Ausblick Swatch: Jahresgewinn von 802 Millionen Franken erwartet

Der Uhrenhersteller Swatch wird voraussichtlich in den kommenden Tagen die Zahlen zum Geschäftsjahr 2019 veröffentlichen. Zum AWP-Konsens haben insgesamt 16 Analysten beigetragen.
23.01.2020 14:00
2019E      
(in Mio Fr.)          AWP-Konsens     2018   
 
Nettoumsatz              8'279       8'475   
EBIT                     1'078       1'154   
- Marge (in %)            13,1        13,6  
Reingewinn                 802         867   

(in Fr.)
Dividende je Inhaber      7,83        8,00  

FOKUS: Der Swatch-Konzern dürfte im Jahr 2019 weniger Uhren verkauft haben als im Jahr davor. Analysten rechnen mit rückläufigen Verkaufszahlen, wobei insbesondere günstigere Uhren unter der wachsenden Konkurrenz von Smartwatches wie der Apple Watch leiden. Gleichzeitig belasten die Unruhen in Hongkong das Geschäft. Die Gruppe hatte im Jahr 2018 rund 10 Prozent ihres Umsatzes in der chinesischen Sonderverwaltungszone erwirtschaftet.

Die sinkenden Umsätze haben den Druck auf die Margen wohl weiter erhöht. Das Management um Firmenchef Nick Hayek könnte vor diesem Hintergrund Rationalisierungsschritte planen, glaubt ein Analyst. Als eine Massnahme wird die angekündigte Aufgabe der Lizenzvereinbarung zur Produktion von Calvin-Klein-Uhren gesehen.

ZIELE: Prognosen zum Geschäftsverlauf gibt Swatch-Chef Hayek üblicherweise keine ab. An der Eröffnung des neuen Haupsitzes in Biel im Oktober sagte Hayek lediglich, dass die Konsumentenstimmung allgemein gut sei. Einzige Ausnahme sei dabei Honkong. "Doch in 95 Prozent der Welt verzeichnen wir Wachstum," erklärte er weiter. Als grosse Chance für Wachstum verwies Hayek in der Vergangen auf den chinesischen Markt. Insbesondere die Verkäufe der teureren Uhren von Marken wie Longines oder Omega erfreuten sich dort einer "sehr guten" Nachfrage, sagte er vergangenen Frühling.

PRO MEMORIA: Im ersten Halbjahr ist der Umsatz der Swatch Group um 4,4 Prozent auf 4,08 Milliarden Franken zurückgegangen. Der Grund dafür war in erster Linie, dass der Konzern Lieferungen an Händler, die Uhren an den Graumarkt weitergaben, gestoppt hat. Auf dem Graumarkt sind Uhren, die im offiziellen Handel viel Geld kosten, zu Schnäppchenpreisen zu haben. Für Luxusmarken ist das fatal.

Hinweise darauf, wie das Geschäft in der Uhrenbranche läuft, geben die monatlich vom Branchenverband FH ausgewiesenen Exportdaten. Im November sind die Schweizer Uhrenexporte nominal um 3,5 Prozent auf 1,99 Milliarden Franken zurückgegangen. Real - also um Preiseffekte bereinigt - lag das Minus gar bei knapp 11 Prozent. In den ersten elf Monaten nahmen die Uhrenexporte aber um 2,0 Prozent auf 19,9 Milliarden zu.

Besonders stark nachgegeben hatten in der zweiten Jahreshälfte die Ausfuhren von Schweizer Uhren in den wichtigen Markt Hongkong (-27%), wo die seit Monaten schwelenden Unruhen vor allem chinesische Einkaufstouristen von Reisen in die ehemalige britische Kolonie abhalten. Die fehlende Kundschaft drückt auf die Umsätze der zahlreichen Luxusgüter-Boutiquen in Hongkong. Als Stütze dienen die höheren Bestellungen im restlichen China oder auch aus den USA.

In Hongkong hat die Swatch Group auf die anhaltenden Unruhen reagiert und einzelne Filialen aus Sicherheitsgründen geschlossen. Ein Sprecher bestätigte Ende November einen entsprechenden Bericht des "Tagesanzeigers". Laut "Tagi" ist die Gruppe mit Marken wie Swatch, Omega und Breguet ist in der chinesischen Sonderverwaltungszone mit etwa 100 Boutiquen vertreten.

Im Oktober hat Swatch den Lizenzvertrag mit Calvin Klein für die Produktion von Uhren der US-Modemarke nach 20 Jahren auslaufen lassen. Swatch begründete diesen Schritt mit den Turbulenzen und Ungewissheiten auf Managementebene von Calvin Klein.

Zu Reden gab kurz vor Weihnachten der Streit um Lieferungen mechanischer Uhrwerke der Swatch-Tochter ETA an Dritte. ETA war in der Vergangenheit unangefochtener Marktführer und daher dazu verpflichtet, die Uhrenhersteller mit Werken zu beliefern.

Um sich vom Lieferzwang zu befreien, hatte Swatch selbst die Wettbewerbskommission (Weko) dazu ersucht, den Markt für mechanische Uhrwerke zu untersuchen. 2013 unterzeichneten die Weko und Swatch eine Vereinbarung, in der die kontrollierte Reduktion der Liefermengen geregelt wurde. Die Konkurrenz sollte so die Chance erhalten, sich am Markt zu entfalten.

Bis Ende 2019 sollte sich die Weko entscheiden, ob Swatch in die unternehmerische Freiheit entlassen wird. Kurz vor Weihnachten gab die Behörde bekannt, voraussichtlich erst im Sommer 2020 zu einem Entscheid zu gelangen. In der Folge kam es zur Kontroverse: Swatch sprach von einem faktischen Lieferverbot für ETA. Die Weko entgegnete, ETA dürfe bisherige Kunden und KMU weiterhin beliefern.

In der Rechnung der Swatch Group hinterlässt das Gezerre um die Lieferung von ETA-Werken an Dritte kaum Spuren. Das Geschäft macht sowohl bezüglich Umsatz als auch im Ergebnis zu wenig aus, als dass dies den Anleger allzu grosses Kopfzerbrechen bereiten müsste.

AKTIENKURS: Die Swatch-Inhaber Aktien habe sich seit Anfang Jahr flach entwickelt und sind damit hinter dem aufwärts tendierenden Gesamtmarkt SMI zurück geblieben. Bereits im vergangenen Jahr haben sich die Titel mit einem Minus von knapp 6 Prozent unterdurchschnittlich entwickelt.

Homepage: www.swatch.com

jl/an/mk

(AWP)

 

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