Ausblick Zurich: Sinkende Nichtleben-Prämien nach neun Monaten erwartet

Die Zurich Insurance Group wird am Donnerstag, den 9. November, Zahlen zu den ersten neun Monaten 2017 publizieren und sich dabei erstmals in einem Zwischenquartal - wie angekündigt - auf Angaben zur Entwicklung des Geschäftsvolumens beschränken. Gewinngrössen oder Angaben zur Combined Ratio wird der Erstversicherer keine ausweisen. Dagegen stehen nebst den Umsatzzahlen auch noch Angaben zum firmeneigenen Kapitalmodell, dem Zurich Economic Capital Model (Z-ECM), auf dem Programm.
08.11.2017 14:00

Von Analysten liegen AWP nur vereinzelt Schätzungen und Kommentare zum bevorstehenden Zahlenausweis vor. ZKB-Analyst Georg Marti zum Beispiel geht im grössten Segment, dem Nichtlebengeschäft, trotz laufender Restrukturierung von einer stabilen Entwicklung aus. Nachdem die Zurich für das Gesamtjahr 2017 ein Nichtlebenvolumen in etwa auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt habe und das erste Quartal schwach ausgefallen sei, sei in der Folge mit einer quartalsweisen Verbesserung zu rechnen. In der Lebensversicherung dürfte die Zurich für die Neugeschäfts-Kennzahlen Steigerungen kommunizieren, erwartet Marti.

Stefan Schürmann von der Bank Vontobel rechnet im Nichtleben-Teil nach neun Monaten mit einem Rückgang der gebuchten Bruttoprämien in einer Grössenordnung von 2,3% auf 25,2 Mrd USD (VJ 25,7 Mrd). In der Lebensparte dürfte sich derweil das Neugeschäftsvolumen (APE), das sich auf einem soliden Wachstumspfad befinde, um 3,4% auf 3,66 Mrd (VJ 3,54 Mrd) erhöht haben. Dies bei einer geschätzten Neugeschäftsmarge von 20,2% (VJ 19,3%), so der Vontobel-Experte.

KOSTENPROGRAMM IM FOKUS

Den Fokus legen die Analysten auf mögliche weitere Fortschritte im Rahmen des laufenden Kosteneffizienzprogramms. Der Konzern zielt darauf ab, bis 2019 Einsparungen im Umfang von 1,5 Mrd USD zu erzielen - ausgehend vom Niveau von 2015. Im vergangenen Jahr hatte die Zurich bereits 300 Mio eingespart und im laufenden Jahr waren es bis im Juni 550 Mio.

Als weiteres zentrales Geschäftsziel gilt das Erreichen einer Eigenkapitalrendite von über 12%. Ausserdem soll mit dem Z-ECM ein Wert im Bereich von 100-120% erzielt werden.

HOHE EINMALIGE KOSTEN

Im laufenden Jahr wird die Profitabilität der Zurich von verschiedenen einmaligen Ereignissen belastet sein. Da wäre einerseits eine regulatorische Anpassung in Grossbritannien. Die britische Regierung hatte im Februar den Diskontsatz (Ogden-Rate) gesenkt, der zur Berechnung von Personenschäden- und Unfallforderungen herangezogen wird. Dies hat zur Folge, dass das Ergebnis 2017 der Zurich mit 290 Mio USD belastet wird.

Andererseits schätzt die Gruppe die Nettoschäden aus den Hurrikanen "Harvey", "Irma" und "Maria" auf 700 Mio USD. Die Kosten fallen unter Berücksichtigung von Rückversicherungsleistungen und vor Steuern an und belasten die Rechnung des dritten Quartals, wie die Zurich Mitte Oktober bekanntgab. Nach Abzug von Steuern rechnet der Konzern mit einer Belastung in Höhe von rund 620 Mio.

Die Zurich sieht sich jedoch unter Berücksichtigung der hohen Schäden weiterhin gut kapitalisiert. Es werde erwartet, dass die Verluste keinen materiellen Einfluss auf die Kapitalstärke und die finanzielle Flexibilität des Konzerns haben werden, betonte der Versicherer.

Im August wurde überdies bekannt, dass die Zurich im Rahmen der Neuorganisation am Hauptsitz Mitarbeitende entlassen wird. Davon betroffen sind Funktionen im Bereich Finanzen und Controlling, wie ein Mediensprecher einen Bericht des Internet-Portals "Finews" bestätigte. Wie viele Stellen gestrichen werden, konnte der Sprecher nicht sagen, ein Kahlschlag werde es aber nicht geben.

AKTIE LEICHT UNTER JAHRESHOCH

An der Börse haben die Zurich-Papiere im laufenden Jahr knapp 8% dazugewonnen, währendem der Leitindex SMI um 13% in die Höhe geklettert ist. Die Aktien haben dabei Anfang November bei 306 CHF ein neues Jahreshöchst erreicht und liegen aktuell mit 302 CHF nur leicht darunter. Auf diesem Niveau hatten sie zuletzt im Sommer 2015 gestanden.

mk/an

(AWP)