Ausblick Swiss Re: Quartalsgewinn bei 927 Mio USD erwartet

Zürich (awp) - Der Rückversicherer Swiss Re veröffentlicht am Donnerstag, 3. November, die Resultate zum dritten Jahresviertel 2016. Insgesamt haben sechs Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
02.11.2016 13:25
Q3 2016E
(in Mio USD)            AWP-Konsens     Q3 2015A 

Verdiente Prämien          8'229           7'849 
Reingewinn                   927           1'399 
Combined Ratio (in %)*      91,0            78,0 


Per 30.9.2016E                       31.06.2016A

Eigenkapital              36'260          35'811  

* Rückversicherungs-Geschäft

FOKUS: Analysten rechnen mit einem soliden Quartalsabschluss der Swiss Re, auch wenn der Reingewinn gegenüber der Vorjahresperiode rückläufig sein dürfte. Der Grund für diesen Rückgang hat mit den sehr guten Vorjahresergebnissen zu tun, die von einer sehr tiefen Schadenlast aus Naturkatastrophen sowie hohen Reservenauflösungen für Geschäft aus früheren Jahren begünstigt worden sind.

Die Rückversicherer hätten jedoch auch im dritten Quartal 2016 von ziemlich geringen Grossschäden profitiert, heisst es in Analystenkommentaren. Und auch die Schäden zum Hurrikan "Matthew", der Anfang viertes Quartal von der Karibik herkommend über die US-Ostküste gefegt war, seien milder als zunächst befürchtet ausgefallen.

Mit einem guten Quartalsabschluss und der nach wie vor sehr soliden Eigenkapitallage, steigen für die Investoren auch die Chancen, dass das für 2016 in Aussicht gestellte Aktienrückkaufprogramm wohl lanciert wird. Der Startschuss dazu könnte noch im November abgegeben werden und der Umfang kann sich bis zu einer Milliarde USD betragen.

ZIELE: In der Guidance orientiert sich Swiss Re an dem im vergangenen Jahr kommunizierten und über den Versicherungszyklus geltenden Renditeziel. Demnach soll die Eigenkapitalrendite die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um mindestens 700 Basispunkte übertreffen. In den Sparten P&C Re (Sachrückversicherung) und Corporate Solutions strebt die Swiss Re einen Wert zwischen 10 und 15% an, im Life&Health-Teil soll sich die Rendite zwischen 10 und 12% bewegen und bei Life Capital zwischen 6 und 8%. Gleichzeitig will die Gruppe das ökonomische Eigenkapital je Aktie jährlich um 10% steigern.

Anlässlich der Präsentation zum Ergebnis des ersten Quartals 2016 sah CFO David Cole die Gruppe gut kapitalisiert, um zu wachsen oder um allfällige Belastungen aus Grosskatastrophen zu absorbieren. Je nachdem, wie sich der Gewinn entwickle und welche Marktchancen sich böten, werde man aber wie versprochen überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückführen, so Cole. Derweil hatten die Aktionäre den Verwaltungsrat an der ordentlichen Generalversammlung erneut dazu ermächtigt, Aktien im Umfang von maximal 1 Mrd CHF zu kaufen.

PRO MEMORIA: Die Zerstörungen durch Hurrikan "Matthew", der Anfang Oktober auch Teile der US-Ostküste erfasst hatte, dürfte die Versicherungsbranche nach Schätzung von Experten eine Milliardensumme, insgesamt aber weit weniger als zunächst befürchtet kosten. Die auf Risikoanalysen spezialisierte CoreLogic bezifferte unmittelbar nach Abklingen des Sturmtiefs die versicherten Schäden an Wohn- und Gewerbegebäuden in den USA auf etwa 4 bis 6 Mrd USD. Betroffen waren vor allem die Bundesstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina, wo es zu Überschwemmungen und starkem Regen gekommen war.

Damit fällt die Schadensumme trotz starker Verwüstungen voraussichtlich deutlich geringer aus als von Experten zunächst befürchtet. Diese waren mit Blick auf den erwarteten Verlauf des Sturms von Schäden im Umfang von rund 15 bis 30 Mrd USD ausgegangen. Dabei hatten sie sich auf die Schadensumme von 15 bis 20 Mrd USD gestützt, die der Hurrikan Sandy 2012 ausgelöst hatte.

Ausgehend von einer groben Annahme eines Marktanteils von rund 10% schätzte die ZKB den Schaden für Swiss Re auf rund 400 bis 600 Mio USD, wobei es auch weniger sein könnte, hiess es. Solche Naturkatastrophenschäden seien von Swiss Re gut verkraftbar: Sie würden auch weiterhin in das aktuelle Naturkatastrophenbudget passen, das damit noch nicht ausgeschöpft sei.

Mitte Oktober hat Swiss Re Corporate Solutions mit dem brasilianische Versicherer Bradesco Seguros eine Vereinbarung zur Errichtung eines Joint Ventures unterzeichnet. Ziel des Gemeinschaftsunternehmens sei es, den grössten Versicher für kommerzielle Hochrisiken in Brasilien zu gründen, teilte der Rückversicherer mit. Bradesco Seguros, die Versicherungstochter des Konglomerats Bradesco Group, werde an Swiss Re Corporate Solutions Brasil Seguros (SRCSB) mit 40% und Swiss Re mit 60% beteiligt sein.

Im September traf sich die Versicherungsbranche in Monte Carlo zum "Rendez-Vous de Septembre". Dabei gaben die weltgrössten Anbieter Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück ihrer Hoffnung Ausdruck, dass der seit Jahren anhaltende Druck auf Rückversicherungstarifen bald zu einem Ende kommt. Mit Blick auf die Vertragserneuerungen im Januar wird mit einer Stabilisierung gerechnet. Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek sprach aber auch von einem "unverändert herausfordernden" Marktumfeld.

Der sogenannte "Soft Market" könnte bald der Vergangenheit angehören, die Wende sei "nicht allzu weit entfernt", zeigte sich der neue Swiss Re-CEO Christian Mumenthaler vor Medienvertretern optimistisch. Nach diversen Katastrophenschäden im zweiten Quartal dürfte sich der Preisrückgang in diesem Geschäft zumindest verlangsamen. Derweil werde im Property-Geschäft mit stabilen Preisen zu rechnen sein, während der Preisdruck im Haftpflicht-Teil nachlasse, hiess es.

In den Specialty Lines geht die Swiss Re in den verschiedenen Märkten und Geschäftsbereichen von unterschiedlichen Entwicklungen aus. Die stark wachsenden Schwellenländer dürften langfristig weiter zulegen. In der Motorfahrzeugrückversicherung könnten sich die Preise etwas "verfestigen", wobei sich der Trend steigender Schadenskosten im US-Motormarkt fortgesetzt habe. Immerhin sei langfristig mit einer abnehmenden Unfallfrequenz zu rechnen. Marktchancen sieht die Gruppe derweil etwa beim Zeichnen von massgeschneiderten Grossverträgen oder mit Blick auf technologische Entwicklungen.

AKTIENKURS: Die Aktien der Swiss Re weisen im laufenden Jahr eine negative Tendenz auf und haben sich seit Jahresbeginn um rund 6% verbilligt. Damit liegen die Titel aber immer noch besser im Trend als der Leitindex SMI, der bislang mehr als 10% verloren hat. Bei Swiss Re fällt die Aufholjagd der vergangenen Wochen auf, die den Titel von Kursen bei 80 CHF Anfang September über die Schwelle von 90 CHF zurückgeführt hat.

Homepage: www.swissre.com

jl/mk

(AWP)