Zwei Tote durch Orkantief "Xavier" in Norddeutschland

Durch das Sturmtief "Xavier" sind am Donnerstag in Norddeutschland zwei Menschen gestorben, zahlreiche wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Polizei und Feuerwehr rückten zu hunderten Einsätzen aus.
05.10.2017 18:48

Im Norden und Osten Deutschlands kam zudem vielerorts der Verkehr zum Erliegen. Die Rettungskräfte forderten die Menschen auf, sicherheitshalber zu Hause zu bleiben. Die Schäden dürften in die Millionenhöhe gehen.

In Hamburg erschlug ein entwurzelter Baum eine in ihrem Auto sitzende Frau, wie eine Polizeisprecherin sagte. Eine zweite Insassin sei verletzt ins Spital gebracht worden.

An der Bundesstrasse B191 in Neu-Karstädt in Mecklenburg-Vorpommern durchschlug ein Baum das Führerhaus eines fahrenden Lastwagens. Der Lastwagenfahrer habe dabei so schwerer Kopfverletzungen erlitten, dass der Notarzt nur noch seinen Tod feststellen konnte, sagte ein Polizeisprecher.

In Osterholz im Bremer Umland wurde laut Polizei eine 65 Jahre alte Frau von einem Ast getroffen und mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen in ein Spital gebracht.

Aus vielen Orten meldete die Polizei Verkehrsunfälle mit Verletzten. Genaue Zahlen zu den Verletzten und nähere Angaben zur Schwere der Verletzungen lagen in den meisten Fällen noch nicht vor; zahlreiche Einsätze liefen auch Stunden nach Beginn des ersten grösseren Herbststurms des Jahres noch auf Hochtouren.

Die Deutsche Bahn stellte aus Sicherheitsgründen in ganz Norddeutschland und weiten Teilen Ostdeutschlands den Zugverkehr vollständig ein, auf zahlreichen Strecken stürzten Bäume und Äste auf Schienen und Oberleitungen.

Von "Xavier" betroffen sind zahlreiche Bundesländer von Niedersachsen und Hamburg bis nach Brandenburg, Berlin Sachsen-Anhalt und Sachsen. In Berlin stellte die S-Bahn den Zugverkehr im gesamten Netz ein. Ein Schienenersatzverkehr konnte wegen des Unwetters zunächst nicht eingerichtet werden. Ausserdem wurden der Strassenbahnverkehr sowie der U-Bahnverkehr im Bereich der oberirdischen Streckenabschnitte eingestellt.

Die Hamburger Feuerwehr berichtete von mehr als 800 Unwettereinsätzen. Vorübergehend rief die Feuerwehr die Hamburger auf, sich nicht im Freien aufzuhalten - diese Warnung konnte nach etwa zwei Stunden aber wieder aufgehoben werden.

In Bremen meldete die Polizei in kurzer Zeit rund 200 Einsätze. Auf der Autobahn 27 stürzte bei Oslebshausen ein Baum auf ein vollbesetztes Auto, die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. In Huchting löste sich bei dem Sturm ein Gastank, ein Zug wurde sicherheitshalber evakuiert.

Die Einsatzkräfte im Landkreis Lübeck zählten mehrere hundert sturmbedingte Einsätze in kurzer Zeit. Es seien mehrere Menschen verletzt worden, die genaue Anzahl blieb nach Angaben der Polizeidirektion Lübeck vorerst unklar.

Wie die Wasserschutzpolizeiinspektion Wilhelmshaven mitteilte, stürzte von der Niedersachsenbrücke ein etwa tausend Tonnen schwerer schienengebundener Entladekran bei Starkwind in die Jade und versank teilweise. An dem Kran dürfte Totalschaden entstanden sein, die Brückenanlage musste gesperrt werden. In Bremerhaven rammte ein beim Sturm losgerissener Schwimmkran zunächst einen Fischtrawler und danach eine Mega-Yacht.

Im Landkreis Verden wurden in kurzer Zeit 52 umgestürzte Bäume gemeldet, im Bereich Neumünster mussten die Einsatzkräfte zu 28 Einsätzen wegen überfluteter Strassen, Wegen und Plätzen sowie umgestürzter Bäume ausrücken. Im Emsland und in der Grafschaft Bentheim meldete die Polizei insgesamt rund 90 Einsätze.

(SDA)