Grossbanken - Credit Suisse: Quartalsverlust von 265 Millionen Franken erwartet - Kommt es zu personellen Rochaden?

Dass die Credit Suisse morgen Mittwoch einen Verlust präsentieren muss, scheint klar. Interessant sind die möglichen Folgen.
26.04.2022 16:15
Logo am Hauptsitz der Credit Suisse in Zürich.
Logo am Hauptsitz der Credit Suisse in Zürich.
Bild: Bloomberg

Spätestens seit der Gewinnwarnung vom vergangenen Mittwoch ist klar, dass die CS mit einem hohen Quartalsverlust in das neue Jahr startet. Auf dem Resultat lasten massive Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten aber auch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine.

Belastet wird das Quartalsergebnis zudem durch das generell verschlechterte Geschäftsumfeld. Dazu kommt die laufende Reorganisation und die Aufgabe von Geschäftsfeldern in der Folge des Archegos-Debakel.

Massiver Ertragsrückgang erwartet

Analysten erwarten einen massiven Rückgang der Erträge im Vergleich zum sehr starken Vorjahresquartal. Aufgrund der kurzen Vorlaufszeit wurden nur wenige Schätzungen im Vorfeld der Quartalszahlen aktualisiert.

Ebenfalls nicht ausgeschlossen werden personelle Veränderungen in der Geschäftsleitung in der Folge der nicht abreissenden Negativnachrichten: Laut Medienberichten vom Wochenende sollen die Posten des Chefjuristen aber auch des Asien-Pazifik-Chefs und des Finanzchefs auf der Kippe stehen.

Die Credit Suisse hat für das erste Quartal 2022 einen Verlust angekündigt. Eine Erhöhung der Rechtsrückstellungen belaste das Ergebnis um 600 Millionen Franken, insgesamt werde die Gesamtrückstellung für Rechtsstreitigkeiten etwa 700 Millionen betragen.

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs beeinträchtigten das Ergebnis durch negative Erträge und Rückstellungen für Kreditverluste mit rund 200 Millionen Franken. Das Ergebnis werde auch von Verlusten um die Allfunds-Beteiligung belastet (350 Mio). Teilweise ausgeglichen würden die Verluste durch aufgelöste Rückstellungen in Bezug auf Archegos (170 Mio) und Immobiliengewinne (160 Mio).

20 Prozent verloren

Der CS-Aktienkurs gehört auch im laufenden Jahr zu den schwächsten Titeln an der Schweizer Börse. Seit Jahresbeginn haben die Aktien der Grossbank knapp 20 Prozent verloren.

Zwar haben auch weitere Finanztitel wie etwa Partners Group oder Julius Bär ähnliche Abgaben hinnehmen müssen, die Titel der Konkurrentin UBS notieren allerdings seit Anfang Jahr knapp im Plus. Bereits im insgesamt guten Börsenjahr 2021 waren die CS-Titel mit einem Minus von 22 Prozent klar schwächste Titel im SMI gewesen.

Neue Ziele und Geschäftsbereiche

Mit der Präsentation einer neuen Gruppenstrategie im November 2021 hatte die CS auch neue Ziele sowohl für die Gruppe wie für die neuen Geschäftsbereiche formuliert.

  • Für die Investmentbank ist eine Reduktion des Kapitals um über 3 Milliarden US-Dollar (-25 Prozent) von 2021 bis 2022 vorgesehen, dies infolge des Ausstiegs aus dem "Prime Services"-Geschäft. Dagegen werde in Geschäftsbereiche investiert, die Wettbewerbsvorteile ausweisen, oder beratungsorientiert und weniger kapitalintensiv sind.
  • Die Wealth Management-Division soll mit einer Zuteilung von rund 3 Milliarden Franken bis 2024 gestärkt werden (+25 Prozent). Das Kundengeschäftsvolumen soll bis 2024 auf etwa 1,6 Billionen Franken und die verwalteten Vermögen auf rund 1,1 Billionen Franken gesteigert werden. Zudem sollen höhere wiederkehrende Erträge von mehr als 1 Mrd Franken erzielt werden. Dazu kommen zusätzliche "Wachstumsinvestitionen" wie die Einstellung von rund 500 zusätzlichen Kundenberaterinnen und -beratern und die Zunahme von Investitionen in Technologie um rund 60 Prozent bis 2024.
  • Die Einheiten Wealth Management, Swiss Bank und Asset Management sollen 2022 zwei Mal zudem so viel Kapital zugeteilt erhalten als die Investment Bank (heute 1,5x).
  • Die Rendite auf dem materiellen Eigenkapital soll für die Gruppe bis 2024 mehr als 10 Prozent betragen. Angestrebt wird zudem ein bereinigtes Aufwand-Ertrag-Verhältnis von rund 70 Prozent. In allen vier Divisionen sollen "Wachstumsinvestitionen" in Höhe von 1-1,5 Mrd pro Jahr getätigt werden. Diese sollen durch strukturelle Kosteneinsparungen finanziert werden.
  • Die Quote des harten Kernkapitals (CET1) soll bis 2024 mehr als 14 Prozent betragen, die Leverage Ratio des harten Kernkapitals (CET1) wird bei rund 4,5 Prozent angepeilt.
  • 2022 sollen die Aktionäre eine Reingewinn-Ausschüttung von rund 25 Prozent erhalten - entsprechende Markt- und Wirtschaftsbedingungen vorausgesetzt.

