Zahlungen von Pharma- an Gesundheitsbranche werden übersichtlicher

Jährlich zahlen Pharmafirmen Millionen von Franken an Ärzte und Spitäler. Ein Teil dieser Zahlungen wird von den Unternehmen freiwillig offengelegt. Konsumentenschützer haben die Daten dazu neu aufbereitet, damit sich die Geldflüsse einfacher nachvollziehen lassen.
15.08.2017 13:15

Im Sommer 2016 gaben 59 Pharmaunternehmen erstmals bekannt, welche Zahlungen sie im Vorjahr an Ärzte, Spitäler oder Forschungsinstitute getätigt hatten. Auslöser für diese Offenlegung war eine Transparenzinitiative der Pharmabranche. In der Schweiz ist der Verband Scienceindustries für den sogenannten Pharma-Kooperations-Kodex zuständig.

Bereits vor einem Jahr wurde Kritik an der unübersichtlichen Darstellung der Daten laut. Journalisten des Magazins "Beobachter" und des deutschen Recherchenetzwerks "Correctiv" bereiteten die Zahlungsinformationen deshalb in einer Datenbank neu auf. Dank einer Suchfunktion konnten interessierte Konsumenten herausfinden, ob etwa zu ihrem behandelnden Arzt entsprechende Zahlungsinformationen vorlagen.

Nun haben die Medikamentenfirmen inzwischen die Zahlen für das Jahr 2016 publiziert. Im vergangenen Jahr hätten Pharmaunternehmen rund 155 Millionen Franken an die Gesundheitsbranche überwiesen, schreibt die Stiftung für Konsumentenschutz in einer Medienmitteilung vom Dienstag.

Die Kritik an der Offenlegung bleibt dieselbe: Die Pharmabranche versuche, diese Daten in unbrauchbarer Form zu veröffentlichen. Die Zahlungsinformationen würden so publiziert, dass sie für Laien schwer verständlich und unauffindbar seien, schreibt die Stiftung. Ein Gesamtüberblick werde verunmöglicht.

Zudem seien die Daten nicht vollständig, da Zahlungen nur dann veröffentlicht würden, wenn die Empfänger damit einverstanden seien. Dies liegt zwar in der Natur der Sache, da es sich bei der Transparenzinitiative um eine freiwillige Selbstregulierungsmassnahme der Branche handelt. Gleichzeitig bleiben deshalb die Empfänger von fast der Hälfte aller Zahlungen, nämlich rund 70 Millionen Franken, anonym.

Die Zeitschrift Beobachter und das Netzwerk "Correctiv" haben deshalb zusammen mit der Stiftung für Konsumentenschutz die Daten über Pharmageld, das an Ärzte, Spitäler und Gesundheitsorganisationen bezahlt wurde, erneut aufbereitet und ausgewertet.

Auf der Website des Konsumentenschutzes kann mittels Suchfunktion abgefragt werden, welche Person oder Organisation 2016 von welchen Pharmaunternehmen wie viel Geld entgegengenommen hat.

Gerade im Gesundheitswesen seien intransparente Geldflüsse besonders problematisch, schreibt der Konsumentenschutz. Er fordert, dass die Zuwendungen durch den Bund reguliert werden. Zuwendungen für Anwendungsbeobachtungen und andere Konstrukte, welche in erster Linie Marketing-Zwecke erfüllten, müssen zudem verboten werden.

http://www.konsumentenschutz.ch

(SDA)