Ausblick Swiss Re: Quartalsgewinn bei 594 Mio USD erwartet

Zürich (awp) - Der Rückversicherer Swiss Re gibt am Freitag, 29 Juli die Resultate zum zweiten Quartal 2016 bekannt. Insgesamt haben zwölf Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
28.07.2016 14:00
Q2 2016E
(in Mio USD)              AWP-Konsens    Q2 2015A 

Verdiente Prämien            7'582          7'144 
Reinergebnis                   594            820 
Combined Ratio P&C (in %)     99,7           93,3
Combined Ratio CorSo (in %)   98,8           97,3 


Per 30.6.2016E            AWP-Konsens     31.03.2016A  

Eigenkapital                34'069          34'827       

FOKUS: Die Swiss Re dürfte für das zweite Quartal gegenüber der Vorjahresperiode klar tiefere Ergebnisse ausweisen. Als Grund für diese Annahme nennen Analysten die hohen Belastungen aus Naturkatastrophen, die auf die Bilanzen der Versicherer und Rückversicherer drücken. Swiss Re sei jedoch genügend stark kapitalisiert, um diese Schadenskosten auffangen zu können, heisst es. Die Schwierigkeit, die Schwere der Belastungen einschätzen zu können, äussert sich in der grossen Bandbreite, die bei den Analystenprognosen zum Reingewinn oder zur Combined Ratio zu sehen ist.

Im zweiten Quartal sind verschiedene Naturereignisse angefallen, welche die Rückversicherungsbranche beschäftigen. Dazu zählen etwa eine Reihe von Unwettern in Europa und in den USA sowie die Brände im kanadischen Fort McMurray oder Erdbeben in Japan. Gleichzeitig hat die höhere Kadenz an Naturkatastrophen einen positiven Einfluss auf das Preisgefüge. Daher wird bereits für die Juli-Vertragserneuerungsrunde, wo Rückversicherungsgeschäft in den USA im Fokus steht, mit einem nachlassenden Preisdruck gerechnet.

ZIELE: In der Guidance orientiert sich Swiss Re an dem im vergangenen Jahr kommunizierten und über den Versicherungszyklus geltenden Renditeziel. Demnach soll die Eigenkapitalrendite die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um mindestens 700 Basispunkte übertreffen. In den Sparten P&C Re (Sachrückversicherung) und Corporate Solutions strebt die Swiss Re einen Wert zwischen 10 und 15% an, im Life&Health-Teil soll sich die Rendite zwischen 10 und 12% bewegen und bei Life Capital zwischen 6 und 8%. Gleichzeitig will die Gruppe das ökonomische Eigenkapital je Aktie jährlich um 10% steigern.

Anlässlich der Präsentation zum Ergebnis des ersten Quartals 2016 sah CFO David Cole die Gruppe gut kapitalisiert, um zu wachsen oder um allfällige Belastungen aus Grosskatastrophen zu absorbieren. Je nachdem, wie sich der Gewinn entwickle und welche Marktchancen sich böten, werde man aber wie versprochen überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückführen, so Cole. Derweil hatten die Aktionäre den Verwaltungsrat an der ordentlichen Generalversammlung erneut dazu ermächtigt, Aktien im Umfang von maximal 1 Mrd CHF zu kaufen.

PRO MEMORIA: Zuletzt sind am Markt und in den Medien Gerüchte aufgekommen, die Swiss Re könnte einen Minderheitsanteil am Geschäft der Sparte Life Capital an Investoren verkaufen. Erste Gespräche dazu mit Pensionsfonds und Staatsfonds hätten bereits stattgefunden, berichtete "Sky News" vor einer Woche unter Berufung auf informierte Kreise. Den Angaben zufolge soll mit dem Verkauf eines Anteils im Wert von 1 Mrd GBP die Finanzkraft für Akquisitionen gestärkt werden.

Swiss Re selber verwies in einer dazu publizierten Stellungnahme darauf hin, dass das Unternehmen bereits zu früheren Gelegenheiten erklärt habe, man erwäge eine Zusammenarbeit mit Minderheitsinvestoren im Life Capital-Geschäft oder in Teilen davon.

Anfang Juli hat die Ratingagentur Fitch für den Rückversicherer Swiss Re das Finanzstärkerating (IFS) mit "AA-" und den Ausblick mit "stabil" bestätigt. Auch das Langfristrating (Long-term Issuer Default Rating, IDR) beliess Fitch mit stabilem Ausblick unverändert bei "A+". Die Bestätigung widerspiegle das starke Finanzprofil von Swiss Re und die dominante Position innerhalb der weltweiten Rückversicherungsindustrie, hiess es.

Im ersten Quartal 2016 ging der Gewinn der Swiss Re gegenüber dem sehr hohen Vorjahreswert zwar um 15% auf 1,23 Mrd USD zurück, er übertraf aber die Markterwartungen. Das Ergebnis spiegle die weiterhin gute Underwriting-Disziplin sowie höhere Einnahmen in der neu formierten Sparte Life Capital (ehemals Admin Re) wider, hiess es in der Mitteilung von Ende April dazu. Die verdienten Prämien der Gruppe wuchsen um 5% auf 7,94 Mrd, wobei grosse massgeschneiderte Transaktionen die Treiber dahinter waren.

Das wichtigste Standbein, die Sach- und Haftpflicht-Rückversicherung (P&C), trug im Startquartal noch 587 Mio USD (-27%) zum Gruppengewinn bei. Zwar profitierte P&C erneut von einer sehr tiefen Schadenbelastung, doch musste Swiss Re für die Forderungen zu den Neuseeland-Erdbeben aus den Jahren 2010 und 2011 sowie für das Asbest-Portfolio nachreservieren. Dies machte sich auch in der Combined Ratio bemerkbar, die sich im Vergleich zum sehr guten Vorjahreswert um 9 Prozentpunkte auf 93,3% verschlechtert hat.

Swiss Re hat in den vergangenen Monaten auch Veränderungen im Management kommuniziert. So ist Japan-Chef Steve Arora an den Hauptsitz in Zürich gewechselt und hat dort auf Anfang Juli die Leitung des globalen Haftpflichtgeschäfts übernommen. Arora löste dabei als CEO Casualty Jayne Plunkett ab, die ebenfalls am 1. Juli die Leitung des Reinsurance-Geschäfts in der Region Asien übernommen hat. Gleichzeitig wurde Arora in seiner neuen Rolle ins Executive Committee der Sparte Reinsurance berufen. Der neue Japan-Chef heisst Atsuhiro Dodo.

Im Bereich Corporate Solutions wurde Axel Brohm zum neuen CEO Latin America ernannt. Brohm trat die Nachfolge von Ivan Gonzalez an, der das Lateinamerika-Geschäft für fünf Jahre leitete und nun Corporate Solutions North America führt.

AKTIENKURS: Die Aktien der Swiss Re haben seit Jahresbeginn kontinuierlich an Wert verloren. Der Kurs hat sich nach dem Brexit-Schock von Ende Juni nun bei über 80 CHF stabilisiert, liegt YTD aber immer noch mit beinahe 15% im Minus. Mit Blick auf die rekordtiefen Zinsen, den anhaltenden Preisdruck oder auch die diversen Unsicherheiten an den Finanzmärkten lassen die Anleger bei Swiss Re Vorsicht walten. Ein Kaufargument bleibt die nach wie vor grosszügige Ausschüttung.

Homepage: www.swissre.com

jl/mk

(AWP)