Zürich: Blick in die Vergangenheit nach Grabung beim Parkhaus Opéra

20'000 Knochen, 20'000 Hölzer und die zweitälteste Tür der Welt: Nach der Notgrabung der Pfahlbausiedlung beim Parkhaus Opéra in Zürich sind die Funde nun fertig ausgewertet. Mit den Funden kann das Leben vor rund 5000 Jahren in Zürich genauer skizziert werden.
09.03.2017 15:49

Die Fundstelle Parkhaus Opéra spare nicht mit Superlativen, sagte Regierungsrat Markus Kägi (SVP) am Donnerstag vor den Medien. Es handle sich um die grösste und umfangreichste Grabung und Auswertung einer Pfahlbau-Fundstelle in den letzten 15 Jahren.

Wo heute der Sechseläutenplatz ist, befanden sich vor rund 5000 Jahren Pfahlbaudörfer. Zwischen 3234 und 2727 vor Christus wurden nacheinander acht verschiedene Siedlungen errichtet.

Die Fundstelle wurde während der Bauarbeiten des Parkhauses entdeckt. Die Stadt Zürich stellte in kürzester Zeit eine Notgrabung auf die Beine. Während neun Monaten arbeiteten 2010/2011 bis zu 60 Personen Tag und Nacht.

Kägi präsentierte am Donnerstag zusammen mit Stadtrat André Odermatt (SP) den Abschluss der Auswertungen, die fünf Jahre dauerten. Über 20'000 Hölzer, über 20'000 Tierknochen, über vier Tonnen Steingeräte und über zwei Tonnen Scherben von Keramikgefässen sowie hunderttausende von Pflanzenresten wurden gefunden.

Geborgen wurden auch viele Holzgeräte, beispielsweise Holme von Steinbeilen, Schöpfkellen oder Pfeilbogen. Um die Welt ging das Bild der zweitältesten Tür. Die steinzeitliche Tür war bereits 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Mit den Funden können Rückschlüsse auf das damalige Leben gemacht werden - von Architektur über Ernährung, Gesundheit und Handel bis zu Zuchttieren. Nachgewiesen werden konnte etwa, dass die Siedlungen im Flachwasser standen.

Gemäss Odermatt beschäftigten die Menschen damals ähnliche Themen wie heute. So gab es beispielsweise bereits damals klare Vorstellungen von Raumordnung. Auch ein Seeuferweg existierte bereits, wie die Auswertungen zeigten.

Zürich sei schon damals nicht isoliert gewesen, sagte Kägi weiter. So wurden Feuersteingeräte aus Frankreich, Nord- und Mittelitalien gefunden, aber auch Keramiktöpfe mit Stilelementen, wie sie in Bayern oder Tschechien üblich waren.

Zum Abschluss der Auswertungen kann sich nun auch die Bevölkerung über die Grabung informieren. Die wichtigsten Resultate sind dabei auf 18 Plakaten zusammengefasst, die noch bis zum 26. März auf dem Sechseläutenplatz stehen.

Mit einer Augmented-Reality-Brille lässt sich zudem ein virtueller Rundgang durch die 3D-Rekonstruktion eines Pfahlbaudorfs machen. Das archäologische Fenster im Parkhaus Opéra wurde mit einem neuen Film bestückt.

Die Notgrabung hatte die Stadt finanziert und durchgeführt. Der Kanton kümmerte sich unter Einbezug der Stadt um die Auswertungen und finanzierte diese auch mehrheitlich. Die Auswertungen kosteten insgesamt knapp fünf Millionen Franken.

(SDA)