Zürcher Kantonsrat hält an zwei Fremdsprachen auf Primarstufe fest

Zürcher Schüler sollen weiterhin auf der Primarstufe sowohl Englisch als auch Französisch lernen: Der Kantonsrat hat sich mit 96 zu 68 Stimmen gegen eine Initiative ausgesprochen, die eine der beiden Fremdsprachen auf die Sekundarstufe verschieben will.
14.11.2016 15:28

Am Lernziel wollen die Initianten nichts ändern: Am Ende der Schulzeit sollen Jugendliche in den beiden Fremdsprachen dasselbe Niveau aufweisen wie heute.

Den Weg dahin wollen sie aber neu gestalten. An der Primarschule soll gemäss Initiative nur noch eine einzige Fremdsprache vermittelt werden. Die zweite würde erst später, dafür dann mit mehr Lektionen, an der Oberstufe folgen.

In Fremdsprachen-Debatten gehen die Wogen rasch hoch - es geht letztlich auch um grosse politische Fragen und um den nationalen Zusammenhalt. Die Befürworter der Initiative wollten die Kantonsratsdebatte am Montag von dieser Ebene fernhalten: Die Initiative habe keine politische Frage zum Inhalt, sondern eine pädagogische, hiess es seitens GLP.

Denn das Konzept mit zwei Fremdsprachen sei vorschnell eingeführt worden und habe nicht den erhofften Erfolg gebracht. Mit heute bloss je zwei Wochenlektionen in Englisch und Französisch bleibe es bei einem "Pseudo-Unterricht", der nichts bringe.

Die SVP und die EDU wiesen auf eine Überforderung der Primarschüler hin: Statt auf zwei Fremdsprachen soll der Fokus auf grundlegende Fächer wie Deutsch oder Mathematik gelegt werden, forderten sie.

Die Mehrheit im Kantonsrat will hingegen an zwei Fremdsprachen an der Primarschule festhalten. In einer globalisierten Welt sei Vielsprachigkeit ein Vorteil, hiess es mehrmals.

Dass zwei Fremdsprachen gewisse Primarschüler überfordern könnten, räumten auch die Gegner der Volksinitiative ein. Das sei aber kein Grund, gleich ein ganzes Schulfach für alle Schüler zu streichen, hielt die FDP fest. Es wäre fahrlässig, die Volksschule nach unten zu nivellieren.

Laut Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP) erreichen rund 80 Prozent der Schüler die gesteckten Ziele. Viele Kinder seien unterfordert, für diese seien zwei Fremdsprachen alles andere als eine Last. "An jeder Tagung wird mir der Fachkräftemangel an den Kopf geworfen", sagte Steiner. Und sie fragte rhetorisch: "Wollen wir dem mit weniger Unterricht begegnen?"

An den Zürcher Schulen steht heute Englisch ab der zweiten Klasse auf dem Stundenplan, Französisch ab der fünften. Welche der beiden Sprachen aus der Primarschule verbannt werden soll, lässt der Initiativtext offen.

Für den Regierungsrat ist aber bereits heute klar, dass bei einer Annahme der Initiative an der Primarstufe die Landessprache Französisch verbleiben dürfte und die Businesssprache Englisch erst an der Oberstufe gelehrt werden würde. Eine andere Lösung dürfte der Bund kaum zulassen.

Trotz der ablehnenden Haltung im Kantonsrat zeigt sich das Initiativkomitee, dem verschiedene Lehrerverbände angehören, zuversichtlich: "Der hohe Anteil an Ja-Stimmen verdeutlicht, dass die Pro-Argumente stichhaltig sind", hielt es am Montag in einer Medienmitteilung fest.

Für die Initiative sprachen sich im Kantonsrat SVP und EDU sowie eine Mehrheit der GLP aus. Dagegen waren SP, FDP, Grüne, CVP, EVP, BDP und AL.

(SDA)