Die Credit Suisse hat bewegte Monate hinter sich. Ein Überblick: 

Auf der Anklagebank und in den Medien

Die Credit Suisse ist im März von einem Gericht auf den Bermudas zu einer Zahlung von "möglicherweise mehr als 500 Millionen US-Dollar" verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann angefochten werden, was die CS "mit Nachdruck" zu tun gedenke, wie es hiess. Bei dem Rechtsstreit geht es um Lebensversicherungspolicen von Bidzina Ivanishvili. Der ehemalige georgische Regierungschef und Milliardär, der ein Kunde des wegen Betrugs verurteilten Genfer CS-Beraters Patrice Lescaudron war, soll laut dem Gerichtsurteil ab 2005 über eine Milliarde Dollar über die CS investiert haben.

Die CS soll über Jahre Autokraten, Drogendealer sowie mutmassliche Kriegsverbrecher und Menschenhändler als Kunden akzeptiert haben. Das berichteten im Februar mehrere Medien aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den USA im Februar unter dem Titel "Suisse Secrets". Sie beriefen sich dabei auf ihnen zugespielte Bankunterlagen, die allerdings offenbar teilweise Jahrzehnte zurückreichten. Die CS hatte wegen der Enthüllungen interne Untersuchungen angekündigt.

Im Februar sass die Credit Suisse auf der Anklagebank vor dem Bundesstrafgericht wegen ihrer Beziehungen zu einem kriminellen bulgarischen Netzwerk. Neben der Grossbank und einer ihrer Anlageberaterinnen waren zwei Bulgaren und ein ehemaliger Angestellter der Bank Julius Bär angeklagt.

Die Bundesanwaltschaft (BA) warf der Credit Suisse und den Mitangeklagten vor, zwischen 2004 und 2008 Gelder für die Bande gewaschen zu haben, die einen grossangelegten Kokainhandel betrieb. Die Credit Suisse hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und gab sich auch von der Unschuld ihrer ehemaligen Mitarbeiterin überzeugt. Ein Urteil in dem Prozess steht noch immer aus.

Neue Organisation, neue Köpfe

Mitte Januar war der erst seit dem April 2021 amtierende CS-Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório per sofort von seinem Posten zurückgetreten. Der Abgang erfolgte nach wochenlangen Berichten über Verstösse von Horta-Osório gegen Corona-Quarantäne-Auflagen in der Schweiz und in Grossbritannien. Zum Nachfolger an der CS-Spitze ernannte der CS-Verwaltungsrat den ehemaligen UBS-Banker Axel Lehmann, der seit Anfang Oktober 2021 im CS-Verwaltungsrat Einsitz hat. An der Generalversammlung vom 29. April wird dagegen der Vizepräsident und Roche-CEO Severin Schwan nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Auch Kai Nargolwala, langjähriger Vorsitzender des Vergütungsausschusses, und der als Horta-Osório-Vertrauter geltende Juan Colombas haben auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Per Anfang 2022 hat sich die CS eine neue Strategie und ein neues Organisationsmodell gegeben. Die Bank hat die zuvor auf drei Divisionen verteilte Vermögensverwaltung wieder in einer Geschäftseinheit zusammen gelegt. Neu umfasst die CS die vier Divisionen "Wealth Management", "Investment Bank", "Swiss Bank" und "Asset Management". Zum neuen Leiter der Division "Wealth Management" wurde Franceso de Ferrari ernannt. Im Rahmen einer Matrix-Organisation umfasst die CS neben den vier Divisionen auch die vier Regionen Schweiz, EMEA, Asien Pacific (APAC) und Americas.

Greensill hallt nach

Das Debakel um die "Greensill-Fonds" dürfte die CS noch lange beschäftigen. Die Grossbank musste Anfang März 2022 die Schliessung und Liquidierung ihrer mit der inzwischen insolventen Greensill Capital geführten "Lieferketten-Finanzierungs-Fonds" (Supply Chain Finance Funds SCFF) bekannt geben.

Von den Fondsvermögen von ursprünglich rund 10 Milliarden Dollar hat die CS laut jüngsten Angaben vom April mittlerweile 7,3 Milliarden Dollar einsammeln können. An die Investoren in die vier Greensill-Fonds sind daraus bisher 6,75 Milliarden Dollar ausgezahlt worden. Einen internen Untersuchungsbericht zum Greensill-Debakel will die CS nicht veröffentlichen.

(AWP)