Ausblick Swiss Re: 9M-Ergebnis bei -558 Mio USD erwartet

Der Rückversicherer Swiss Re gibt am Donnerstag, 2. November, die Resultate zu den ersten neun Monaten 2017 bekannt. Insgesamt haben sechs Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
01.11.2017 14:00
9M 2017E
(in Mio USD)             AWP-Konsens     9M 2016A 

Gebuchte Bruttoprämien    26'544          24'722
Reinergebnis                -558           3'041


(in %)
Combined Ratio
-P&C                       120,5            93,8 
-CorSol                    114,7            99,3 


(in Mio USD)
Per 30.9.2017E                         31.06.2017A

Eigenkapital               32'962         34'373  

FOKUS: Die Swiss Re hat die Berichterstattung seit diesem Jahr umgestellt und berichtet im November neu nur noch über die ersten neun Monate und nicht mehr über das dritte Quartal. Dabei werden in den "Zwischenquartalen" Q1 und Q3 mit Blick auf die langfristige Ausrichtung des Rückversicherungsgeschäfts weniger Details zu der Geschäftsentwicklung kommuniziert.

Im laufenden Jahr rechnet Swiss Re mit hohen Belastungen aus den Wirbelstürmen "Harvey", "Irma" und "Maria" sowie aus zwei Erdbeben in Mexiko und dürfte daher nach neun Monaten einen Verlust ausweisen. Und auch die Combined Ratio bewegt sich voraussichtlich auf einem unüblich hohen Niveau. Offen bleibt gemäss Analysten die Frage, ob Swiss Re das im Frühling angekündigte und von den Aktionären genehmigte Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 1 Mrd CHF trotz der hohen Kosten lancieren wird.

Swiss Re entscheidet jeweils nach Ablauf der Hurrikan-Saison im November, ob noch genügend überschüssiges Kapital für Aktienrückkäufe zur Verfügung steht bzw. eingesetzt werden soll. Entscheidend ist auch, ob die Gruppe allenfalls vermehrt Kapital zum Zeichnen von profitablem Neugeschäft nutzen will. In den letzten Jahren hatte der Preisdruck am Rückversicherungsmarkt die Swiss Re eher davon abgehalten.

Experten gehen davon aus, dass es aufgrund der hohen Kosten aus Naturkatastrophen im kommenden Jahr zu einer Preiswende am Markt kommen wird. Das könnte bei Swiss Re dazu führen, dass wieder verstärkt Kapital ins operative Geschäft fliessen könnte. Derzeit laufen in der Versicherungsbranche die Arbeiten zur grossen Vertragserneuerungsrunde im Januar auf Hochtouren.

ZIELE: An den langfristigen Geschäftszielen wird Swiss Re mit grosser Wahrscheinlichkeit festhalten. Langfristig will der Konzern mit der Eigenkapitalrendite den risikofreien Zinssatz zehnjähriger US-Staatsanleihen um mindestens 700 Basispunkte übertreffen. Das ökonomische Eigenkapital je Aktie soll derweil jährlich um 10% wachsen. Insbesondere das Renditeziel wurde in den vergangenen Jahren regelmässig übertroffen. Mit den hohen Katastrophenschäden dürfte dieses allerdings 2017 verfehlt werden.

PRO MEMORIA: Die Hurrikan- und Erdbeben-Schäden in den USA, der Karibik und Mexiko kommen Swiss Re teuer zu stehen. Der Rückversicherer rechnet für das dritte Quartal mit Gesamtkosten von rund 3,6 Mrd USD und liegt damit über den Erwartungen von Analysten. Die Zahl sei vor Steuern und nach Abzug von Retrozessionen, also der Weitergabe von Kosten an andere Rückversicherer, berechnet worden, teilte die Gruppe Mitte Oktober mit. CFO David Cole hielt in der Mitteilung zudem fest, dass Swiss Re "die eigenen Prioritäten im Kapitalmanagement weiter verfolgen" werde.

Ende August traf Hurrikan "Harvey" auf die texanische Küste, wobei die massiven Niederschläge vor allem in der Region Houston zu schweren Überschwemmungen geführt hatten. Hurrikan "Irma" ging am 10. September in Florida an Land. Und die Karibik wurde nach "Irma" noch von Hurrikan "Maria" heimgesucht. Experten gehen von einem Gesamtschaden für die Versicherungsindustrie in Höhe von geschätzt 100 Mrd USD aus. Das teuerste Schadenjahr war bislang 2011, wo Rekorderdbeben und Überschwemmungen zu Schäden von über 126 Mrd geführt hatten. Im ersten Halbjahr 2017 wurden bereits Katastrophenkosten in Höhe von 44 Mrd registriert.

Anfang Oktober hat die Swiss Re für das Geschäft zur Abwicklung alter sogenannt "geschlossener" Lebensversicherungsbeständen die japanische Versicherungsgruppe MS&AD Insurance (dahinter verbergen sich die Firmen Mitsui, Sumitomo, Aioi und Dowaan) an Bord geholt. Die Japaner erwerben in einem ersten Schritt für 175 Mio GBP eine Beteiligung von 5% an der Swiss Re-Tochter ReAssure. Innerhalb von drei Jahren soll die Beteiligung durch die Japaner auf 15% aufgestockt werden, was einer Investition von umgerechnet 1 Mrd CHF entspricht. Swiss Re verspricht sich eine erhöhte finanzielle Flexibilität für rasches Wachstum.

Laut Swiss Re-CEO Christian Mumenthaler könnte nach den verheerenden Wirbelstürmen in den USA Bewegung in die seit einiger Zeit unter Druck stehenden Rückversicherungspreise kommen. "Es ist für mich sehr plausibel, dass es eine Reaktion bei den Preisen geben wird", sagte Mumenthaler in einem InterviewMitte September. "Es kann nicht so weitergehen. Es muss einfach ein Punkt kommen, wo es offensichtlich wehtut. Vielleicht sind wir jetzt an einem solchen Punkt."

Bereits am Branchentreffen von Mitte September in Monte Carlo hatte Swiss Re vermehrt Anzeichen einer Stabilisierung an der Preisfront registriert. Nachdem in den vergangenen Jahren die tiefen Zinsen und Kapital alternativer Anbieter auf die Preise in der Rückversicherungsindustrie gedrückt haben, dürften die zu erwartenden hohen Kosten aus Naturkatastrophen das Preisgefüge stützen.

AKTIENKURS: An der Börse hatte der Swiss Re-Kurs von Ende August bis Anfang September mit der Sorge vor sehr hohen Schadenskosten und einem damit verbundenen Rückzug des Aktienrückkaufs von rund 95 CHF auf unter 83 CHF korrigiert. Anschliessend ging es aber steil aufwärts und so stehen Swiss Re nun wieder nahe an der 95 Franken-Marke. Die Aussicht auf steigende Rückversicherungstarife hat den Titeln Auftrieb verliehen. Allerdings resultiert nach wie vor eine negative Jahresperformance von knapp -3%, während der SMI mit über 10% im Plus steht.

Homepage: www.swissre.com

jl/dm/mk

(AWP)