Ausblick UBS: Quartalsergebnis von durchschnittlich 730 Mio CHF erwartet

Zürich (awp) - Die UBS veröffentlicht am Freitag, 29.Juli, das Geschäftsergebnis zum ersten Quartal 2016. Zum AWP-Konsens haben insgesamt fünf Analysten beigetragen.
28.07.2016 14:13
Q2 16
(in Mio CHF)           AWP-Konsens   Q1 16    Q2 15 

Geschäftsertrag          7'017       6'833    7'818      
Konzernergebnis            730         707    1'209      

Gewinn vor Steuern:
- Konzern                1'114         978*   1'759      
- Investment Bank          344         253      551      
- Wealth Management (WM)   678         557      756      
- WM Americas              223         211      191      

* adjusted 1'366 Mio

FOKUS: Das zweite Quartal 2016 dürfte laut Marktbeobachtern wie bereits das erste Jahresviertel als ein sehr schwieriges in die Geschichte der Grossbanken eingehen. Die grossen Institute leiden weiterhin massiv unter der Zurückhaltung ihrer Kunden und entsprechend geringen Transaktionsvolumen. Dazu kommen weiterhin hohe Kosten und immense Ausgaben zur Bewältigung von Altlasten, die das Ergebnis schmälern. Zwar haben sich die Ergebnisse bei den US-Banken, die zumeist ihre Zahlen bereits vorgelegt haben, im Vergleich zum ersten Quartal stabilisiert oder zumindest nicht weiter verschlechtert. Ob das für die UBS allerdings ein gutes Signal ist, muss sich zeigen.

Bei den US-Banken hat sich nämlich vor allem der Anleihenhandel verbessert, während der Aktienhandel weniger positiv abgeschnitten hat. Die UBS ist aber vor allem in letzterem stark. Ausserdem sind die Handelsvolumen in der Region Asien, wo die UBS zu den wichtigsten Instituten gehört, vor allem im Vorjahresvergleich massiv zusammengebrochen. Dies wiederum dürfte sich auch auf das Ergebnis in der Vermögensverwaltungssparte (Wealth Management) klar negativ auswirken. Die ZKB fasst die Situation in ihrem Ausblick auf die Zahlen treffend zusammen: "Die UBS steckt- wie die meisten Grossbanken - weiter in der Zwickmühle zwischen einer dem Marktumfeld geschuldeter Ertragsflaute, renitenten Kostenblöcken, hohen Rechtskosten, steigenden Kapitalanforderungen und Investoren, die auf üppige Dividenden spekulieren."

Besonders im Fokus wird angesichts der Flaute bei den Transaktionsvolumen die Kostenentwicklung stehen. Viele Analysten würden im Hinblick auf die weitere Entwicklung gerne zusätzliche Sparprogramme sehen. Ob die Bank sich dazu durchringen mag, muss sich aber zeigen. Konzernchef Sergio Ermotti hatte noch im Mai verlauten lassen, dass er zusätzliche drastische Kostenschnitte für falsch halte. Die aktuellen Marktverhältnisse mit sehr risikoscheuen Kunden und darum geringeren Einkünften im Handel stellten zwar die neue Normalität dar. Zusätzlich drakonische Sparmassnahmen einzuleiten, sei jedoch keine Option, da man damit "das Kinde mit dem Bade ausschütten" würde. Die Bank wolle nämlich so sparen, dass es nicht zu einer Belastung werde, wenn sich die Marktsituation verbessere (Details zum aktuellen Sparprogramm siehe Rubrik Pro Memoria).

