Anleger schauen mit Spannung auf die USA

Das Schicksal der Börsen entscheidet sich in der neuen Woche wieder einmal jenseits des Atlantiks. Eine Vorschau.
08.01.2017 13:06
Die US-Bank Wells Fargo veröffentlicht nächste Woche die Jahreszahlen.
Die US-Bank Wells Fargo veröffentlicht nächste Woche die Jahreszahlen.
Bild: Bloomberg

"Die Wirtschaft in den USA bleibt das zentrale Thema", sagt Aktienmarktstratege Tobias Basse von der NordLB. Erste US-Konzerne präsentieren ihre Bilanzen für 2016, zudem erwarten Analysten einen starken Anstieg der Einzelhandelsumsätze. Das könnte dem Dow-Jones-Index den seit langem ersehnten Sprung über die noch nie erreichte Marke von 20'000 Punkten ermöglichen, den er am Freitag trotz neuen Rekordhochs hauchdünn verpasste. "Die grundsätzlich positive Stimmung sollte kurzfristig anhalten", sagt Basse.

Das mehrfache Scheitern des Dow Jones an der psychologisch wichtigen Marke nahm den Anlegern zuletzt den Wind aus den Segeln. Die meisten europäischen Börsen starteten mit kräftigen Gewinnen in die erste Handelswoche 2017, dümpelten dann aber tagelang vor sich hin. Auf Wochensicht legte etwa der deutsche leitindex Dax rund ein Prozent zu.

Experten hoffen nun auf Impulse von der US-Konjunktur. "Die Einzelhandelsdaten sollten anzeigen, dass der private Konsum ein wichtiger Treiber der konjunkturellen Belebung in den USA bleibt", sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank. Von Reuters befragte Experten erwarten bei den Einzelhandelsumsätzen am Freitag einen Zuwachs von 0,4 Prozent im Dezember nach zuletzt 0,1 Prozent. Balz und NordLB-Spezialist Basse sind noch zuversichtlicher und sagen einen Anstieg von 0,7 Prozent voraus. Am Freitag steht auch das von der Universität Michigan erstellte Barometer für die Stimmung der US-Verbraucher im Terminkalender.

Diesseits des Atlantik konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Zahlen zur europäischen Industrieproduktion im November sowie zum deutschen Wirtschaftswachstum 2016 (jeweils am Donnerstag).

Autobranche zittert vor Trump

Für reichlich Gesprächsstoff sorgt auch in der neuen Woche die Geldpolitik. Zahlreiche führende US-Notenbanker treten öffentlich auf und Börsianer werden ihre Worte auf die Goldwaage legen. Sie versuchen herauszuhören, wie in den USA die Notenbank Federal Reserve (Fed) auf den künftigen Präsidenten Donald Trump und sein geplantes Konjunkturprogramm reagieren wird. Trump übernimmt sein Amt am 20. Januar.

Mit diversen Tweets über einzelne Unternehmen sorgte der 70-Jährige bereits für heftige Kursschwankungen. Jüngstes Beispiel war Toyota : Dem japanischen Autobauer drohte er mit hohen Strafzöllen, sollte er Fahrzeuge für die USA in Mexiko produzieren. Die Aktie sackte ab und zog Nissan und VW nach unten. Ford gab nach einem Trump-Tweet bekannt, ein geplantes Werk in Mexiko doch nicht zu bauen.

Auch die deutschen Autobauer verfolgen daher mit Spannung, ob Trump seine Strafzoll-Drohungen wahr macht. Denn Volkswagen, BMW und Daimler stecken Milliarden in neue Werke in Mexiko. Auf der anderen Seite versprach der Immobilien-Milliardär der Autobranche im Wahlkampf geringere Umweltauflagen. Die in die Jahre gekommene Automesse in Detroit, die in der neuen Woche stattfindet, kehrt deshalb zu altem Glanz zurück.

Kaum zwei Wochen nach Neujahr legen in den USA die ersten Firmen ihre Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2016 vor. Am Freitag öffnen die Banken JPMorgan und Wells Fargo ihre Bücher. Spannend werde, ob die von Trump angekündigten Steuersenkungen, Deregulierungen und Ausgaben für Infrastruktur auch umgesetzt würden und die Unternehmensgewinne als wichtigste Triebfeder für Aktien davon profitierten, sagt Volkswirt Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg. "Kommt es nicht zu einem Handelskrieg und gelingt es dem neuen US-Präsidenten tatsächlich, mit seiner Politik das US-Wirtschaftswachstum Richtung drei Prozent zu erhöhen, dürfte die Hausse am Aktienmarkt weitergehen." 

(Reuters)