Zweiter Murgang erreicht Bondo: Firmengelände überflutet

Im Bergsturzgebiet im Bergell ist weiteres Material vom Piz Cengalo ins Tal gerutscht. Der zweite Murgang ereignete sich um ungefähr 16.30 Uhr. Das Material wurde wie schon beim ersten Felssturz am Mittwoch bis ans Dorf Bondo geschoben.
25.08.2017 18:46

Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Die vom zweiten Murgang betroffenen Ortsteile lagen ausschliesslich innerhalb einer zuvor definierten Sperrzone, wie die Bündner Polizei mitteilte. Allerdings wurde beim Murgang ein Firmengelände überflutet sowie drei bereits beim grossen Murgang beschädigte Häuser erneut erfasst.

Die Umleitungsstrecke für den Verkehr wurde vom Abgang nicht tangiert. Sie wurde aber aus Sicherheitsgründen gesperrt. Einige Einwohner des Dorfes, die am Mittag in ihre Häuser zurückkehren konnten, mussten jedoch erneut evakuiert werden.

Ein weiterer Murgang war erwartet worden. Am Mittwoch waren vier Millionen Kubikmeter vom Grenzberg zu Italien in die Tiefe gestürzt. Eine Million Kubikmeter befindet sich noch am Berg, ist aber in Bewegung.

Weiterhin waren am Freitag rund 120 Personen im Einsatz. Die Lage wird durch Spezialisten des Amts für Wald und Naturgefahren sowie einen Geologen laufend beurteilt.

Weiter wird nach mindestens acht Vermissten gesucht. Zu ihnen veröffentlichte die Kantonspolizei weitere Details: Demnach wird nach vier Deutschen aus dem Bundesland Baden-Württemberg in Deutschland, zwei Personen aus der Steiermark in Österreich und nach zwei Berggängern aus dem Kanton Solothurn gesucht.

Weitere Personenangaben machte die Polizei auf Anfrage nicht. Nicht bekannt ist somit auch, ob es sich um Frauen oder Männer handelt. Für sechs der acht Personen liegt eine Vermisstmeldung vor. Von zwei Personen wird angenommen, dass sie sich zum Zeitpunkt des grossen Bergsturzes im Gebiet oberhalb von Bondo befanden.

Bundespräsidentin Doris Leuthard hatte am Donnerstag nach einem Augenschein in einem Helikopter oberhalb von Bondo erklärt, es werde schwierig, diese Personen noch lebend zu finden.

Die vier Millionen Kubikmeter Gesteinsmaterial, die am Mittwoch zu Tal donnerten sind selbst für die Schweiz, dem Land der Bergstürze, keine alltägliche Dimension. Der Bergsturz ist einer der gewaltigsten in der Schweiz in den vergangenen über 100 Jahren. Mit einer Ausnahme handelt es sich sogar um den grössten Materialabgang seit dem Grossereignis in Elm im Kanton Glarus im Jahr 1881.

Der Bergsturz hat viele Gebäude zerstört, wie Luftaufnahmen zeigen. Felssturz und Murgang beschädigten auch Felder und Weidegebiet, Strassen und Wege. Wie hoch die Schäden wirklich sind, wird erst klar, wenn Schadenexperten das Gebiet betreten dürfen.

Noch könne man die Höhe der Schäden nicht abschätzen, sagte der Direktor der kantonalen Gebäudeversicherung Graubünden, Markus Feltscher, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es sei offen, wann die Schadenexperten der Versicherungen im Katastrophengebiet ihre Arbeit aufnehmen können.

(SDA)