Ausblick Richemont: Analysten erwarten Halbjahresumsatz bei 5'048 Mio EUR

Zürich (awp) - Die Compagnie Financière Richemont veröffentlicht am Freitag, 4. November, die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2016/17 (bis Ende September). Zum AWP-Konsens haben insgesamt zehn Analysten beigetragen.
03.11.2016 13:30
H1 16/17E
(in Mio EUR)    AWP-Konsens      H1 15/16A 

Umsatz            5'048              5'821   
EBIT                763              1'390 
Reingewinn          656              1'103  

(In %)
Umsatzwachstum*   -12,6               +3,0  
EBIT-Marge         15,1               24,0  

*zu konstanten Wechselkursen

FOKUS: Die Luxusgüterbranche steht unter Druck und so wird auch die Richemont-Gruppe für das erste Halbjahr rückläufige Umsätze und Ergebnisse ausweisen. Analysten rechnen dabei mit einem Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich, gehen aber immerhin davon aus, dass sich die Abwärtsbewegung im Oktober zu Beginn des Weihnachtsquartals deutlich abgeschwächt haben dürfte.

Im Ergebnis rechnen die meisten Experten analog zu der im September ausgegebenen Gewinnwarnung mit einem EBIT-Rückgang im Umfang von 45% auf 765 Mio EUR. Darin enthalten sind Restrukturierungskosten im Umfang von 65 Mio sowie die Auswirkungen aus den vor allem bei der Marke Cartier getätigten Produktrückkäufe.

ZIELE: VR-Präsident Johann Rupert sprach Mitte September anlässlich der Generalversammlung in Genf von Überkapazitäten am Luxusgütermarkt und einem nach wie vor von Unsicherheiten geprägten Marktumfeld. Die Terrorsorgen in Europa, aber auch die Antikorruptionskampagne der chinesischen Regierung sowie schärfere Zollbestimmungen hätten die Konsumlaune der Chinesen, der für die Branche wichtigste Kundschaft, gedämpft. Immerhin gelinge es, in Festland-China zu wachsen, hielt Rupert fest.

An den schwierigen Marktbedingungen dürfte sich in kurzer Frist kaum was ändern, ergänzte Finanzchef Gary Saage an gleicher Stelle. "Daher müssen wir unser Angebot der tieferen Nachfrage angleichen und werden da und dort unrentable Läden schliessen", sagte er zu Journalisten. "Hingegen glaube ich nicht, dass wir weitere Stellen in der Produktion abbauen müssen." Die Gruppe hatte bereits bis Ende April die Belegschaft um rund 500 Mitarbeitende reduziert.

In der gleichentags veröffentlichten Mitteilung zur Umsatzentwicklung in den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 (April-August) warnte die Gesellschaft zudem vor einem Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr. Aufgrund von Restrukturierungskosten im Umfang von 65 Mio EUR sowie den Auswirkungen aus den Produktrückkäufen insbesondere im Hause Cartier, werde das operative Ergebnis um rund 45% tiefer ausfallen als noch im Vorjahr, hiess es.

PRO MEMORIA: In den ersten fünf Monaten 2016/17 schrumpfte der Umsatz der Richemont-Gruppe in der Berichtswährung Euro um 14% und in Lokalwährungen gerechnet um 13%. Ohne die Rücknahmeaktion von Uhrenmodellen, die von den Händlern in den schwächelnden Märkten Hongkong und Macau nur schleppend verkauft werden, wäre der Umsatz in Lokalwährungen um 10% zurückgegangen.

Der Umsatz mit Schmuck von Cartier oder Van Cleef & Arpels sank in der Berichtsperiode in Euro um 16% (-15% in LW). Die Uhrenverkäufe mit Marken wie Piaget, JaegerLeCoultre oder IWC gingen um 19% bzw. 18% zurück. VR-Präsident Rupert führte als Grund für die Abgaben auch noch die gute Entwicklung aus dem Vorjahr an; damals war noch zweistelliges Wachstum zu sehen.

Auch die Schweizer Uhrenexportstatistiken der vergangenen Monaten zeichneten eine trübes Bild zur Verfassung der Branche. In der zuletzt für den Monat September vorgelegten Statistik sanken die Exporte von Schweizer Uhren um rund 104 Mio bzw. 5,7% auf 1,71 Mrd CHF. Real betrug das Minus gar 10,9%.

Bereits in den Vormonaten hatten sich die Uhrenexporte markant rückläufig entwickelt. Im August nahmen sie um nominal 8,8% (real: -11%) ab, im Juli um 14% (-21%), im Juni um 16% (real -21%) und betrachtet man die Monate Juli bis September, dann ergibt sich ein Minus von nominal 9,6% im dritten Quartal 2016. Damit hat sich der Rückgang gegenüber 2015, als die Uhrenexporte um 3,3% abgenommen haben, stark beschleunigt.

Besonders stark leidet der wichtigste Markt für die Schweizer Uhrenindustrie, Hongkong. Im September waren die Uhrenexporte in die ehemalige britische Kolonie nominal um fast 40% rückläufig. Damit setzt sich der seit 19 Monaten anhaltende Markteinbruch in Hongkong fort. Wieder positiv entwickelte sich der US-Markt, wo die Ausfuhren im September um 4,7% zunahmen. Auch in Japan stiegen die Exporte um 8,9% auf 127,8 Mio CHF.

In Grossbritannien zeigte sich erneut eine klare Zunahme der Exporte aufgrund des schwachen britischen Pfunds. Mit einem Plus von 32% gegenüber dem Vorjahresmonat schraubten sich die Uhrenexporte auf insgesamt 120,6 Mio CHF hoch. Deutliche Einbussen verzeichnete die Branche aber in Italien (-14,5%).

AKTIENKURS: An der Börse haben Luxusgüteraktien in Ende September/Anfang Oktober einen Teil des im Jahresverlauf verlorenen Terrains zwar zurückgewonnen, seit einigen Tagen stehen die Titel allerdings wieder unter Druck. Die Richemont-Papiere liegen im Vergleich zu Ende 2015 mit über 12% im Minus während der Gesamtmarkt SMI beinahe ebenso viel verloren hat.

www.richemont.com

sig/mk

(AWP)