Ausblick Swiss Re: Semestergewinn von durchschnittlich 1,38 Mrd USD erwartet

Der Rückversicherer Swiss Re gibt am Freitag, 4. August die Resultate zum ersten Semester 2017 bekannt. Insgesamt haben sechs Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
03.08.2017 14:00
H1 2017
(in Mio USD)              AWP-Konsens     H1 2016

Verdiente Prämien           15,419        16'118        
Reinergebnis                 1'384         1'866        
Combined Ratio P&C (in %)     96,9          97,2        
Combined Ratio CorSo (in %)   99,4         101,6        


Per 30.6.2017E            AWP-Konsens    31.03.2017
(in Mrd USD) 
   
Eigenkapital                  34,5          35,1        

FOKUS: Im Halbjahresergebnis dürfte der Zyklon Debbie nochmals seine Spuren hinterlassen haben. Analysten führen ihn als Hauptgrund für ihre relativ tiefen Prognosen an. Im Schnitt rechnen sie mit einem Ergebnis, das 25,8% unter dem Vorjahr liegt. Bekanntlich hat der australische Sturm der Swiss Re im ersten Quartal Kosten von rund 350 Mio USD verursacht.

Im weiteren Verlauf des ersten Halbjahrs seien hingegen weitere Grossereignisse ausgeblieben, wird unisono betont. So gelten zum Beispiel die Waldbrände in Portugal und der Computervirus Wanna Cry in den Augen des ZKB-Experten nicht als Rückversicherungsfälle. Kleinere Naturereignisse seien jedoch für das zweite Quartal üblich und hätten wohl ihre Spuren hinterlassen, heisst es anderswo.

Ein besonderes Augenmerk werden die Experten auf die Eigenkapitalrendite werfen, die im ersten Quartal unter die langfristige Zielvorgabe des Managements rutschte und die zum Teil - neben dem Debbie-Effekt - auch als Folge des unbefriedigenden Preisumfelds gilt. Laut dem Experten von Kepler Cheuvreux dürfte allerdings erst die Hurrikan-Saison Klarheit schaffen, ob die branchenweite Preiserosion weitergeht oder nicht.

Auch beim Prämienvolumen dürfte sich laut den Experten der aktuelle Preiskampf zeigen. Im Schnitt gehen sie von einem 4,3% tieferen Prämienvolumen aus. Für die April-Sachversicherungs-Erneuerungsrunde hatte das Management im Mai bekannt gegeben, dass das zu erneuernde Volumen nur um 2% zurückgegangen sei. Nun dürften News zur Juli-Erneuerungsrunde folgen.

Die Halbjahreszahlen sind für die Experten in diesem Jahr besonders interessant, weil der Rückversicherer für das erste Quartal erstmals weniger Details als früher bekanntgeben hatte. Swiss Re kommuniziert für die Zwischenquartale Q1 und Q3 nur noch die wichtigsten Eckwerte der Gruppe und für die vier Sparten (P&C Re, L&H Re, Corporate Solutions und Life Capital) in einer Medienmitteilung. Auf die Veröffentlichung von ausführlicheren Quartalsberichten und Investorenpräsentationen wird verzichten

ZIELE: Swiss Re will auch künftig Kapital selektiv in jenen Geschäftsteilen einsetzen, die in dem von Preisdruck geprägten Marktumfeld profitables Wachstum versprechen. Überschüssiges Kapital, das nicht in das operative Geschäft investiert wird, soll an die Aktionäre zurückfliessen.

Die langfristigen Geschäftsziele lauten: Mit der Eigenkapitalrendite will die Swiss Re den risikofreien Zinssatz zehnjähriger US-Staatsanleihen um mindestens 700 Basispunkte übertreffen. Und das ökonomische Eigenkapital je Aktie soll jährlich mit 10% wachsen.

PRO MEMORIA: Anfang Juli haben Swiss Re und der chinesische Versicherer Ping An & Casualty Insurance gemeinsam eine Versicherungslösung zum Schutz vor Taifun-Risiken entwickelt, die auf Mobilfunkgeräten angewendet werden kann. Über das Handy kann man die Versicherung abschliessen und allfällige Schadenfälle abwickeln sowie Informationen zu aufkommenden Unwetter abrufen.

Die Sparte Corporate Solutions hat Anfang Juli das mit dem brasilianischen Versicherer Bradesco Seguros vereinbarte Joint Venture vollzogen. Die im Oktober 2016 angekündigte Transaktion hatte das Ziel, den grössten Versicherer für kommerzielle Hochrisiken in Brasilien zu gründen.

Laut einer im Juni publizierten Studie zählen die Begrenzung des Marktzugangs und die von Land zu Land unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen kurzfristig zu den grössten Herausforderungen für die Versicherungsindustrie. Grosses Risikopotenzial gehe zudem in den kommenden drei Jahren auch von der Rückkehr der Inflation sowie der sich aus Cloud-Anwendungen ergebende Risikokumulierung aus, hiess es im alljährlich publizierten Sonar-Bericht. Dieser beleuchtet zwanzig neu aufkommende Risiken, die schwer zu quantifizieren sind und welche die Rück- und Versicherungswirtschaft auf ihrem Radar haben sollte.

Swiss Re vereinte im Mai in der Region Asien-Pazifik das "Property & Casualty"-Underwriting-Geschäft (P&C) in einem Hub. Geleitet werde dieser von Sharon Ooi als Head P&C Underwriting Asien, Australien und Neuseeland, hiess es damals. Die Gründung eines einzigen Hubs soll helfen, die Kunden effizienter zu bedienen mit Fokus auf profitables Wachstum innerhalb der Region.

AKTIENKURS: Die Swiss-Re-Valoren gehören bei den Blue Chips zu den Titeln mit deutlich unterdurchschnittlicher Performance seit Anfang Jahr. Die Jahresbilanz ist nach wie vor leicht negativ. Allerdings hat sich der Kurs in den letzten Wochen wieder vom Jahrestief entfernt und notiert wieder über der 90-CHF-Marke.

Homepage: www.swissre.com

yl

(AWP)