Zehntausende nach Beben in Sichuan in Sicherheit gebracht

Am Tag nach dem Erdbeben in der südwestchinesischen Provinz Sichuan haben die Behörden zehntausende Menschen in Sicherheit gebracht, darunter aus einem beliebten Nationalpark. Beim Beben waren mindestens 19 Personen getötet und 250 verletzt worden.
09.08.2017 15:43

Das erste Beben der Stärke 6,5 ereignete sich am Dienstag gegen 21.20 Uhr Ortszeit. Sein Zentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS 284 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Chengdu in nur zehn Kilometern Tiefe.

Es traf den Bezirk Jiuzhaigou, eine Region, in der sich einer der berühmtesten Nationalparks des Landes befindet. Der Park mit seiner Seenlandschaft ist UNESCO-Welterbestätte und bei Touristen sehr beliebt.

Die Erschütterungen waren Berichten zufolge noch in hunderten Kilometern Entfernung zu spüren. Seitdem wurden mehr als 1000 Nachbeben gemessen, von denen das mächtigste eine Stärke von 4,8 hatte.

Bilder in den sozialen Netzwerken und in den staatlichen Medien zeigten aufgerissene Bergstrassen, zerstörte Häuser sowie gigantische Erdrutsche, die sich Schneisen durch die Bergwälder bahnen. Autos stürzten in Schluchten oder wurden von herabfallenden Felsbrocken zerschmettert. Rettungsteams gruben teils mit blossen Händen in den Trümmern nach Überlebenden.

Am Tag nach dem Beben war das ganze Ausmass der Zerstörung weiter unklar. Die bergige Region ist schwer zugänglich. Von den Behörden erlassene Reisebeschränkungen erschwerten einen unabhängigen Überblick. Der chinesische Katastrophenschutz hatte zunächst mit bis zu 100 Toten gerechnet, doch schienen sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet zu haben.

Ausländische Reisende kommen eher selten in das abgelegene und dünn besiedelte Gebiet, in dem die Erde öfters bebt. Unter den Leichtverletzten seien aber auch ein Mann aus Frankreich und eine Frau aus Kanada, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Vielen Bewohnern in Sichuan steckt noch das schwere Beben von 2008 in den Knochen, bei dem 87'000 Menschen getötet oder vermisst wurden. Damals waren zehntausende Gebäude eingestürzt, darunter auch tausende Schulen. Unter den Toten waren mehr als 5000 Schüler.

Als nun erneut die Erde bebte, brach bei vielen Menschen Panik aus. Auf Bildern in sozialen Netzwerken waren Menschenmassen auf den Strassen zu sehen, wo Trümmerteile verstreut lagen.

Zehntausende Besucher des Nationalparks von Jiuzhaigou verbrachten die Nacht zwischen karstigen Felsen, malerischen Seen und Wasserfällen im Freien. Allein dort starben gemäss Xinhua fünf Personen. Bis Mittwoch wurden demnach fast alle der mehr 30'000 Besucher in Sicherheit gebracht.

Chinas Präsident Xi Jinping rief zu "umfassenden Anstrengungen" auf, um schnell Hilfsmassnahmen zu organisieren und die Verletzten zu versorgen. Mehr als 1200 Helfer, Dutzende Spürhunde und vier Helikopter waren im Einsatz. Zudem seien Hunderte Soldaten und medizinisches Personal ins Erdbebengebiet entsandt worden, meldete Xinhua.

In den Berggegenden im Westen und Südwesten Chinas gibt es regelmässig Erdbeben. Bei einem Bergrutsch, der durch schwere Regenfälle vor dem Beben in der Provinz Sichuan passierte, kamen im Dorf Gengdi 25 Personen ums Leben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Mehr als 2000 Kilometer weiter nordwestlich erschütterte am Mittwochmorgen ein weiteres Beben die Region Xinjiang. Seine Stärke betrug laut USGS 6,3. Es habe mindestens zwei Nachbeben der Stärken 5,2 und 5,3 gegeben.

Laut Xinhua wurden 32 Menschen verletzt und mehr als 1000 Gebäude beschädigt. Die unter anderem an Kasachstan grenzende Region ist kaum besiedelt.

(SDA)