Das ist die Bond-Strategie 2017 von Goldman, BlackRock & Co.

2017 könnte für die weltweit grössten Anleihe-Fondsmanager zum Jahr werden, in dem ungebundene Rentenfonds endlich ihrem Ruf gerecht werden.
06.01.2017 20:00
Blackrock setzt auf ungebundene Fonds.
Blackrock setzt auf ungebundene Fonds.
Bild: cash

Obwohl ungebundene Anleihefonds - lange Zeit angepriesen wegen der Möglichkeit, in jeder Marktphase zu glänzen - bisher nicht nachhaltig über die Jahre gute Ergebnisse abliefern konnten, sind Fondsmanager davon überzeugt, dass ihre Zeit jetzt gekommen ist. Der seit drei Jahrzehnten andauernde Bullenmarkt der Bonds steht möglicherweise vor seinem Ende. Donald Trumps Wahlsieg hat die Aussichten für Inflation und Wachstum und somit auf steigende Zinsen erhöht, sowohl in den USA als auch im Rest der Welt.

Dieses Szenario favorisiert Fonds, die immer dort investieren können, wo es die höchsten Erträge gibt - ganz ohne Zwang in Bezug auf Laufzeit, Geographie oder sogar Bonitäts-Qualität.

Die Wiedergeburt ungebundener Fonds

"Dies könnte die Wiedergeburt ungebundener Bond-Fonds sein", meint Jonathan Beinner, Chief Investment Officer Global Fixed Income bei Goldman Sachs Asset Management, der mit seinem Team für ein Anlagevolumen von mehr als eine Billion Dollar verantwortlich ist. "Die meisten Investoren haben eine offene Flanke im Bezug auf steigende Zinsen, vermutlich mehr als ihnen bekannt sein dürfte."

Ungebundene Anleihefonds (auch Benchmark-Freie, Non-Traditional oder Absolut Return Fonds genannt), deren Anfang ungefähr zehn Jahre zurück liegt, erhielten 2013 extreme Mittelzuflüsse. Hauptsächlich getrieben von der Angst vor steigenden Zinsen. Die letzten beiden Jahre kehrten ihnen Investoren jedoch den Rücken, zu Gunsten von einfacheren, preisgünstigeren Lösungen wie börsengehandelten Fonds (ETFs). In den ersten elf Monaten des Jahres 2016 betrugen die Mittelrückflüsse in der Spitze 21 Mrd. Dollar - fast 20 Prozent der gesamten Anlageklasse und laut Fondsbeobachter Morningstar Inc. ein Negativrekordjahr.

Und dies trotz der Tatsache, dass ungebundene Fonds eines der besseren Jahre erlebten. Der durchschnittliche Ertrag 2016 lag bei 5,15 Prozent - und das im Angesicht eines weltweiten Ausverkaufs an den Rentenmärkten, welcher im letzten Quartal mehr als 3 Billionen Dollar an Wert vernichtete. Für das Jahr 2016 kam der Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index auf ein Plus von 2,1 Prozent.

Manche Fondsmanager meinen, dass einige Investoren deshalb zurückhaltend sind, weil die Fonds im Ruf stehen etwas zu freizügig zu agieren.

Für gewöhnlich meiden die ungebundenen Fonds all zu grosses Exposure in langlaufenden Papieren und versuchen Erträge durch opportunistische Investments zu generieren. Diese reichen von Hochzinsanleihen bis hin zu Währungen oder auch Rohstoffen und Derivaten. Das erzeugt die Wahrnehmung - zu recht oder unrecht - dass sie möglicherweise übertrieben grosse Risiken eingehen, um Ertrag zu erzielen.

Rick Rieder von BlackRock ist unbeirrt. Er sagt, Investoren werden ungebundene Fonds noch schätzen lernen, wenn Zinsen und Volatilität steigen.

“Die Leute suchen nach sicheren Häfen im Rentenmarkt mit weniger Volatilität,” sagt Rieder, Chief Investment Officer für Renten bei BlackRock, dem weltweit grössten Vermögensverwalter.

Nichts desto trotz gibt es wenig Einigkeit unter den Fondsmanagern ungebundener Fonds, was oder wo die besten Investments 2017 sein mögen.

Top Picks

Rieder, Co-Manager von BlackRock’s 27 Mrd. Dollar schwerem Strategic Income Opportunities Fonds, kauft unter anderem inflationsgeschütze Anleihen und US-Dollar, stockt forderungsunterlegte Anleihen (Asset-Backed-Bonds) auf und erwirbt strukturierte Kreditverbriefungen (CLOs). Der Fonds hat im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre einen jährlichen Ertrag von vier Prozent eingebracht und schlägt damit 81 Prozent der vergleichbaren Fonds in der Kategorie Mischfonds von Bloomberg.