Für viele Investoren ist die UBS(-Aktie) weiterhin vor allem auch eine "Dividendenstory", auch wenn sie diesbezüglich in den letzten Monaten enttäuscht wurden und der Aktienkurs entsprechend stark darunter gelitten hat. Nach einer Dividende von insgesamt 85 Rappen im Vorjahr (inkl. 25 Rappen Spezialdividende) war der Markt anfänglich von einem mindestens gleichhohen Betrag für dieses Jahr ausgegangen. Im Mai hiess es, dass weiterhin mehr als 50% des Gewinns ausgeschüttet würden, wobei die ordentliche Dividende grundsätzlich gesteigert werden soll. Was das genau für das laufende Jahr bedeutet, wollte CFO Kirt Gardner damals allerdings nicht sagen. Und CEO Ermotti fügte an: "Unsere Dividendenpolitik ist sehr klar. Aber am Ende des ersten Quartals können wir noch nicht sagen, wie hoch die Dividende für das Gesamtjahr ausfallen wird." Analysten schliessen daraus, dass die Dividende für 2016 eher nicht höher sein wird als die 60 Rappen (ordentliche Dividende) vom letzten Jahr.

ZIELE: Die UBS hat sich zusammen mit der Ankündigung des grossen Umbaus im November 2012 neue Ziele gesetzt. Diese wurden schon ein paar Mal - zuletzt im November - angepasst und lauten aktuell für den Konzern:

. Bereinigtes Aufwand-Ertrags-Verhältnis: 60%-70% (kurz- bis mittelfr. 65-75%)
. Bereinigte Rendite auf Eigenkapital abzüglich Goodwill und anderer 
   immaterieller Vermögenswerte (RoTE): Ziel >15%, 
    (Erwartung: 2016 etwa gleich wie 2015; 2017 rund 15%, ab 2018 >15%)
. CET1-Quote (Basel III vollständige Umsetzung): 13% (und 10% post-stress)
. RWA gemäss Basel III: kurz bis mittelfristig rund 250 Mrd CHF
. BIZ Leverage Ratio Denominator (Basel III vollst.): kurz/mfr. 950 Mrd CHF erw.

PRO MEMORIA:

KAPITAL: Die Bankführung unter CEO Ermotti kündigte vor ein paar Jahren an, dass die Gewinnausschüttungsquote bei 50% oder darüber zu liegen komme, sobald die Kapitalziele (CET-1 vollst. Umsetzung: 13% bzw. 10% post-stress) erreicht seien. Aus diesem Grund wird die Entwicklung der Kapitalquote seither intensiv verfolgt. Per Ende März 2016 lag der Wert bei 14,0%, dies nach 14,5% per Ende 2015 bzw. 13,4% Ende 2014. Klar in den Fokus gerückt ist in den letzten Quartalen allerdings die sogenannte Leverage Ratio (LR), also die ungewichtete Eigenkapitalquote. Der Bundesrat hat im vergangenen Herbst die Eigenmittelanforderungen für systemrelevante Banken im Zusammenhang mit neuen "Too-big-to-fail"-Bestimmungen bezüglich LR deutlich verschärft. Die zuletzt von der UBS in den Vordergrund gerückte SRB-Leverage Ratio (SRB = Systemically relevant Banks) lag Ende März bei 5,4%.

EINSPARUNGEN: Anfang Mai bei Vorlage der Q1-Zahlen hatte Konzernchef Ermotti trotz der anhaltend schwierigen Marktverhältnisse am laufenden Sparprogramm festgehalten. Dieses sieht eine Reduktion der Kostenbasis bis Ende 2017 von 2,1 Mrd CHF vor (im Vgl. zu Kostenbasis 2013; Stand Ende Q1 1,2 Mrd, Ende H1 1,4 Mrd erwartet). Zusammen mit den Quartalszahlen wurden damals Kosteneinsparungen im Bereich Wealth Management von "Hunderte von Millionen" angekündigt. Man plane einen Umbau, um Synergien besser zu nutzen. Zentrale Ressourcen sollen global und divisionsübergreifend genutzt werden, hiess es in einem Mail an die Mitarbeiter. Denn um künftig Investitionen tätigen zu können, müsse die Kostenbasis kontrolliert werden. Ende Juni hatte die Bank diverse Abgänge in der Führung der Investment Bank (IB) bekannt gegeben, die ebenfalls zumindest teilweise im Zusammenhang mit Sparbemühungen stehen dürften. IB-Chef Andrea Orcel sprach damals in einem Memo an die Belegschaft von einem "perfekten Sturm" aus Herausforderungen und Veränderungen in Bezug auf Regulation, Wettbewerber und Märkte. Diese Situation führe zu "gewaltigem Druck" auf die Bank-Industrie und das Bank-Geschäft.

