Ausblick Swiss Re: Semestergewinn von 594 Millionen US-Dollar erwartet

Der Rückversicherer Swiss Re gibt am Mittwoch, 31. Juli, die Ergebnisse zum ersten Halbjahr 2019 bekannt. Insgesamt haben acht Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
30.07.2019 12:33
H1 2019E
(in Mio USD)            AWP-Konsens     H1 2018A

Reinergebnis               594          1'006

(in %)
Combined Ratio P&C        106,2          92,9
Combined Ratio CorSo      123,5         101,7


Per 30.6.2019E                        31.03.2019A
(in Mrd USD) 
Eigenkapital              29,3          30,2

FOKUS: Die Swiss Re dürfte im ersten Halbjahr einen deutlichen Gewinntaucher erlitten haben. Dem zweitgrössten Rückversicherer der Welt machten eine Reihe von Belastungen zu schaffen. Im Fokus des Interesses steht das Firmenversicherungsgeschäft Corporate Solutions (Corso), das seit geraumer Zeit das Sorgenkind der Swiss Re ist. Analysten rechnen hier mit einem Halbjahresverlust von mehreren hundert Millionen Dollar. Swiss Re-Konzernchef Christian Mumenthaler hatte bei der Vorlage der Quartalszahlen im Mai eine umfassende Überprüfung der Strategie und Aktivitäten der Geschäftseinheit angekündigt, die im zweiten Quartal abgeschlossen sein werde.

Die Swiss Re will vor allem das problematische Haftpflichtportfolio in den USA weiter verkleinern, das bereits im letzten Jahr stark gestutzt wurde. Das Geschäft habe aber noch Expositionen aus früheren Jahren, hatte Finanzchef John Dacey damals gesagt und eine Überprüfung der entsprechenden Reserven bei Corso angekündigt. Analysten rechnen nun mit einer Verstärkung der Reserven bei Corso in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar, was das Ergebnis massiv belasten wird. Zudem erwarten Analysten Aufschlüsse über die künftige Strategie unter dem neuen Corso-Chef Andreas Berger.

Im zweiten Quartal dürfte eine Reihe von durch Menschenhand verursachte Grossschäden auch auf das Ergebnis von Corso geschlagen haben. Zu diesen Schäden zählen unter anderem Unfälle in der Petrochemie beispielsweise in Kamerun oder Kuwait sowie Unfälle im Energiesektor (v.a. in den USA).

Zudem ist laut Analysten mit umfangreichen Schäden aus Naturkatastrophen zu rechnen. So wüteten im zweiten Quartal Tornados in den USA, Unwetter und Fluten in Kanada, Deutschland und Asien sowie Australien. Überdies verwüstete ein weiterer Zyklon Mosambik. Zudem dürften die Schäden durch den Taifun "Jebi", der im vergangenen September in Japan Zerstörungen hinterliess, nochmals gestiegen sein. Analysten rechnen mit einer Gesamtbelastung für die ganze Versicherungsbranche von 13 bis 16 Milliarden Dollar.

Dies dürfte zu einer Verschlechterung des Schaden-Kostensatzes (Combined Ratio) im Sach-Rückversicherungsgeschäft (P&C) führen, das im Vorjahr vergleichsweise wenige Katastrophenschäden tragen musste. Hinzu kommt, dass das Flugverbot für Maschinen des Typs Boeing 737 Max nach zwei Abstürzen in Äthiopien und Indonesien immer noch nicht aufgehoben ist. Bereits im ersten Quartals hatte dies mit 90 Millionen Dollar in der Sach-Rückversicherung der Swiss Re zu Buche geschlagen.

Zusammen mit anderen Versicherern ging die Swiss Re die Policen von Boeing durch, um abzuschätzen, wie viele Policen zur Auszahlung kommen könnten. Denn es könnten wegen des Groundings aller Boeing 737 Max-Maschinen noch Schadenersatzklagen von Airlines auf den amerikanischen Flugzeugbauer zukommen, hatte Finanzchef Dacey im Mai gesagt. Ein Ende des Flugverbots ist noch nicht in Sicht.

Auf der anderen Seite dürften die Gewinne in der Lebens- und Krankenrückversicherung gestiegen sein. Auch werde die Swiss Re vom Steigflug der Börsen im ersten Halbjahr profitieren, schätzen Analysten. Von Interesse dürfte auch das Ausmass der Preiserhöhungen bei den Juli-Erneuerungen sein.

Desweiteren wollen Analysten wissen, wie es mit ReAssure weitergeht, nachdem vor gut zwei Wochen der noch für diesen Monat geplante Börsengang in London auf Eis gelegt worden ist. Die Swiss Re begründete die Notbremsung mit den ungünstigen Marktbedingungen wegen der gestiegenen Zurückhaltung grosser institutioneller Investoren. In Anlegerkreisen hatte man auf einen Geldsegen durch den Börsengang gehofft, was die Chance auf eine zweite Tranche des Aktienrückkaufprogramms in Höhe von 1 Milliarde Dollar erhöht hätte. Diese Hoffnungen haben nun einen Dämpfer erhalten.

ZIELE: Konkrete Jahresziele gibt die Swiss Re traditionellerweise nicht aus. Aufgrund der erfolgreichen Vertragserneuerungen seit Jahresbeginn bleibe man auch für das Sach-Rückversicherungsgeschäft optimistisch, hatte Konzernchef Mumenthaler im Mai erklärt. Bei der Firmenversicherung gehe man die ungenügende Leistung an. Die Swiss Re misst die Leistung anhand mittelfristiger Ziele: Die Gruppe will über den Versicherungszyklus mit der Eigenkapitalrendite den risikofreien Zinssatz zehnjähriger US-Staatsanleihen um mindestens 700 Basispunkte übertreffen.

PRO MEMORIA: Die Swiss Re hat im ersten Quartal 2019 mit 429 Millionen US-Dollar weniger verdient als noch vor Jahresfrist (457 Mio Dollar). Eine Reihe von Grossschäden belasteten die Rechnung, während die Hausse an den Finanzmärkten den Gewinnrückgang abfederte. Das führte dazu, dass sich der Kosten-Schadensatz (Combined Ratio) im Sach-Rückversicherungsgeschäft (P&C) auf 110,3 Prozent verschlechterte nach 92,0 Prozent im vergleichsweise schadenarmen ersten Quartal 2018. Der Gewinn im Sach-Rückversicherungsgeschäft stürzte auf 13 Millionen ab von 345 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Die Firmenversicherungssparte erlitt durch mittlere und grosse von Menschen angerichteten Schäden einen Verlust von 55 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 41 Millionen im Vorjahr. Zu den Belastungen zählte auch der Fall der Boeing 737 Max.

Im Gegensatz zu den anderen Sparten glänzte die Leben- und Krankenrückversicherung: Mit dem Schub durch die weltweite Börsenhausse konnte die Einheit einen Rekordgewinn von 328 Millionen Dollar einfahren nach 201 Millionen im Vorjahr. Das Volumen konnte die Swiss Re derweil im ersten Quartal steigern: Die verdienten Nettoprämien wuchsen konzernweit um 5,5 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar.

AKTIENKURS: Die Aktien von Swiss Re haben seit Jahresbeginn um 7,1 Prozent auf 96,56 Franken (Freitag) zugelegt. Damit hinken die Titel deutlich hinter dem Gesamtmarkt her. Denn der Leitindex SMI hat in der gleichen Zeit gut 18 Prozent an Wert gewonnen.

yl/jb

(AWP)

 

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