Ausblick Sika: Quartalsumsatz von durchschnittlich 1,35 Mrd CHF erwartet

Der Spezialitätenchemie-Hersteller Sika publiziert am Dienstag, 11. April, die Zahlen zum Umsatz im ersten Quartal 2017. Insgesamt haben sieben Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
10.04.2017 14:51
(in Mio CHF)              AWP-Konsens        Q1 2016

Umsatz                       1'353            1'274   

Umsatz nach Regionen
-EMEA                        612,9            604,2      
-Nordamerika                 214,4            184,1      
-Lateinamerika               139,6            130,7                
-Asien/Pazifik               252,7            234,6 
-übrige Segmente             131,5            120,8  

FOKUS: Sika dürfte nach Einschätzung von Analysten nach einer kleinen Wachstumsdelle im Schlussquartal 2016 zum Start des neuen Jahres wieder deutlicher zugelegt haben. Als grösster Wachstumstreiber wird von Analysten die Region Nordamerika gesehen und positive Währungseffekte dürften auch Lateinamerika wieder auf die Beine geholfen haben.

Gleichzeitig gilt anzumerken, dass das erste Quartal wegen saisonaler Effekte bei Sika das jeweils am wenigsten aussagekräftige ist. Gewinnzahlen publiziert Sika zum ersten Quartal nicht.

Gleichentags findet die Generalversammlung statt. Es ist mit höchster Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Sika-Verwaltungsrat die Stimmrechte der Familie Burkard wie an den vorangehenden Veranstaltungen beschneiden wird. Die Veranstaltung wird daher kaum Überraschungen bereithalten. Die von den Erben des Familiengründers beantragte Zuwahl von Jacques Bischoff in den Verwaltungsrat und die vorgeschlagene Dividendenkürzung wird gleichwohl für Gesprächsstoff sorgen.

ZIELE: Für 2017 rechnet Sika mit einem Umsatzwachstum von 6-8% und einer überproportionalen Steigerung der Margen. Und da die Ziele "Strategie 2018" bereits zwei Jahre früher als geplant erreicht wurden, setze Sika Ende Februar die Messlatte gleich etwas höher. Neu wird für die Periode bis 2020 eine EBIT-Marge von 14-16% (bisher 12-14%) und ein operativer freier Geldfluss von über 10% (bisher über 8%) angestrebt. Der Return on Capital Employed soll 25% übertreffen.

PRO MEMORIA: Für 2016 präsentierte Sika im Februar das beste Resultat der Unternehmensgeschichte: Beim EBIT (795,3 Mio CHF) und beim Gewinn (566,6 Mio) wurden neue Rekordmarken gesetzt. Ein Wermutstropfen war die Entwicklung im vierten Quartal, in dem sich das Wachstum leicht abgeschwächt hatte. Das war laut Sika vor allem auf die Entwicklung in Nordamerika und die vorübergehende Unsicherheit im Vorfeld der Wahlen zurückführen. Damit dürfte es sich eher um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt haben.

Der Sika-Verwaltungsrat kämpft bereits seit mehr als zwei Jahren hart darum, dass es für Sika noch viele weitere Jahre gibt als unabhängiges Unternehmen. In der "Sache Saint-Gobain" ist am Dienstag jedoch kaum mit grossen Neuigkeiten zu rechnen.

Diese gab es zuletzt Ende Oktober, als das Zuger Kantonsgericht im Streit um die Anwendung der Vinkulierung der Stimmrechte der verkaufswilligen Familie Burkard an der Generalversammlung im Sinne des Sika-Verwaltungsrates entscheid. Und trotzdem ist allem beim Alten geblieben, denn die Familie Burkard hat den Fall umgehend an die nächste Instanz weitergezogen.

Der Ball liegt derzeit also beim Obergericht des Kantons Zug. Ein Entscheid dieser Instanz nimmt bis zu einem Jahr in Anspruch. Kommt es danach zu einem Gang ans Bundesgericht, dürfte dies mindestens ein weiteres Jahr erfordern und erneut würden Millionen von Franken an die involvierten Juristen fliessen. Bis jetzt die einzigen Profiteure der Affäre. Eigentlich wollten die Franzosen den Deal im zweiten Semester 2015 unter Dach und Fach bringen.

Vergangene Woche erst haben die Familie Burkard und Saint-Gobain ihre Verkaufsvereinbarung um ein halbes Jahr bis Ende 2017 verlängert. Doch hinter den Kulissen soll es rumoren, berichtete die "SonntagsZeitung" am 9. April. Den Burkard-Geschwistern werde offenbar bewusst, dass ein Verkauf für sie selbst sowie Sika schlecht sei.

Die Familie Burkard denke zudem darüber nach, ihr Aktienpaket von Sika zu behalten, falls das Bundesgericht den Verkauf an Saint-Gobain blockiert. Die Erben wiesen diese Überlegungen mit einer einer offiziellen Stellungnahme umgehend von sich. Die Absichten der Sika-Gründerfamilie würden in dem Bericht falsch dargestellt.

Wie dem auch sei - an der Generalversammlung ist so oder so auch dieses Jahr für Zündstoff gesorgt. Die in der Schenker-Winkler Holding (SWH) organisierte Sika-Erbenfamilie Burkhard lehnt den Dividendenantrag des Verwaltungsrates ab und schlägt eine tiefere Dividende vor. Statt einer vom Verwaltungsrat beantragten Dividende von 102 CHF je Inhaberaktie, schlägt die SWH 96 CHF je Anteil vor.

Denn die Dividende sollte im Einklang mit dem Gewinn steigen, so die Argumentation der SWH. Der Antrag hat nach Ansicht von Beobachter gute Chancen auf Annahme. Denn Sika wird die Vinkulierung der Namenaktien wohl nur für die zur Verhinderung des Verkaufs an Saint-Gobain relevante Wahl des Verwaltungsrates anwenden.

Zuletzt gab es aber auch News aus dem operativen Geschäft: Ende März kündigte Sika die Eröffnung einer Mörtelfabrik in Mexiko an. Und per 1. April 2017 wurde für der Zielmarkt Industry neu geschaffen, der von Thomas Hasler geleitet wird.

AKTIENKURS: Die Sika-Aktien haben im laufenden Jahr bis dato rund 24% dazugewonnen und damit deutlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt SPI. Die Titel werden mittlerweile mehr als 50% über dem Niveau gehandelt, das sie vor Bekanntwerden der Übernahmeabsichten von Saint Gobain im Dezember 2014 erreicht hatten. Die Saint Gobain-Offerte verliert damit für die Familie Burkard zusehends an Attraktivität. Die Prämie von ursprünglich knapp 80% ist nach Berechnungen von Analysten zuletzt auf nur noch rund 4% zusammengeschrumpft.

ab/ra/jl

(AWP)