So genannte Megatrends - Anleger-«Hypes» und was aus ihnen geworden ist

Nanotechnologie, Wearables und vieles weitere mehr: Die Finanzindustrie warb in den letzten Jahren viel mit «Megatrends» und verkaufte Anlegern entsprechende Produkte. Doch die meisten Trends waren gar nicht mega.
10.09.2018 07:53
Von Pascal Züger
Die Smartwatch: Zwar ein interessantes Nischenprodukt, der Erfolg am Massenmarkt bleibt aber aus.
Die Smartwatch: Zwar ein interessantes Nischenprodukt, der Erfolg am Massenmarkt bleibt aber aus.
Bild: pixabay.com

Möglichst früh dabei sein und dann profitieren: Fondsmanager preisen gerne ihre Themenfonds an, die künftige Trends frühzeitig erfassen und über die nächsten Jahre eine hübsche Überrendite generieren sollen. Aktuell sind Themen wie "Blockchain", "Internet der Dinge" oder "Smart Grid" hoch im Kurs. Ob sie sich tatsächlich als "Game Changer" oder vielmehr als überbewerteter Hype entpuppen werden, muss sich noch weisen.

Klar ist: Solche Themenfonds gibt es nicht erst seit heute. Bereits seit Jahrzehnten orten Banken künftige Megatrends und bieten ihrer Kundschaft entsprechende Produkte an, was zumeist - Marketing sei Dank - auf reges Interesse stösst. Manchmal zahlte sich ein Investment aus, meist aber überhaupt nicht. cash wirft ein Blick auf die Megatrends von gestern und zeigt, was aus ihnen geworden ist.

Nanotechnologie

Es ist schon über 10 Jahre her, als die Nanotechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts gepriesen wurde. Genau genommen handelt es sich dabei um eine breite Auswahl von Technologien, die mit Gegenständen und Strukturen arbeitet, die weniger als 100 Nanometer - also kleiner als 0,0001 Millimeter - gross sind. Nach der Jahrtausendwende wurden verschiedene Nanotech-Fonds aufgesetzt, die eine starke Volatilität aufgewiesen haben - und heute allesamt nicht mehr existieren.

Wer hingegen vor 10 Jahren auf Einzelaktien im Nanobereich setzte, hat bei einigen (wenigen) Top-Positionen der damaligen Nano-Fonds eine hervorragende Performance erzielt. So legten die Aktien von ASML (+1'150 Prozent) und Nanometrics (+1'200 Prozent) von 2008 bis heute doch sehr flott zu, andere wiederum haben den grossen Durchbruch nie geschafft (etwa Nanophase Technologies, US Global Nanospace) oder sind gänzlich von der Bildfläche verschwunden, wie etwa Nanopierce Technologies oder Nanotec Industries.

Die Technologie selber ist zwar heute noch wichtig - etwa im Halbleiterbereich oder in der Pharmaindustrie. Doch von den damals gehypten Firmen sind heute die wenigstens noch tonangebend. Was auch auffällt: Kurz nach der Jahrtausenwende stiegen diejenigen Aktien stark an, die das Wort "Nano" im Firmenamen verwendeten. Viele davon enttäuschten auf längere Frist und waren teilweise nicht einmal wirklich im Nanotech-Bereich tätig. 

Seltene Erden

Mit dem Seltene-Erden-Hype wurden quasi die Schatzsucher unter den Investoren angesprochen: Es handelt sich dabei um eine Gruppe von 17 seltenen Metallen, die vor allem in China abgebaut und für verschiedene Technologieprodukte verwendet werden. Enthalten sind diese etwa in Computern, Smartphones oder Glasfaserkabeln.

Der physische Kauf dieser Rohstoffe war nie sehr praktibel - denn wer will schon zuhause Scandium, Yttrium oder Neodym herumliegen lassen. Es gab und gibt aber entsprechende Fonds, welche Anleger an der Performance partizipieren lassen. Etwa der Rare Earth Elements Fund von Caceis. Doch deren Performance von minus 11 Prozent seit der Auflegung im Juli 2010 verbunden mit den hohen Fondskosten von jährlich 2,16 Prozent zeigen, dass Investoren davon die Finger lassen sollten. Die Preise für die seltenen Metalle stiegen nie wie erhofft an, sie wurden sogar über die Jahre günstiger. Das hat zwei Hauptgründe: China hob eine anfängliche Exportbeschränkungen auf, was das Angebot stark erhöhte, und zahlreiche Unternehmen haben in der Zwischenzeit die Seltenen Erden in ihren Produkten durch andere Stoffe ersetzt.

