WWF und Pro Natura fechten Walliser Abschussbewilligung für Wolf an

Die Umweltschutzverbände WWF und Pro Natura fechten die Abschussbewilligung des Kantons Wallis für einen Wolf an. Nach Ansicht der Verbände wird das Überleben des dritten Wolfsrudels in der Schweiz aufs Spiel gesetzt.
17.06.2016 16:37

Es sei höchst wahrscheinlich, dass die seit vergangenem Jahr als Paar lebenden Wölfe F14 und M59 ein Rudel gebildet haben, teilten WWF und Pro Natura am Freitag gemeinsam mit. Im Zeitraum zwischen dem 1. April und dem 31. Juli befänden sich die Wolfsjungen noch in der Wurfhöhle.

Ein Abschuss der Wolfsmutter oder des Wolfsvaters zu dieser Zeit würde den sicheren Tod der Jungtiere bedeuten. Sie argumentieren weiter, dass im Falle eines Rudels nicht mehr der Kanton Wallis, sondern das Bundesamt für Umwelt (BAFU) für die Frage eines Abschusses zuständig wäre.

Der Wolfsbestand in der Schweiz stehe immer noch auf unsicheren Beinen. Das mögliche dritte Rudel sei deshalb wichtig für das Überleben der Wölfe in der Schweiz. Die Umweltschutzverbände fordern den Kanton Wallis vielmehr dazu auf, sich auf die Umsetzung der Herdenschutzmassnahmen zu konzentrieren.

Zwar seien in den vergangenen Jahren auch in der Augstbordregion Fortschritte im Herdenschutz erzielt worden. Die hohe Anzahl der nicht für die Abschussbewilligung berücksichtigten Risse zeige jedoch, dass die Mehrheit der Nutztiere nach wie vor ungeschützt sei.

Damit werde immer noch eine Spezialisierung der Wölfe auf Nutztiere provoziert, die wiederum den Herdenschutz gefährde. Der WWF und Pro Natura fordern aufschiebende Wirkung für ihre Beschwerde. Über die aufschiebende Wirkung sowie den Rekurs selber entscheidet in erster Instanz die Walliser Kantonsregierung.

Die beiden Umweltschutzverbände hatten bereits eine Abschussbewilligung vom vergangenen September für einen Wolf aus den gleichen Gründen einer möglichen Rudelbildung angefochten. Nach der Ablehnung der Beschwerde ist ein Weiterzug beim Walliser Kantonsgericht hängig.

Bislang gibt es in der Schweiz im Calanda-Massiv im Kanton Graubünden sowie im Morobbia-Tal im Tessin ein Wolfsrudel. Das Wallis hatte die Abschussbewilligung am Dienstag erteilt, nachdem zwischen April und Anfang Juni insgesamt 50 Schafe und Ziegen gerissen worden waren.

In der betroffenen Region konnten mittels DNA-Analysen drei Wölfe nachgewiesen werden. Zum einen handelt es sich um den Wolf M59 und die Wölfin F14, die gemeinsam unterwegs sind und ein Rudel im Wallis wahrscheinlich erscheinen lassen.

Zum anderen hielt sich das Weibchen F16 in der Region auf, das 2015 im Mittelwallis nachgewiesen wurde und sich über ein weitläufiges Territorium bewegen dürfte.

(SDA)