Zwei Festnahmen nach Terroranschlag in Barcelona mit Lieferwagen

Nach einem Terroranschlag im Zentrum Barcelona mit einem Lieferwagen sind zwei Personen festgenommen worden. Beim Anschlag in der Flaniermeile der katalanischen Hauptstadt starben 13 Personen. Bis zu 100 weitere Menschen wurden verletzt - darunter 15 schwer.
17.08.2017 23:35

Zwei Verdächtige wurden von der spanischen Polizei verhaftet. Sie stammen aus Spanien und Marokko. Ein dritter Verdächtiger sei tot, sagte der Innenminister der katalanischen Regionalregierung, Joaquim Forn, am späten Donnerstagabend. Nach Auskunft eines Polizeivertreters handelt es sich bei keiner der beiden Festgenommenen um den Fahrer des Kleintransporters.

Die katalanische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, bei dem Anschlag von Ende Nachmittag seien 13 Personen getötet worden. Einzelheiten über die Opfer wurden nicht bekannt; einzig, dass ein Belgier unter den Toten ist. Das ZDF berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise von drei deutschen Todesopfern. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Die IS-Terrormiliz reklamierten laut ihrem Sprachrohr Amak den Terroranschlag für sich.

Gegen 17.00 Uhr war ein weisser Lieferwagen laut Augenzeugenberichten mit hoher Geschwindigkeit auf die Flaniermeile Las Ramblas gefahren. In der Mitte dieser Strasse ist ein breiter Bereich für Fussgänger. Auf diesem raste der Transporter den Berichten zufolge im Zickzack in die Menschengruppen hinein.

Nach Angaben der Zeitung "El Periódico de Catalunya" legt der Fahrer auf den Las Ramblas gut 550 Meter zurück. Am Pla de l'Os, wo ein grosses Bodenmosaik von Joan Miró liegt, blieb der Van stehen. Von hier flüchtete der Fahrer zu Fuss.

Später hiess es aus Medienberichten, er habe sich bewaffnet in einem Restaurant nahe des Tatorts verschanzt. Am Abend gab dann die Polizei bekannt, sie habe einen Verdächtigen festgenommen.

Bei dem weissen Lieferwagen, der für das Attentat benutzt wurde, soll es sich nach Medienberichten um ein gemietetes Fahrzeug gehandelt haben. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Täterschaft womöglich hätte fliehen wollen, sei nahe von Barcelona gefunden worden, schrieben die katalanischen Zeitungen "La Vanguardia" und "El Periódico de Catalunya" unter Berufung auf die Polizei.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich unterdessen bei einer Polizeikontrolle in Barcelona: "Im Zuge der Abriegelung der Stadt Barcelona ist ein Auto gewaltsam durch eine Polizeikontrolle gefahren und hat zwei Beamte umgefahren", sagte eine Polizeisprecherin. Sie schwebten aber nicht in Lebensgefahr.

Es seien Schüsse abgefeuert worden, um das Auto zu stoppen. Das Fahrzeug wurde laut Polizei später in Sant Just Desvern nahe Barcelona gestoppt. Unklar war, ob der Fahrer noch im Auto war. Ebenfalls offen war, ob ein Zusammenhang zu dem Anschlag auf Las Ramblas bestand.

UNO-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Terrorangriff in Barcelona als "abscheuliche Gewalt". "Die Vereinten Nationen stehen solidarisch an der Seite der Regierung Spaniens in dessen Kampf gegen Terrorismus und gewalttätigen Extremismus."

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg reagierte ebenfalls bestürzt. "Ich verurteile den furchtbaren Angriff in Barcelona. Meine Gedanken sind bei allen Betroffenen. Wir stehen vereint im Kampf gegen den Terrorismus", erklärte Stoltenberg am Donnerstagabend über den Kurznachrichtendienst Twitter.

EU-Ratspräsident Donald Tusk schrieb: "Ganz Europa steht an der Seite Barcelonas. Auch EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani sprach den Behörden die volle Unterstützung zu. US-Präsident Donald Trump verurteilt ebenfalls den Anschlag und sagte Spanien jede Hilfe zu, die notwendig sei. Der russische Präsident Wladimir Putin, rief zu einem globalen Kampf gegen den Terrorismus auf. Das spanische Königshaus verurteilte die Tat mit scharfen Worten. Spanien lasse sich nicht von Extremisten "terrorisieren", hiess es.

Für die Schweiz verurteilten Bundespräsidentin Doris Leuthard und Aussenminister Didier Burkhalter den Anschlag. Leuthard erklärte per Twitter, die Schweiz verurteile den "feigen Terrorakt" aufs Schärfste. Burkhalter seinerseits liess per Mail mitteilen, die Schweiz reagiere mit "Entsetzen und Trauer". Beide drückten der spanischen Bevölkerung und Regierung ihr Mitgefühl aus.

In Berlin, Nizza, Stockholm und London sind in den vergangenen Monaten Attentate mit Lastwagen oder Kleintransportern verübt worden. In Madrid hatten islamistische Terroristen im März 2004 Sprengsätze in Nahverkehrszügen gezündet. Dabei wurden 191 Menschen getötet, mehr als 1800 wurden verletzt.

(SDA)