Kursentwicklung des "Rare Earth Element Fund" seit Juli 2010. Quelle: swissfunddata.ch

Wearables

Wearables werden tragbare Mini-Computer genannt. In erster Linie handelt es sich dabei um Smartwatches, also Armbanduhren, mit denen auch telefoniert, Nachrichten gelesen und  Fitness-Daten ausgewertet werden können. Vor vier Jahren wurden diese als "the next big thing" gehandelt. Traditionelle Schweizer Uhrenhersteller zitterten ob der neuen Konkurrenz.

Doch statt zu einem Massenprodukt zu werden, haben sich die Smartwachtes (noch) nicht richtig etabliert. Adidas ist Ende 2017 ganz aus dem Wearables-Geschäft ausgestiegen. Enttäuschend ist die Aktien-Performance von Fitbit, die "smarte"  Fitnessuhren anbietet: Vom Höchststand im Juli 2015 bei knapp 52 Dollar ist die Aktie wieder auf unter 6 Dollar gefallen. Und Apple weigert sich weiterhin, Verkaufszahlen zur "Apple Watch" herauszugeben. Interessant auch die Neuausrichtung des ehemaligen Wearables ETF vom amerikanischen Anbieter ETC:  Dieser fokussiert sich seit Juli 2018 neu auf die Themen künstliche Intelligenz und virtuelle Realität. 

Saubere Energie

Auf saubere Energien wie Sonne, Wind und Wasser zu setzen, ist zweifellos ein hehres Vorhaben. Doch aus Anlegerperspektive sieht die Langzeit-Performance katastrophal aus: Wer vor 10 Jahren 10‘000 Franken in den "iShares Global Clean Energy ETF" – dieser beinhaltet die 30 grössten und liquidesten Anbieter im Bereich "Saubere Energien" - steckte, hat heute mehr als 8‘200 Franken des eingesetzten Geldes verloren (siehe Grafik unten)

Ein herber Rückschlag für Anbieter im Bereich der Sonnenenergie kam aus China: Die Regierung kürzte 2017 die Subventionen in diesem Bereich drastisch, da das Land ein Überangebot an Strom aus erneuerbaren Energien hatte. Der Preisdruck in der Branche ist zudem massiv stärker geworden. Diese Entwicklungen trafen auch den Schweizer Solarzulieferer Meyer Burger heftig. Die Aktie dümpelt heute bei Werten unter 1 Franken umher, in ihrer Blütezeit im Jahr 2011 erreichte sie Werte von über 10 Franken.

Kursentwicklung des "Global Clean Energy"-ETF von iShares in den letzten 10 Jahren, Quelle: cash.ch

BRIC-Länder

Es war im Jahr 2001, als der damalige Goldman-Sachs-Chefökonom Jim O’Neill den Begriff "BRIC" ins Leben rufte. Hinter diesem Akronym verbergen sich die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China. O’Neill verkündete, dass diese vier Nationen die Weltwirtschaft der Zukunft dominieren werden und daher hochinteressante Investitionsstandorte darstellten.

Es folgte darauf eine Vielzahl an Fonds und ETF, welche auf die BRIC-Staaten setzten. Zwar ist China in der Zwischenzeit tatsächlich zur Weltmacht aufgestiegen und Indien auf gutem Weg dazu, doch schlittern Russland und Brasilien von einer Krise in die nächste. BRIC-Investments sind kein totaler Flop, doch hätte es sich für Anleger in den letzten 10 Jahren mehr gelohnt, breiter auf Schwellenländer zu setzen als ausschliesslich auf die hochgelobten BRIC-Staaten. 

Fazit: Kaum ein "Megatrend" konnte sich überzeugend durchsetzen, einige andere wie Seltene Erden oder Nanotechnologie floppten. Um aber Saubere Energien oder andere Investitionsthemen der letzten Jahre als endgültige Reinfälle abzustempeln, ist es wohl noch zu früh. Häufig kommt es bei neuen Trends zunächst zu einem übertriebenen Hype, dann folgt eine Phase der Konsolidierung, ehe sich danach das Thema vielleicht etablieren kann. Prominentes Beispiel einer solchen Entwicklung ist das Internet, welches zunächst die Dotcom-Bubble um die Jahrtausendwende überstehen musste. Einige Firmen, welche diese Phase überstanden haben, starteten danach durch. Bestes Beispiel dafür ist Amazon.