichen oder potentiellen Zukäufen (siehe auch Rubrik Pro Memoria).

ZIELE: Nestlé erwartet für 2019 eine weitere Verbesserung des organischen Wachstums und der (bereinigten) operativen Ergebnismarge entsprechend den Zielen für 2020. Nestlé geht dabei im laufenden Jahr von Restrukturierungskosten von etwa 700 Millionen Franken aus. Auch wird eine Steigerung sowohl beim Gewinn je Aktie zu konstanten Wechselkursen als auch bei der Kapitaleffizienz erwartet.

Gemäss den vor eineinhalb Jahren aufgestellten Zielen soll Nestlé bis 2020 eine bereinigte EBIT-Marge von 17,5 bis 18,5 Prozent erzielen. Gegenüber dem Wert 2018 (17,0%) entspricht das einer Verbesserung um rund 100 Basispunkte. Beim Umsatz will Nestlé bis 2020 ein mittleres einstelliges organisches Wachstum erreichen. Der Ausblick wurde zuletzt an der GV letzte Woche bestätigt.

PRO MEMORIA:

M&A: Der Nestlé-Konzern hat im letzten Herbst den Bereich Skin Health (Hautpflege) auf den Prüfstand bzw. zum Verkauf gestellt. Nach deutlichen Fortschritten in den letzten zwei Jahren sei nun der richtige Zeitpunkt für eine Prüfung der Eigentümerstruktur gekommen, so Nestlé dazu, wobei der Prozess bis Mitte Jahr abgeschlossen sein soll. Man sei "exakt im Zeitplan", hiess es im Februar anlässlich der Bilanzmedienkonferenz. CEO Mark Schneider sprach damals von einem "ausserordentlich starken Interesse" für den Bereich. Der Verkauf könnte Nestlé rund 7 Milliarden Dollar einbringen, berichtete die "Financial Times" (FT) Anfang März unter Berufung auf Insider. Vor allem Private-Equity-Gesellschaften haben offenbar ein Interesse. Verschiedene solcher Gesellschaften hätten zudem Konsortien gebildet, um mehr Gewicht auf die Waage zu bringen, hiess es.

Zum Verkauf steht auch Herta Charcuterie, wie der Konzern im Februar ankündigte. Die strategische Prüfung umfasst demnach die Geschäftsaktivitäten von Herta Charcuterie (Aufschnitt und Fleischwaren) in Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg, im Vereinigten Königreich und in Irland, welche 2018 zusammen einen Umsatz von rund 680 Millionen Franken erzielten. Nestlé werde jedoch Teigprodukte und vegetarische Angebote der Marke Herta beibehalten und weiterentwickeln.

Nestlé dürfte die Mittel, die sie aus den Veräusserungen erhält, auch wieder einsetzen. Der Portfolioumbau werde sicher weitergehen, betonte der Konzernchef im Februar. Die wichtigste Transaktion in Bezug auf das Portfolio letztes Jahr war laut CEO Schneider der Erwerb der Lizenz zur Vermarktung von Starbucks-Kaffeeprodukten ausserhalb der Cafés dieser Kette. "Wir freuen uns, dass diese Transaktion so schnell über die Bühne ging", sagte er an der GV letzte Woche. Die Allianz mit Starbucks habe die Position von Nestlé im globalen Kaffeesektor bereits gestärkt.

AKTIENRÜCKKAUF: Bei Nestlé läuft bekanntlich ein grösseres Aktienrückkauf-Programm: bis Ende 2019 sollen Aktien im Wert von 20 Milliarden Franken zurückgekauft werden. Bis dato (per 09.04.19) wurden Aktien im Gesamtwert von rund 12,6 Milliarden zurückgekauft bzw. 63 Prozent des Programms abgewickelt. Nestlé hat das Programm Anfang Jahr beschleunigt. Ursprünglich war das Ende für Mitte 2020 vorgesehen.

L'ORÉAL: Immer wieder wird über das 23%-Paket von Nestlé am französischen Kosmetikkonzern spekuliert. Im März 2018 lief ein Abkommen mit der französischen Familie Bettencourt aus bzw. wurde von Nestlé nicht verlängert. Dieses sah vor, dass sowohl der Schweizer Konzern als auch die Familie ihren Anteil bis zu sechs Monate nach dem Tod der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt - sie ist im September 2017 gestorben - nicht erhöhen können. Nestlé betonte vor einem Jahr, dass man nicht beabsichtige, den Anteil zu erhöhen. Allerdings fordern Investoren eher den Verkauf des Anteils, insofern hat die Äusserung von Nestlé diesbezüglich nicht für Klarheit gesorgt.

AKTIENKURS: Die Nestlé-Aktie gehört im bisherigen Jahresverlauf zu den besseren Blue Chips. Aktuell (Dienstag 13.15 Uhr) notiert das Papier mit 94,84 Franken (trotz Dividendenabgang diese Woche) knapp 19 Prozent höher als Ende 2018 (SMI +13,7%). Das Jahreshoch (und Allzeit-Hoch) stammt vom 10. April und liegt bei 97,22 Franken.

Homepage: www.nestle.com

jl/uh/tt

(AWP)

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