Vier Schwarze in Chicago des Hassverbrechens beschuldigt

Vier Schwarze in Chicago des Hassverbrechens beschuldigt

Nach der stundenlangen brutalen Misshandlung eines geistig Behinderten in Chicago sind vier junge Schwarze unter anderem wegen eines Verbrechens aus Hass angeklagt worden.
06.01.2017 13:17

Die Vier sollen ihr 18-jähriges weisses Opfer entführt und stundenlang gequält und dabei Weisse und den künftigen Präsidenten Donald Trump übel beschimpft haben. Ein Video von ihren Taten wurde live auf Facebook veröffentlicht.

Auf dem 30-minütigen Video ist zu sehen, wie der 18-Jährige mit zugeklebtem Mund in einer Ecke sitzt, seine Hände und Beine waren offenbar gefesselt. Die Kleidung des Opfers ist an einer Stelle zerschnitten, sein Haar an einer Stelle, die eine blutende Wunde aufweist, bis auf die Kopfhaut zurückgeschnitten.

Nach Angaben der Ermittler dauerte das Martyrium mindestens sechs Stunden. Die Festgenommenen hätten zugegeben, ihr Opfer geschlagen, getreten und gezwungen zu haben, Wasser aus der Toilette zu trinken, sagte Chicagos Polizeichef Kevin Duffin am Donnerstag (Ortszeit) auf einer Medienkonferenz. "Ich verstehe nicht, wie jemand so etwas auf Facebook zeigen will", fügte er hinzu. Nach seinen Angaben zeigte keiner der Verdächtigen Reue.

Laut Polizei handelt es sich bei den mutmasslichen Tätern um zwei 18-jährige Männer und zwei Schwestern im Alter von 18 und 24 Jahren. Einen der Männer habe das Opfer aus der Schule gekannt. Deshalb sei es freiwillig mit seinen Peinigern mitgegangen. Insgesamt soll der Behinderte zwischen 24 und 48 Stunden mit ihnen verbracht haben. Er konnte inzwischen das Spital verlassen, ist aber laut Polizei schwer traumatisiert und zu einer Aussage kaum in der Lage.

Offenbar begannen die Misshandlungen mit einem gestellten Kampf zwischen dem geistig Behinderten und seinem Bekannten aus der Schule, der dann ausartete. Auf dem Video ist zu hören, wie die Angreifer lachen und wiederholt "Fuck Donald Trump! Fuck white people!" rufen. Sie sollten am Freitag einem Richter vorgeführt werden. Neben dem Verbrechen aus rassistischen Gründen müssen sie sich wegen einer Reihe weiterer Delikte verantworten, darunter wegen Entführung und Gewalt.

Das Video sorgte landesweit für Entsetzen und Empörung. Präsident Barack Obama sprach von einer "abscheulichen" Tat. Es träten nun "viele Probleme" zutage, "die schon seit langem bestehen", sagte er unter Verweis auf die Übertragung im sozialen Netzwerk Facebook.

Obwohl über die Täter und ihr Opfer nur wenig bekannt ist, sprachen ultrakonservative US-Medien rasch von einem Angriff auf einen weissen Trump-Anhänger, begangen von jungen Schwarzen in Verbindung mit Black Live Matters, der Protestbewegung gegen exzessive Polizeigewalt gegen Afroamerikaner.

Der als besonders radikale Vertreter der Rechten bekannte Moderator Glenn Beck forderte auf Twitter eine Strafe für das "Verprügeln eines behinderten Trump-Unterstützers durch Black Lives Matter".

Der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Das brutale Video habe nichts "mit unserem Bürgerrechtskampf zu tun", sagte er. "Niemand stimmt dieser irsinnigen und barbarischen Grausamkeit zu", fügte er hinzu. Die Tat bezeichnete er als "Zusammenbruch von Werten und Ideen".

(SDA)