Ausblick Syngenta: Q3-Umsatz von durchschnittlich 2,58 Mrd USD erwartet

Zürich (awp) - Das Agrochemieunternehmen Syngenta präsentiert am Dienstag, 25. Oktober, die Umsatzzahlen zum dritten Quartal 2016. Insgesamt haben fünf Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
24.10.2016 14:03
Q3 2016

(in Mio USD)        AWP-Konsens    Q3 2015

Umsatz                2'584         2'616          
-EMEA                   503           509          
-Nordamerika            394           390          
-Lateinamerika        1'215         1'233             
-Asien/Pazifik          343           349          
-Lawn & Garden          139           135          

FOKUS: Die Finanzzahlen des Agrochemiekonzerns stellen nach Ansicht von Analysten auch diesmal lediglich einen Nebenschauplatz dar. Angesichts der Übernahmeofferte von ChemChina dürften die am Dienstag publizierten Neunmonatsumsätze von Syngenta keinen starken Einfluss auf den Aktienkurs haben, sind sich Marktbeobachter einig. Seit dem 23. März können Syngenta-Papiere den Chinesen angedient werden; diese bezahlen 465 USD je Anteil und legen eine Sonderdividende von 5 CHF je Anteil obendrauf.

Trotzdem notieren die Syngenta-Papiere aktuell mit einen Abschlag von fast 10% zur ChemChina-Offerte. Im Abschlag zum Angebotspreis kommt laut Marktteilnehmern das Risiko zum Ausdruck, der Deal könnte noch scheitern. Die wichtigste regulatorische Hürde wurde aber schon genommen.

Am 22. August winkte nämlich die US-Behörde CFIUS, das Committee on Foreign Investment in the United States, den Deal durch. Das CFIUS prüft, ob Verkäufe amerikanischer Unternehmen an ausländische Investoren die nationale Sicherheit gefährden.

Zuletzt hatte ChemChina die Frist zur Andienung von Syngenta-Aktien ein drittes Mal verlängert - diesmal bis zum 8. November. Die Chinesen sind weiterhin zuversichtlich, den Deal bis Ende Jahr unter Dach und Fach zu bringen. Ein Ziel, dass von Analysten inzwischen als ambitioniert angesehen wird.

Die Zurückhaltung der Investoren liest sich auch an der per 2. September gemeldeten Andienungsquote ab: Bis zu diesem Datum seien den Chinesen rund 17,9 Mio Anteile inklusive American Depositary Shares (ADSs) angedient worden. Syngenta hat mehr als 92 Millionen Aktien ausstehend. Bedingung für das Zustandekommen der Übernahme ist, dass ChemChina mindestens 67% der Anteile angedient werden.

Eine Entscheidung der EU-Kartellwächter zur Übernahme des Agrarchemiekonzerns ist bis zum 28. Oktober zu erwarten. Analysten erwarten am Dienstag daher vor allem ein Update zum Übernahmeprozess. Aber auch zur Finanzierung. Denn laut dem chinesischen Wirtschaftsmagazin "Caixin" fehlen ChemChina für die geplante Übernahme der Basler bis zu 15 Mrd USD. Syngenta bekräftigte hingegen, die Finanzierung sei garantiert.

Zu den Zahlen: Der Branche macht seit geraumer Zeit der Gegenwind von der Währungsseite und die tiefen Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu schaffen. Bereits seit längerer Zeit leidet auch Syngenta unter schwachen Geschäften in der Landwirtschaft. Denn wenn die Landwirte weniger Ertrag erwarten, müssen diese auf ihre Kosten achten. Die eher verhaltenen Zahlen des Mitbewerbers Monsanto dürften einen Fingerzeig für die Entwicklung bei Syngenta gegeben haben.

Wichtig ist im dritten Quartal das Geschäft auf der Südhalbkugel, und hier vor allem Lateinamerika. Gewinnzahlen publiziert das Unternehmen zum dritten Quartal üblicherweise nicht.

ZIELE: Auf die zweite Jahreshälfte blickte Syngenta zuletzt mit Zuversicht: In Asien/Pazifik und Europa, Afrika und dem Mittleren Osten rechne man mit zweistelligen Wachstumsraten, hiess es im Juli mit den Halbjahreszahlen. Den Rückstand auf 2015 kann das Unternehmen allerdings nicht wettmachen: Der ausgewiesene Umsatz werde in diesem Jahr um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zurückgehen.

Dank Einsparungen aber werde man die EBITDA-Marge "etwa" auf dem Vorjahresniveau halten. Zudem soll der Free Cashflow auf über 1 Mrd USD steigen. Mit 335 Mio war dieser das erste Mal seit 2011 im ersten Halbjahr positiv.

PRO MEMORIA: Im Vorfeld der Quartalszahlen berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf einen Sprecher der EU-Behörde, dass die Frist für frühe Zugeständnisse des Konzerns am vergangenen Freitag abgelaufen sei. Nun könne die Behörde die Transaktion entweder ohne Auflagen durchwinken oder aber eine vertiefte Untersuchung einleiten, die bis zu fünf Monate dauert, heisst es. Syngenta selbst sieht unterdessen einen konstruktiven Dialog mit den EU-Behörden, wie das Unternehmen am Montag in einer Stellungnahme schreibt.

Syngenta machte in den letzten Monaten vor allem mit Management-Wechseln von sich reden. So hat etwa Finanzchef John Ramsay nach einer 32-jährigen Karriere beim Agrochemiekonzern den Hut genommen, sein Nachfolger wurde Mark Patrick.

Der Abgang des Schotten Ramsay kam nicht ganz überraschend. Dieser hatte bis Juni diesen Jahres während rund neun Monaten auch als CEO ad interim gewirkt, nachdem Mike Mack im Oktober 2015 sein Amt niedergelegt hatte. Doch Ramsay wollte das Tagesgeschäft bei Syngenta auch definitiv leiten. Stattdessen ernannte Syngenta aber im Sommer den Amerikaner Erik Fyrwald zum neuen CEO.

Am 1. Oktober kam es auch zu einem Wechsel auf dem Posten des Head Corporate Affairs. Auf Jonathan Seabrook folgte Mark Titterington. Seabrook verliess Syngenta nach mehr als 13 Jahren. Ebenfalls per Anfang Oktober wurde die seit dem Sommer vakante Position Leiterin Human Resources mit Laure Roberts wieder besetzt.

Ein weiterer gewichtiger Abgang wurde am 20. September kommuniziert: Chief Operating Officer (COO) Davor Pisk wird sich Ende Oktober nach 31 Jahren bei Syngenta aus dem Unternehmen zurückzuziehen. Pisk war seit 2008 als einer von zwei COOs bei Syngenta für die Regionen Asien/Pazifik und Nordamerika verantwortlich. Sein Nachfolger wird Jeff Rowe - aber neu in der Position des "President" - eine neue Funktion im Unternehmen. Vom COO zum President "umfunktioniert" wurde auch Jon Parr.

AKTIENKURS: Dieser hatte im Sommer vom "OK" der US-Behörden etwas Rückenwind erhalten und ist bis auf 433,50 CHF angestiegen. Heute Montag brach die Aktien nach der Publikation eines Medienberichtes, wonach die EU-Wettbewerbsbehörde ChemChina keinerlei Zugeständnisse bei der Übernahme gemacht habe, auf 390 CHF ein. Mit einer Performance von rund +1% schneidet die Aktie in diesem Jahr aber immer noch besser ab als der Gesamtmarkt SMI (-8%)

www.syngenta.com

ab/ra/dm

(AWP)