Zwei radikale Parteien beanspruchen Wahlsieg im Kosovo

Radikale Parteien haben die vorgezogene Parlamentswahl im Kosovo klar gewonnen. Die Koalition von drei Rebellenführern des Bürgerkrieges Ende der 90er Jahre (PDK, AAK, Nisma) landete am Sonntag auf der Basis von Nachwahlbefragungen auf dem ersten Platz.
11.06.2017 23:54

Die nationalistische Vetevendosje (Selbstbestimmung) wurde demnach mit 30 Prozent Zweiter. Die konservative LDK des bisherigen Regierungschefs Isa Mustafa fiel mit 27 Prozent auf den dritten Platz zurück.

Die von der PDK geführte Wahlallianz lud ihre Anhänger zum Feiern ins Zentrum der Hauptstadt Pristina ein. Ihr designierter Regierungschef Ramush Haradinaj kündigte an, der Sieg werde noch grösser ausfallen.

Dieser Sieg wird den drei Partnern allerdings von der Vetevensodje streitig gemacht, die als Einzelpartei angetreten war. Sie werde am Ende bei bis zu 34 Prozent der Stimmen landen, sagte ihr als Regierungschef vorgesehener Parteigründer Albin Kurti.

Die endgültige Sitzverteilung im Parlament dürfte nicht vor Montag klar sein. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,4 Prozent. Vor den Wahllokalen in der Hauptstadt Pristina hatten sich im Verlauf des Tages trotz Regenwetters lange Schlangen gebildet. Zu sehen waren vor allem ältere Menschen.

Die Regierungsbildung dürfte sich in jedem Fall als schwierig gestalten. Der Zweitplatzierte will auf keinen Fall mit dem Ersten koalieren, weil er dessen Spitzenpolitiker der Korruption und des Machtmissbrauchs beschuldigt und sie hinter Gittern sehen will.

Der Dritte dürfte sich ebenfalls mit einer Regierungsbeteiligung schwertun, weil die extremistische PDK die Regierung mit der LDK hatte zerbrechen lassen, wodurch die vorgezogene Parlamentswahl notwendig wurde.

Der Wahlsieg der Extremisten könnte die ohnehin zahlreichen nationalen Konflikte in der Region noch verschärfen. Die Wahlsieger wollen gegenüber dem Nachbarland Serbien viel härter auftreten. Das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo ist seit 2008 von Serbien unabhängig und inzwischen von mehr als 110 Staaten anerkannt worden. Belgrad will seine frühere Provinz aber wieder zurückhaben.

Die neue Regierung steht vor grossen Herausforderungen. Sie wird die schwierige Beziehung zu Serbien weiterführen müssen, die Korruption und hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen und sich mit möglichen Verurteilungen vor dem Tribunal in Den Haag auseinandersetzen müssen.

(SDA)