Zehntausende Südafrikaner fordern Präsident Zuma zum Rücktritt auf

Bei landesweiten Demonstrationen haben Zehntausende Südafrikaner Präsident Jacob Zuma zum Rücktritt aufgerufen. Die Demonstrationen folgten am Freitag auf die Entlassung des international angesehenen Finanzministers Pravin Gordhan.
07.04.2017 14:04

Nach dessen Absetzung vergangene Woche hatte eine Ratingagentur Südafrika-Anleihen auf "Ramschniveau" abgestuft. Die Landeswährung Rand brach ein.

"Zuma muss gehen", riefen die Menschen in mehreren Grossstädten. Demonstranten klagten über Mangel an Arbeitsplätzen und die schlechte Wirtschaftslage.

Allein in Johannesburg folgten rund 10'000 Anhänger der oppositionellen Demokratischen Allianz (DA) einem Aufruf von Parteichef Mmusi Maimane. Zu den Demonstranten gehörten auch mehrere hundert Bewohner der vor allem von Weissen bewohnten wohlhabenden Viertel im Norden der Stadt, was ungewöhnlich ist.

Demonstrationen gab es am Freitag auch in Durban und Kapstadt. In Pretoria organisierte die Kommunistische Partei, ein historischer Verbündeter von Zumas regierendem Afrikanischen Nationalkongress (ANC), einen Protestmarsch zum Präsidentenpalast, an dem sich auch diverse Nichtregierungsorganisationen beteiligten.

"Heute ist erst der Anfang", sagte Maimane. Es würden noch viele weitere Proteste folgen. Die Kundgebungen verliefen zunächst friedlich. Danach ging die Polizei mit Gummigeschossen und Tränengas gegen die Menschenmassen vor, wie örtliche Medien berichteten.

Am 18. April steht im Parlament ein Misstrauensvotum gegen Zuma an. Der ANC rief seine Mandatsträger bereits dazu auf, das Misstrauensvotum zurückzuweisen. Die Partei verfügt mit 249 von 400 Mandaten über eine starke Mehrheit in der Volksversammlung.

Der 74-jährige Zuma, der seit 2009 Präsident ist, steht wegen einer ganzen Reihe von Korruptionsskandalen seit langer Zeit in der Kritik. Die Beliebtheit des ANC, der seit dem Ende der Apartheid 1994 ununterbrochen in Südafrika an der Macht ist, hat unter Zuma zuletzt stark gelitten.

Bei der Kommunalwahl im August kam die Partei des legendären ersten schwarzen Präsidenten Nelson Mandela nur noch auf 53 Prozent der Stimmen und verlor wichtige Bürgermeisterämter an die Opposition.

Das Wachstum der neben Nigeria grössten Volkswirtschaft Afrikas war im vergangenen Jahr auf 0,3 Prozent gesunken. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist arbeitslos.

(SDA)