Ausblick Novartis: Jahresumsatz von durchschnittlich 48,71 Mrd USD erwartet

Das Pharmaunternehmen Novartis veröffentlicht am Mittwoch, 25. Januar die Ergebnisse zum Geschäftsjahr 2016. Insgesamt haben zwanzig Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
24.01.2017 14:17
2016E
(in Mio USD)         AWP-Konsens      2015A*  

Umsatz*:                                            
- Gruppe               48'711        49'414 
- Innovative Med.      32'553        33'345   
- Sandoz               10'142        10'070
- Alcon                 5'824         5'999
Core-EBIT**            13'032        13'790
Core-Reingewinn**      11'362        12'041

(in USD)
Core-EPS**               4,78          5,01      

(in CHF)
DPS                      2,82          2,70     


*) Umsatzzahlen an die neue Divisionsstruktur angepasst
**) Kern-Zahlen bereinigt um Abschreibungen auf immateriellen Vermögenswerten, 
den Einfluss akquisitionsbedingter Faktoren und andere wesentliche 
Sonderpositionen          

FOKUS: Novartis ist im Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres von Analysten immer wieder mal als "gefallener Engel" bezeichnet worden. Die Gründe für diese Bezeichnung dürften bei der Vorlage der Jahreszahlen nochmals in den Fokus rücken. Da wäre die Augensparte Alcon, die seit einem Jahr nicht die Erwartungen erfüllt und bei der auch die zahlreichen Massnahmen noch nicht im erhofften Umfang gegriffen haben.

Dann sind da noch die beiden Neueinführungen Cosentyx und Entresto. Zwar ist das Mittel Cosentyx, das zur Behandlung häufig vorkommender Gelenkentzündungen sowie gegen Schuppenflechte zugelassen ist, auf dem besten Wege, ein Blockbuster zu werden, beim Herzmittel Entresto dauert das hingegen länger als ursprünglich erwartet.

Aber genau das ist für viele Marktteilnehmer ein Grund zu Sorge. Denn gleichzeitig hat Novartis mit Umsatzverlusten wegen auslaufender Patente zu kämpfen. Ganz akut trifft dies auf das Krebsmedikament Gleevec/Glivec zu, dessen US-Patent bereits 2016 abgelaufen war. In der EU war dies zum Jahreswechsel der Fall, so dass es hier nochmals zu deutlichen Einbrüchen kommen wird.

Neben diesen drei Kernthemen werden Marktteilnehmer aber auch noch auf weitere Neuigkeiten zur Pipeline und zur weiteren Strategie warten. Für 2017 stehen einige wichtige Studienergebnisse an, etwa der RELAX-AHF-2-Studie, in der Seralaxin in der Behandlung von akutem Herzversagen getestet wird.

ZIELE: Mit der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober hatte Novartis auch seine bisherigen Prognosen etwas überarbeitet. Wie der CFO Harry Kirsch erklärte, rechne er damit dass die Pharma-Sparte Innovative Medicines und auch die Generika-Sparte Sandoz in etwa die zu Jahresbeginn ausgegebenen Prognosen erfüllen werden, wohingegen die Augensparte Alcon voraussichtlich hinter den Zielen zurückbleiben wird.

Das heisst im Klartext: Für Innovative Medicines hatte Novartis Ende Januar 2016 einen Umsatz in etwa auf dem 2015er-Niveau in Aussicht gestellt. Für Sandoz ging Novartis seinerzeit von einem Wachstum im niedrigen mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Für die Augensparte Alcon hatte sich der Konzern ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozent-Bereich zum Ziel gesetzt.

Beim Kernergebnis blieb Novartis bei der bisherigen Annahme, dass es in etwa auf Vorjahresniveau oder um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz tiefer ausfallen werde.

Die Auswirkungen der Wechselkurse auf das Gesamtjahr gesehen beziffert Novartis weiter mit -1% beim Umsatz und mit -3% beim operativen Kernergebnis. Hier haben Analysten bereits angemerkt, dass der Einfluss stärker ausgefallen sein könnte, zumal der US-Dollar seit dem dritten Quartal klar aufgewertet hat.

PRO MEMORIA: Der Pharmakonzern ist vor allem in Richtung Jahreswechsel sehr aktiv gewesen und hat neben kleineren Übernahmen noch vielversprechende Partnerschaften eingefädelt, etwa mit dem US-Unternehmen Ionis Pharmaceuticals. Dabei geht es um die Einlizenzierung einer neuartigen Therapie zur Verringerung kardiovaskulärer Risikofaktoren bei Patienten mit Fettwechselstörungen. Als "Technologie der Stunde" bezeichnete ein Analyst den Therapieansatz.

Auch die Kooperation mit Conatus Pharmaceuticals stiess auf positives Echo. Gemeinsam wollen die Unternehmen in der Entwicklung eines oral einzunehmenden Medikaments zur Behandlung von nicht-alkoholischer Steatohepatitis (NASH) zusammenarbeiten.

Einen Rückschlag verzeichnete Novartis dagegen mit seinem Produktkandidaten Fovista (pegpleranib). In zwei Phase-III-Studien wurden die die jeweiligen primären Endpunkte nicht erreicht. Getestet wurde das Mittel zusammen mit dem bereits auf dem Markt befindlichen Lucentis in der Behandlung der degenerativen neovaskulären oder nassen AMD (nAMD oder wet AMD).

Die Tatsache, dass es bei einem Konkurrenten in einer Studie zu ernsthaften Zwischenfällen gekommen ist, hat zudem Fragen zum Therapieansatz von Novartis aufgeworfen. Konkret geht es eine Chimeric Antigen Receptor-Therapie (CAR-T), eine Zelltherapie, die quasi eine Unterart der Immun-Onkologie ist. Diesen Ansatz verfolgt Novartis mit seinem Produktkandidaten CTL019.

Mit der Wahl Trumps wird auch das Thema Preisgestaltung im Gesundheitssektor in den USA auf dem Programm stehen. Novartis CEO Joseph Jimenez hatte zuletzt immer wieder eingebaut, dass hier Veränderungen durchaus nötig seien. Unternehmen, die sich durch Innovation auszeichneten, sollten allerdings auch in Zukunft keine allzu grossen Schwierigkeiten haben, lautete bislang seine Devise - und natürlich zählt er Novartis hierzu.

AKTIENKURS: Im bisherigen Jahresverlauf haben Novartis-Aktien ihren Abwärtstrend aus dem Vorjahr fortgesetzt. 2016 haben die Papiere zusammen mit den Genussscheinen vom Konkurrenten Roche hinter den Aktien der beiden Grossbanken die grössten Verluste unter den Blue Chips verzeichnet. Während das Minus für 2016 bei annähernd 15% liegt, stehen für die ersten Wochen 2017 bereits Verluste von mehr als 5% zu Buche.

Homepage: www.novartis.com

hr/jl/an

(AWP)