Ausblick Richemont 5 Mte: Umsatzrückgang von organisch 10% erwartet

Zürich (awp) - Der Luxusgüterhersteller Richemont wird am Mittwoch, 14. September nicht nur die ordentliche Generalversammlung abhalten, sondern auch über die Umsatzentwicklung in den ersten fünf Monate des Geschäftsjahres 2016/17 (per Ende August) berichten. Insgesamt haben elf Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
13.09.2016 14:00
5 Mte 16/17E
(In %)         AWP-Konsens      5 Mte 15/16A  
Umsatz*          -10                 +4   
Umsatz**         -12                +16  
-Schmuck*        -10                 +6   
-Schmuck**       -12                +20   
-Uhren*          -11                 -1     
-Uhren**         -14                +10   

*  organisches Wachstum zu konstanten Wechselkursen
** Wachstum zum aktuellen Wechselkurs (EUR)

FOKUS: Analysten erwarten für die Richemont-Gruppe in den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 (April-August) einen deutlichen Umsatzrückgang. Bereits der Start ins neue Jahr war Richemont missglückt: Im Monat April ging der Umsatz in Euro um 18% und in Lokalwährungen um 15% stark zurück. Damals sei man noch von einem negativen Ausreisser ausgegangen, doch deuteten die Branchenzahlen nun daraufhin, dass der Trend in den Sommermonaten negativ geblieben ist, so die ZKB.

ZIELE: Mit der Kommunikation von Unternehmenszielen üben sich die Richemont-Verantwortlichen jeweils in Zurückhaltung. Daher klammere sich der Markt noch an die Aussagen von CFO Richard Lepeu, der im laufenden Geschäftsjahr eine Verbesserung der Bruttogewinnmarge in Aussicht gestellt hatte. Bei einer stärkeren Unterauslastung der Fabriken als ursprünglich erwartet, werde dies jedoch ein schwieriges Unterfangen, glauben Analysten.

PRO MEMORIA: Die Schweizer Uhrenhersteller leiden im laufenden Jahr unter der weltweit weiterhin rückläufigen Nachfrage, was sich im Monat Juli in der erneut deutlich geschrumpften Uhrenexportstatistik erneut gezeigt hat. Das Exportvolumen hatte sich laut den Berechnungen des Branchenverbands FH im Juli um 14% auf 1,64 Mrd CHF zurück entwickelt. Allerdings zählte der Berichtsmonat zwei Arbeitstage weniger als im Vorjahr, so dass sich bereinigt nominal ein Rückgang um 5,9% ergeben hat.

Vor allem Luxus- und Billiguhren wurden im Juli weniger nachgefragt, während beinahe alle relevanten Absatzmärkte sich rückläufig entwickelten. Regelrecht eingebrochen war die Nachfrage in den beiden wichtigsten Absatzmärkten USA und Hongkong. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres bzw. von Januar bis Juli wurden kumuliert Uhren im Wert von 11,12 Mrd CHF exportiert - ein Minus von nominal 11%.

Die vielbeachtete Studie des Beratungsunternehmens Bain&Company und des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma kam im Mai zum Schluss, dass die globale Nachfrage nach Luxusgütern im laufenden Jahr gedämpft bleiben dürfte. Nachdem der Umsatz mit Luxusprodukten des persönlichen Gebrauchs, also mit Lederwaren, Mode, Schmuck und Uhren, Parfüm sowie Kosmetik 2015 in Lokalwährungen um lediglich 1% angewachsen war, habe sich das flache Wachstum im neuen Jahr fortgesetzt, hiess es. Im Startquartal 2016 wuchs die Branche nur mit 1%.

Der Ausblick für das Gesamtjahr bleibe durchwachsen, hiess es im Frühlings-Update der "Luxury Goods Worldwide Market"-Studie weiter. In Festland-China wird für 2016 ein Umsatzplus von 2% (währungsbereinigt +4%) erwartet. Weiter zeichne sich Taiwan durch Stabilität aus, wogegen sich Hongkong und in geringem Masse auch Macau weiterhin auf Talfahrt befänden. Schwierig gestaltet sich laut Studie die Entwicklung in Europa und die Lage im schrumpfenden US-Markt.

Im Juni hat der Bundesrat die "Swiss made"-Verordnung, die unter anderem auch für Uhren gilt, genehmigt und auf den 1. Januar 2017 in Kraft gesetzt. Wird ein Produkt als Schweizer Erzeugnis angepriesen, müssen künftig strenge Bedingungen erfüllt sein. Die Verordnung präzisiert die Regeln im Swissness-Gesetz, welches das Parlament 2013 verabschiedet hatte. Für die Definition einer Schweizer Uhr wird neu auf die Uhr als Ganzes abgestellt: Mindestens 60% der Herstellungskosten einer Uhr müssen in der Schweiz anfallen. Bisher wurde für die Definition einer Schweizer Uhr auf das Uhrwerk abgestellt.

Der zur Richemont-Gruppe gehörende Luxusuhren-Hersteller Cartier will sich laut Aussagen seines Chefs Cyrille Vigneron auf das Kerngeschäft zurückbesinnen und nicht nur mit Damen- und Herrenuhren, sondern auch was Technologien betreffe, Stärke zeigen. Einen Einstieg ins Geschäft mit Uhren mit Internet-Verbindung plant das Unternehmen allerdings nicht, wie Vigneron Anfang Juli in einem Zeitungsinterview erklärte.

Der an der Mailänder Börse gelistete Onlinehändler Yoox Net-a-Porter, an dem Richemont einen Anteil von 50% hält, hat im ersten Halbjahr 2016 den Umsatz auf vergleichbarer Basis bzw. pro-forma um 16% auf 897 Mio EUR gesteigert. In Lokalwährungen gerechnet wären die Verkäufe um 13% angewachsen, wie Anfang August bekannt wurde. Der pro-forma adjustierte Betriebsgewinn EBITDA erhöhte sich um 15% auf 76,5 Mio EUR und der adjustierte Gewinn nahm um ebenfalls 15% auf 37,0 Mio EUR zu. Im Oktober 2015 hatten sich die zur Richemont-Gruppe gehörende Onlinehandelsplattform Net-a-Porter und die italienische Yoox-Gruppe zusammengeschlossen.

Ende Mai gingen am Markt Spekulationen um, Richemont könnte an einer Mehrheitsbeteiligung des italienischen Juweliers Buccellati interessiert sein. Die Private Equity-Gesellschaft Clessidra suche einen Käufer für ihr Paket von 67% an Buccellati und Richemont sei der Favorit dafür, hiess es. Buccellati erwirtschaftete den Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von rund 50 Mio EUR. Clessidra selbst wurde unlängst von der Mailänder Finanzholding Italmobiliare übernommen. Zu ihr gehört neben der Schmuck- und Uhrenmarke Buccellati auch die Modemarke Roberto Cavalli.

AKTIENKURS: An der Börse haben Luxusgüteraktien im laufenden Jahr einen schweren Stand und so büssten Richemont seit Jahresbeginn beinahe einen Fünftel an Wert ein während Branchenkonkurrent Swatch Group gar um fast einen Viertel eingebrochen ist. Belastend wirken die von der rückläufigen Nachfrage belasteten Uhrenexportstatistiken und die immer kritischeren Analysteneinschätzungen. Zudem dürfte bei Richemont der Fall aus dem Aktienindex Stoxx Europe 50, der am 19. September umgesetzt wird, ein weiterer Belastungsfaktor darstellen.

Homepage: www.richemont.com

mk/sig/an

(AWP)