Michael Buchanan, der als stellvertretender Chief Investment Officer bei Western Asset Management in Pasadena, Kalifornien, dabei hilft mehr als 23 Mrd. Dollar in ungebundenen Fonds zu verwalten, sagt, der Schlüssel zum Erfolg sind ganz einfach nachhaltig bessere Erträge. Sein Schwerpunkt liegt auf variabel verzinslichen Bankschuldverschreibungen mit weniger Risiko als Hochzins-Investments. Der Vermögensverwalter favorisiert zudem Unternehmensanleihen von Rohstoff- und Energieproduzenten, die die kürzliche Ausfall- und Pleitewelle des Sektors überstanden haben.

"Dieses Jahr wird eindeutig eines, in dem ungebundene Strategien gut abschneiden werden," sagt Buchanan.

Für Stephen Kane, Managing Director US-Festverzinsliche für die in Los Angeles ansässige TCW Group, sind Investments in risikoreichere Unternehmensanleihen nicht das Risiko wert. Historisch gesehen verleiten niedrige Zinsen zu viele Firmen, sich zu stark zu verschulden. Wenn nun die US-Notenbank eine restriktivere Geldpolitik anstrebt, werden die Ausfallraten automatisch in die Höhe gehen.

Im 2.6 Mrd. Dollar schweren Metropolitan West Unconstrained Bond Fund - der im Durschnitt 5,2 Prozent Ertrag über die letzten fünf Jahre erreichte - vermeidet Kane zudem Bondsl aus Schwellenländern, denn er befürchtet eine Schuldenkrise in China. Statt dessen ist er positiv gestimmt für bestimmte Hypothekenanleihen.

"Kein Freifahrtschein"

"Investoren sollten sich bewusst sein, dass es keinen Freifahrtschein gibt, und niemand gute Erträge produzieren kann ohne irgendeine Form des Risikos einzugehen," sagt Kane.

Bei J.P. Morgan Asset Management, beschreibt Bob Michele deren ungebundenen Fonds als "Benchmark skeptisch" und als einen Ort an dem die Vermögensverwalter ihre überzeugendsten Ideen konzentrieren können.

Laut J.P. Morgan Assets Chief Investment Officer für globale Anleihen, Währungen und Rohstoffe, unterschätzen Investoren den Willen der Federal Reserve, die Zinsen anzuheben. Michele geht von vier Zinsschritten aus und glaubt die Rendite 10-jähriger Treasuries könnte um bis zu einen Prozentpunkt auf 3,5 Prozent steigen. Aus diesem Grund hat J.P. Morgan Asset Management die Duration - eine Messgrösse für die Sensitivität von Anleihekursen zu steigenden Zinsen - auf nur noch ein halbes Jahr reduziert.

Hingegen sieht Bill Gross die 10-jährige Rendite nicht annähernd so stark steigen -wahrscheinlich nur einen Viertel-Prozentpunkt vom aktuellen Niveau. Der Manager des 1,7 Mrd. Dollar umfassenden Janus Global Unconstrained Bond Fund sieht den aktuellen Ausverkauf als Teil eines mehrjährigen Bärenmarktes.

Bärenmarkt

Ungebundene Fonds waren “ein Produkt, wenn man einen längerfristigen Bärenmarkt erwartet hat", erklärt Gross, der selbst ungefähr 700 Mio. Dollar seines persönlichen Vermögens in den Fonds investiert hat, in einer E-Mail. "Der Janus Fonds ist dem gerecht geworden."

Gross sagt jedoch auch, dass die Märkte deutlich weniger schwanken werden als von vielen Marktteilnehmern angenommen. Er positioniert sich daher mit dem Verkauf von Optionen auf Aktien, Anleihen und Gold, deren Ausübungspreis weit vom aktuellen Marktpreis entfernt ist. 2016 erzielte der Fonds einen Ertrag von 4,24 Prozent.

Beinner, dessen Goldman Sachs Strategic Income Fund im Volumen von 8,8 Mrd. Dollar 2016 auf 2,2 Prozent Ertrag kam und durchschnittlich jährlich 3,5 Prozent über die vergangenen fünf Jahre einbrachte, erwartet turbulentere Zeiten. Und das werde die Spreu vom Weizen trennen.

"In Wahrheit ist mehr Volatilität immer ein besseres Umfeld für aktives Management," sagt er. "Das bedeutet nicht automatisch das aktive Fondsmanager besser abschneiden werden, aber es bedeutet, dass sich Opportunitäten ergeben."

(Bloomberg)