Zugflotte für Simplon- und Gotthardachse komplett

Die Flotte von 19 Neigezügen, welche auf der Simplon- und Gotthardachse verkehren, ist nun komplett. Die letzten vier ETR-610 Züge sind an die SBB ausgeliefert worden. Diese hatte für das Zugmodell auch Kritik einstecken müssen.
08.03.2017 17:00

Die letzten vier Züge seien 2015 nachbestellt worden und mittlerweile alle einsatzbereit, teilte die SBB am Mittwoch mit. Hergestellt wurden die Züge von Alstom im italienischen Savigliano.

Die SBB verfüge damit nun über 19 Neigezüge des Typs ETR 610 - die übrigen sieben Züge gleichen Typs seien im Besitz der Trenitalia.

Die Züge verkehren als Eurocity auf der Gotthard- und Simplonachse bis Mailand. Gerade auf der Nord-Süd-Verbindung zwischen Zürich und Mailand handelte sich die SBB bei diesem Modell Kritik durch den Fahrgastverband Pro Bahn Schweiz ein.

Die Triebzüge ETR 610 seien nicht viel zuverlässiger als ihre Vorgänger, die ETR 470, so Pro Bahn Schweiz Präsident Kurt Schreiber auf Anfrage. Ihm seien neben Verspätungen verschiedene technische Mängel, unter anderem bei den Toiletten, von Fahrgästen gemeldet worden.

Die SBB wollte diesen Vorwurf nicht gelten lassen - die Bordtoiletten hätten "Verfügbarkeitswerte", welche im normalen Rahmen seien, so ein Sprecher. Eine Abweichung zu anderen Flotten gebe es nicht.

Pro Bahn Schweiz hatte ausserdem bereits 2012 die Bestellung der Züge bei Alstom in Italien kritisiert. Trotzdem sei die Anschlussbestellung beim gleichen Lieferanten erfolgt, so Schreiber. Dabei hätte es gemäss Schreiber Ersatzlösungen mit konventionellen Zweistromlokomotiven gegeben.

Die SBB räumte in ihrer Mitteilung vom Mittwoch ein, dass die "Verfügbarkeit" der ETR 610-Züge weiter erhöht werden müsse. Dies betreffe unter anderem die Neigetechnik. Dafür sei eigens eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden.

Ausserdem steht eine Grossrevision für die Fahrzeuge der ersten Serie an. Sie soll laut SBB rund 80 Millionen Franken kosten und wird von Alstom in Italien durchgeführt. Damit könnten "Synergien" genutzt werden, so die SBB.

Dieser Entscheid sorgte bereits im Herbst 2015 bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV für Kritik. Sie bemängelte, dass die Arbeiten ausgelagert werden. Sie verlangte damals, dass das Bahnunternehmen auch in Zukunft den Unterhalt an ihren Fahrzeugen in ihren eigenen Unterhalts- und Industriewerken ausführt.

(SDA)