Ausblick Swisscom: Halbjahresumsatz von 5,69 Mrd CHF erwartet

Die Telekommunikationsanbieterin Swisscom gibt am Donnerstag, 17. August, die Resultate zum ersten Halbjahr 2017 bekannt. Insgesamt sechs Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.
16.08.2017 14:00
H1 2017E
(in Mio CHF)   AWP-Konsens    H1 2016A    

Umsatz            5'693         5'769           
EBITDA            2'138         2'227           
EBIT              1'081         1'135           
Reingewinn          749           789           

FOKUS: Die Analysten gehen im Schnitt von einem 1,3% tieferen Umsatz und 4,0% tieferen Betriebsgewinn (EBITDA) aus. Unter dem Strich wird ein um 5,1% tieferer Reingewinn erwartet. Ein Hauptgrund für den überproportional rückläufigen EBITDA im Vorjahresvergleich ist ein Sondereffekt: So hatte die Italientochter Fastweb damals im Rahmen einer aussergerichtlichen Einigung in einem Rechtsstreit mit Telecom Italia eine Entschädigung von 55 Mio EUR erhalten.

Abgesehen davon richtet sich das Hauptinteresse darauf, ob der härtere Wettbewerb und auch neue eigene Produkte in den Resultaten Spuren hinterlassen haben. So wurde im April die neue Produktpalette "inOne" lanciert, welche laut einigen Experten einen negativen Effekt auf die durchschnittlichen Einnahmen pro Kunde haben könnte. Es gilt zudem als unsicher, ob damit so viele neue Kunden angezogen wurden, um die Einbussen bei der Festnetztelefonie auszugleichen. Auch im Mobilfunkbereich könnte das breit beworbene Billigangebot Wingo die Margen geschmälert haben.

CEO Urs Schaeppi hatte diese Sichtweise Ende Juni selber befeuert. Die Marktdynamik sei im zweiten Quartal "ähnlich wie in den Vormonaten" gewesen, hatte er damals der FuW gesagt. Der Markt sei "in allen Bereichen gesättigt".

Abgesehen davon richtet sich der Fokus auf die Zahlen der Italientochter Fastweb, die mit einem klaren Wachstum für das Erreichen des Jahres-Umsatzzieles eine wichtige Rolle spielt (siehe Ziele).

Ein Update wird zu den geplanten Sparmassnahmen erwartet. Die Kostenbasis soll bekanntlich bis 2020 um 300 Mio CHF gesenkt werden. Konkret sollen im laufenden Jahr bis zu 500 Stellen gestrichen werden. Laut den Angaben fielen im ersten Quartal 92 Vollzeitstellen weg.

An den Zielen für das Gesamtjahr werden wohl eher keine Retuschen vorgenommen. Analysten verweisen allerdings darauf, dass der gegenüber dem Franken stärkere Euro bei den Fastweb-Ergebnissen einen positiven Translationseffekt zur Folge haben dürfte.

ZIELE: Für das Geschäftsjahr 2017 peilt die Swisscom einen Umsatz von rund 11,6 Mrd CHF (VJ 11,64 Mrd) und ein EBITDA von rund 4,2 Mrd CHF (VJ 4,29 Mrd) an. Die Investitionen sollen sich auf rund 2,4 Mrd CHF belaufen (2016: 2,42 Mrd). Ausserdem wird eine unveränderte Dividende von 22 CHF je Aktie versprochen, sollten die Ziele erreicht werden.

Wie das Management verschiedentlich ausführte, wird im Schweizer Kerngeschäft wegen der Festnetzlaute, Roamingeffekten und allgemeinem Preisdruck mit einem rückläufigen Umsatz gerechnet. Mehreinnahmen erhoffen sich die Swisscom-Chefs auf der anderen Seite von Fastweb.

PRO MEMORIA: Im Frühling krempelte die Swisscom ihre Produktpalette für Privatkunden um. Neu gibt es keine vorgegebenen Kombiangebote mehr, vielmehr können die Kunden die Bestandteile der sogenannten Bündel aus unterschiedlichen Internet-, Festnetztelefonie-, Mobilfunk- und TV-Angeboten zusammenstellen.

Unter Druck ist das Unternehmen im Fernsehbereich wegen der Live-Sportrechte. Die Eidg. Wettbewerbskommission (Weko) vermutet zwar ein Foul der Kabelnetzbetreiberin UPC an der Swisscom bei der Übertragung von Schweizer Eishockeyspielen im Bezahl-TV, vorsorgliche Massnahmen wurden aber keine getroffen.

In der Geschäftsleitung von Swisscom kam es im Juni zu einer Änderung. Christian Petit, Leiter des Geschäftskundensegments, verliess das Unternehmen. Sein Nachfolger wurde Urs Lehner.

Im Mai kündigte Swisscom das Aus für die Gratis-Messenger-App iO an. Die Kunden benutzten heute vor allem WhatsApp, hiess es zur Begründung.

Ebenfalls im Mai erhielt die Swisscom die Grundversorgungskonzession für den Zeitraum von 2018 bis 2022. Die Neuvergabe kam wenig überraschend. Swisscom war die einzige Interessentin.

Die italienische Wettbewerbsbehörde hat im Juli fünf Betreibern von Telekommunikationsnetzen eine Geldbusse von insgesamt 9 Mio EUR auferlegt. Darunter auch Fastweb. Grund dafür seien illegale Geschäftspraktiken, welche die Verbraucher geschädigt hätten.

AKTIENKURS: Die Swisscom-Aktie schwankt seit dem letzten Herbst in einer Bandbreite von rund 50 Franken um den Kurs von 450 CHF. Derzeit notiert der Kurs mit knapp 480 CHF am oberen Ende dieser Spanne.

Homepage: www.swisscom.ch

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(AWP)