Wo Sherlockianer einander an die Gurgel gehen

Das Phänomen Sherlock Holmes wird 130 Jahre alt. 1887 erschien die Geschichte seines ersten Falls: "Eine Studie in Scharlachrot". Die deutsche Sherlock-Holmes-Gesellschaft pilgerte aus diesem Anlass nach Meiringen. Dort stürzte Holmes zu Tode. Oder doch nicht?
31.10.2017 11:28

Sherlock Holmes und der Bösewicht Moriarty gehen einander an die Gurgel. Sie ringen und fauchen am Rand der Reichenbach-Fällen, und dann ... lassen sie lachend voneinander ab. Dies ist keine neue Verfilmung der legendären britischen Detektivgeschichten. Hier gehen sich zwei Mitglieder der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft an den Kragen.

Warum? "Elementar, mein lieber Watson", würde Sherlock sagen, so, als müsse er seine geniale Kombinationsgabe mal wieder unter Beweis stellen. Denn an den Wasserfällen bei Meiringen fand die dramatische Begegnung zwischen Holmes und Moriarty statt. Hier stürzten die Figuren nach der Erzählung "Das letzte Problem" in die Tiefe. Der Besuch dort ist für eingefleischte Sherlockianer ein Muss.

In diesem Jahr hatte die Sherlock-Holmes-Gesellschaft bei ihrer Reise nach Meiringen Mitte September einen besonderen Kranz dabei: Sie gedenkt des genialen Detektivs 130 Jahre nach Erscheinen des ersten Falls und hängt das Gebinde feierlich ans Gestein. "A Study in Scarlet" erschien im Magazin "Beeton's Christmas Annual", irgendwann im November 1887.

Die ganze Truppe ist in viktorianischer Kleidung unterwegs. "Es ist faszinierend, so eine historische Figur zu begleiten", sagt Olaf Maurer, Präsident der Gesellschaft und seines Zeichens Sherlock Holmes. Der Exportmanager aus Ludwigshafen war schon als Junge von Kriminaltechnik begeistert. Dann kam als Pflichtlektüre Sherlock Holmes in der Schule: "Ab diesem Zeitpunkt hing ich am Haken."

Er hat natürlich Pfeife und Vergrösserungsglas dabei und trägt einen Deerstalker, die Jagdmütze mit Nacken- und Augenschirm, sowie das Inverness-Cape. So wurde Sherlock Holmes in frühen Illustrationen dargestellt. "Das habe ich mir nach historischen Vorlagen schneidern lassen" sagt er.

Der Dinanzbuchhalter Stephan Wailersbacher alias Watson hat sich Knickerbocker und Weste im viktorianischen Stil nähen lassen. Er gibt den Watson auch gerne im Schottenrock. So ein Aufzug ist in den Büchern zwar nicht erwähnt, aber schliesslich war Watson Schotte.

Zur Gesellschaft gehören in Meiringen gut ein Dutzend Leute in historischen Kostümen. Darunter sind die Glücklichs. Nicole, Informatikerin aus Ottweiler im Saarland, Mutter Inge als Sherlocks Vermieterin Mrs. Hudson und Silvia, Verlagsangestellte aus Basel.

Nicole Glücklich näht vieles selbst. "Wir haben drei Kleiderschränke voll Klamotten zu Hause", sagt sie. Und ein viktorianisch eingerichtetes Zimmer. Nicole und Silvia haben 2016 viktorianisch Hochzeit gefeiert. Sherlock und Watson waren Trauzeugen.

(SDA)