Ausblick Swisscom: 9-Monatsumsatz von durchschnittlich 8,65 Mrd CHF erwartet

Zürich (awp) - Die Telekommunikationsanbieterin Swisscom publiziert am Donnerstag, 3. November, die Neunmonatszahlen 2016. Insgesamt haben acht Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
02.11.2016 13:50
9Mte 2016E

(in Mio CHF)    AWP-Konsens    9 Mte 2015A   

Nettoumsatz        8'651         8'651         
EBITDA             3'311         3'099         
EBIT               1'679         1'554         
Reingewinn         1'169         1'058         


Q3 2016E

(in Mio CHF)    AWP-Konsens     Q3 2015A   

Nettoumsatz        2'882         2'893       
EBITDA             1'084           966        
EBIT                 544           449         
Reingewinn           380           274         

FOKUS: Die Analysten erwarten im Schnitt für die ersten neun Monate einen Umsatz auf Vorjahreshöhe und einen deutlich höheren operativen Gewinn auf Stufe EBITDA. Der Vergleich beim Betriebsgewinn ist jedoch verzerrt, weil im Vorjahr im dritten Quartal eine Rückstellung von 186 Mio CHF für eine Kartellbusse getätigt wurde. Wird dieser Effekt abgezogen, hätte sich der EBITDA verringert.

An den eigentlichen Geschäftstrends hat sich laut den Analysten zuletzt wenig geändert. Sie sehen den Umsatz in der Schweiz unverändert unter Druck, wobei sich im dritten Quartal - und damit im Sommerferien-Quartal - wohl vor allem tiefere Roamingtarife negativ auswirkten. Generell ist der Mobilfunkbereich im Fokus, weil die Konkurrenz seit geraumer Zeit aggressiver auftritt. Wie immer interessiert, ob dies die Swisscom als dominante Marktführerin mit einem Anteil von um die 60% zu spüren bekam.

Zum Halbjahr vermochte das Italien-Geschäft den Umsatzrückgang in der Schweiz zu kompensieren. Eine offene Frage ist, ob dies auch im dritten Quartal so war. Generell interessieren die Entwicklungen in Italien, weil der dortige Markt in Bewegung ist. Allenfalls könnte Swisscom vom Markteintritt von Iliad profitieren. Ausserdem arbeitet sie nun enger mit Telecom Italia zusammen: Sie greift für ihre Mobilfunkangebote auf das Netz von Telecom Italia zurück; ausserdem haben die beiden Unternehmen ein Joint Venture zum gemeinsamen Ausbau des Breitbandnetzes (Fiber to the Home) abgeschlossen.

Ein Update wird zu den geplanten Sparmassnahmen erwartet. Die Kostenbasis soll bekanntlich bis 2020 um 300 Mio CHF gesenkt werden. Kostenoptimierungen seien notwendig, weil hohen Investitionen sinkenden Einnahmen gegenüberstünden, begründete CEO Urs Schaeppi den Schritt im Februar. Davon sollen 2016 rund 50 Mio CHF realisiert werden - auch über einen Stellenabbau. Im Rahmen des Sparprogramms fielen im ersten Halbjahr laut CFO Mario Rossi 291 Vollzeitstellen weg. Im Februar war ein Abbau von 700 Stellen für das Gesamtjahr angekündigt worden.

Eine Überraschung wäre es, wenn das Management an den Jahreszielen Änderungen vornähme. Diese wurden erst zum Halbjahr leicht angepasst.

ZIELE: Wegen eines Sondereffektes in Italien (Zahlung von 55 Mio EUR von Telecom Italia) sowie wegen höherer Investitionen in die Breitbandnetze in der Schweiz passte Swisscom zum Halbjahr die Prognosen für 2016 an. Nun wird ein EBITDA von rund 4,25 Mrd CHF erwartet (bisher: rund 4,2 Mrd). Auch die Investitionen werden mit "rund 2,4 Mrd CHF" (bisher: über 2,3 Mrd) leicht höher gesehen. Unverändert bleiben das Umsatzziel ("über 11,6 Mrd") und das Dividendenversprechen von 22 CHF pro Aktie bei Erreichen der Ziele.

PRO MEMORIA: Im Oktober haben sich die drei Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt auf eine Senkung der Mobilterminierungsgebühren (MTR) geeinigt. Swisscom rechnet in Folge der Anpassungen künftig mit einem rund 50 Mio CHF tieferen Umsatz, der jedoch auch mit reduzierten Kosten in ähnlicher Höhe einhergehe.

Die Swisscom will ihr Auslandsengagement nicht unmittelbar ausweiten. "Wir haben derzeit nicht die Absicht, ausserhalb der Schweiz andere Unternehmen zu erwerben, oder eigene Niederlassungen zu eröffnen", erklärte Swisscom-CEO Urs Schaeppi kürzlich in einem Zeitungsinterview.

Im September schaltete Swisscom den neuen Übertragungsstandard "G.fast" live. Die Technologie erlaubt es, hohe Bandbreiten von bis zu 500 Mbit/s rasch und kostengünstig auszubauen.

Erst kürzlich gab es einen Rückschlag für das Swisscom-Ringier-SRG-Werbe-Joint-Venture Admeira. Der Verband Schweizer Medien (VSM) und verschiedene Medienunternehmen seien berechtigt, gegen die Beteiligung der SRG an Admeira gerichtlich vorzugehen, urteilte das Bundesverwaltungsgericht. Damit geht die Sache zurück an das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Dieses hatte einen entsprechenden Antrag des Verbands und von Medienunternehmen Ende Februar 2016 abgewiesen.

Anfang Oktober lüftete der Fussballverband den Schleier über das neue Rechte-Abkommen mit der Swisscom-Tochter Cinetrade. Demnach kassiert die Swiss Football League 40 Mio CHF und damit 70% mehr als bisher.

Im September hat sich der Ständerat mit der Frage befasst, ob die Swisscom privatisiert werden soll. Entscheiden musste er jedoch nicht: Ruedi Noser (FDP/ZH) zog seine im Ständerat chancenlose Motion am Ende zurück. Damit war der Vorstoss erledigt. Der Nationalrat wird sich dennoch mit der Frage befassen: In der grossen Kammer ist eine gleichlautende Motion von Natalie Rickli (SVP/ZH) hängig.

Der Start des Onlinemarktplatzes Siroop von Swisscom und Coop ist laut Swisscom-Chef Urs Schaeppi "über den Erwartungen" verlaufen, wie er Ende September sagte.

Nur wenige Tage zuvor hatte der Bundesrat seinen Vorschlag zur Revision des Fernmeldegesetzes präsentiert. Der Bundesrat will die Roamingpreise begrenzen und missbräuchliche Werbeanrufe bekämpfen. Daran hat er nach der Vernehmlassung festgehalten. Neu will er jedoch das Fernmeldegesetz in einem statt in zwei Schritten revidieren.

AKTIENKURS: Die Swisscom-Aktien haben seit Anfang Jahr rund 10% verloren und notieren bei etwa 450 CHF im Bereich des Jahrestiefs. Kurse von über 500 CHF waren im laufenden Jahr nur zu Jahresbeginn und im Frühling zu sehen.

Homepage: www.swisscom.ch

jl/rw

(AWP)