JURISTISCHES: Die Grossbank hat weiterhin diverse Altlasten und hat per Ende Q1 2016 total 2,88 Mrd CHF an Rückstellungen für Rechtsfälle sowie regulatorische und ähnliche Angelegenheiten ausgewiesen. Damit sank die Gesamtsumme gegenüber Ende 2014 (3,05 Mrd) nur marginal. Die Höhe der Rückstellungen macht klar, dass die Bank noch immer mit Altlasten beschäftigt ist. Ein bedeutender, noch offener Fall ist etwa Frankreich: Ende März 2015 war dort gegen die französische UBS-Tochter offiziell ein Ermittlungsverfahren eröffnet worden. Hintergrund sind bereits seit Jahren laufende Untersuchungen, ob UBS Frankreich Kunden beim Steuerbetrug geholfen hat. Nun tritt die Sache gemäss Medienberichten in die heisse Phase. Bis zum 4. August könne die Grossbank zum 126-seitigen Bericht des französischen Untersuchungsrichters in dieser Sache Stellung nehmen, schrieb etwa die "Handelszeitung" letzte Woche, wobei eine aussergerichtliche Einigung als ausgeschlossen gelte. Ein allfälliger Prozess würde gemäss Angaben, die AWP aus Frankreich erhalten hat, "wahrscheinlich" im ersten Quartal 2017 starten. Gemäss schon einige Monate alten französischen Medienberichten droht der grössten Bank im Fall einer Verurteilung eine Busse von bis zu 5 Mrd EUR. Die UBS wehrt sich vehement gegen die Anschuldigungen und spricht von einem politischen Prozess.

Involviert ist die Bank ausserdem offenbar auch in den Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. Die Finanzaufsichtsbehörde Singapurs (MAS) stellte bei der UBS, aber auch bei weiteren europäischen Instituten und asiatischen Instituten Kontrollmängel fest, wie sie letzte Woche mitteilte. Die Ermittlungen um den Staatsfonds beschäftigen Behörden rund um den Globus bereits seit Monaten. Bei dem Fonds waren Milliardenbeträge verschwunden oder auf ausländische Bankkonten mit unbekannten Eigentümern abgeflossen. Gegen 1MDB laufen daher in mindestens sechs Ländern Geldwäscherei-Untersuchungen. "Im vorliegenden Fall hat UBS von sich aus die verdächtigen Transaktionen gemeldet", betonte ein Sprecher der Grossbank letzte Woche gegenüber AWP. Die Bekämpfung komplexer internationaler Finanzkriminalität sei "ausserordentlich anspruchsvoll". "Wir verstärken konstant unsere umfassenden Prozesse zur Bekämpfung von Geldwäscherei", so das Statement.

AKTIENKURS: Die UBS-Aktie liegt beim gegenwärtigen Kurs von 13,61 CHF (Stand Mittwoch 13 Uhr) rund 30% tiefer als zum Jahresende 2015 (vs. CS -43%, SMI -6%). Das aktuelle Jahrestief von 11,58 CHF stammt vom 6. Juli, das bisherige Höchst bei 19,32 CHF war bereits am 5. Januar erzielt worden. 2015 hatte die UBS-Aktie mit einem Plus von 14,4% (CS -8,4%, SMI -1,8%) zu den besseren Werten gehört.

Homepage: www.ubs.com

hr/uh

(AWP)