E-Mails von EZB-Chef Draghi und Ex-Regierungschef Renzi gehackt

Hacker sind offenbar in die E-Mail-Konten von EZB-Chef Mario Draghi und des ehemaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi eingedrungen.
10.01.2017 17:22
EZB-Präsident Mario Draghi: E-Mail-Konto gehackt.
EZB-Präsident Mario Draghi: E-Mail-Konto gehackt.
Bild: Bloomberg

Die italienische Polizei nahm nach eigenen Angaben am Dienstag zwei Geschwister unter dem Verdacht fest, sich in weitere Tausend Konten gehackt zu haben.

Einem 45-jährigen gelernten Atomtechniker und seiner 48-jährigen Schwester wird Diebstahl von Staatsgeheimnissen und illegales Hacken vorgeworfen. Die Ermittler kamen den beiden mit Hilfe der US-Bundespolizei FBI auf die Spur.

Wie sie die gewonnenen Informationen im Einzelnen nutzten, wird laut Polizeiangaben derzeit geprüft. Die Ermittlungen leitete eine auf Cyber-Verbrechen spezialisierte Einheit.

Geschäftsleute und Kardinäle

Die angegriffenen E-Mail-Konten gehörten auch Geschäftsleuten und Kardinälen im Vatikan, sagte der Ermittler Roberto Di Legami der Nachrichtenagentur Reuters. Wie aus dem sichergestellten Material hervorgehe, könnten sich die Hacker Zugriff auf 18'000 E-Mail-Konten verschafft haben. Rund 2000 Passwörter seien geknackt worden.

Laut Di Legami wurden die gehackten E-Mails wahrscheinlich von dem 45-Jährigen in der von ihm geleiteten Investmentfirma Westland Securities genutzt. Der Hacker dürfte die verwendete Schadsoftware selbst entwickelt haben.

Es gebe auch Hinweise darauf, dass er einen "Keylogger" auf einigen Computern installieren konnte. Mit einer solchen Software lassen sich alle Eingaben auf der Tastatur eines infizierten Computers überwachen.

Indem die beiden Festgenommenen Computer anderer Internetnutzer gekapert und diese zu einem sogenannten Botnetz verbunden hätten, seien sie an relevante Informationen gelangt, die auch die Staatssicherheit beträfen, teilte die Polizei mit. Bei den Festgenommenen handelt es sich laut Polizei um bekannte Personen aus Finanzkreisen der italienischen Hauptstadt.

Zu den gehackten Konten zählen nach Polizeiangaben Renzis Mail-Adresse während seiner Zeit als Regierungschef von Italien sowie Draghis bei der Bank von Italien, die er vor seinem Wechsel an die EZB-Spitze leitete. Draghis Mail-Konto bei der Europäischen Zentralbank wurde im Haftbefehl hingegen nicht als Ziel genannt.

Gestohlene Daten in USA gespeichert

Zu den Opfern des Hackerangiffs zählten auch der ehemalige Direktor der Bank von Italien, Fabrizio Saccomanni, der Kulturminister des Vatikans, Kardinal Gianfranco Ravasi, sowie mit Mario Monti ein weiterer Ex-Regierungschef.

Die EZB und die Bank von Italien lehnten eine Stellungnahme ab. Sprecher von Renzi sowie Kardinal Ravasi waren zunächst nicht erreichbar. Etwa 99 Prozent der gestohlenen Daten wurden nach Polizeiangaben in den USA gespeichert. Das FBI stellte auf Ersuchen eines römischen Gerichts die Server sicher.

(AWP)